Mittwoch, 21. Oktober 2020
Freitag, 4. Oktober 2019

TORGAU

Luxemburger zu Gast in Torgau

Die Luxemburger Gäste auf den Fluren des DIZ.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Eine Gruppe von 48 Gästen aus Luxemburg besuchte am Mittwoch das Dokumentations- und Informationszentrum Torgau sowie das Momorial am Fort Zinna. Die TZ sprach darüber mit DIZ-Leiter Wolfgang Oleschinski.

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TZ: Wie kam dieser Besuch zustande?

W. Oleschinski: Organisiert wurde die Gedenkfahrt von der „Dachgesellschaft der Luxemburger Zwangsrekrutierten unter dem Naziregime“. Anlass war der 75. Jahrestag der Hinrichtung von Luxemburger Gefangenen in Torgau. An der Fahrt nahmen Familienangehörige von Luxemburgern teil, die im Zweiten Weltkrieg unter der deutschen Besatzung zwangsweise zur Wehrmacht eingezogen wurden. Die Angehörigen kamen nach Torgau, um der Luxemburger Häftlinge im Fort Zinna zu gedenken. Die Gefangenen hatten sich damals der Zwangsrekrutierung widersetzt und waren deshalb von deutschen Militärgerichten verurteilt worden. Im Fort Zinna waren fast 200 Luxemburger inhaftiert. Etwa 50 waren zum Tode verurteilt, eine große Zahl von ihnen wurde in Torgau hingerichtet.

Wie emotional war der Tag?

Er war bewegend. In der Ausstellung standen die Dokumente über Luxemburger Häftlinge im Vordergrund. Aber auch das Foto der Erschießungsstätte am Fort Zinna traf auf große Beachtung. Bei der Gedenkfeier am Fort Zinna wurden die Namen der Inhaftierten und der Hingerichteten verlesen. Auch der letzte Brief des Luxemburgers Jules Kutter an seine Familie, den er kurz nach der Verkündung des Todesurteils verfasste, wurde zitiert. Darin heißt es: „Die Hoffnung kann mir keiner nehmen. Dazu bin ich zu sehr Christ und zu sehr lebensbejahend.“ Ein emotionaler Moment war es auch, als sich Dr. Lars Fähling als Vertreter der Stadt Torgau und Herr Lamborelle als Präsident des Luxemburger Verbandes am Fort Zinna die Hand reichten – das war auch nach der langen Zeit seit den Geschehnissen ein besonderes Zeichen der Versöhnung und des Vertrauens vor dem Hintergrund einer grauenhaften Geschichte.

Was bleibt von diesem Besuch?

Die Gäste waren froh zu erfahren, dass das DIZ Torgau sich intensiv mit der Aufarbeitung der Schicksale der Luxemburger Zwangsrekrutierten befasst. Es war erleichternd für sie, dass dieses Unrecht in Deutschland nicht vergessen ist. Sie haben den Gedenkort für die Opfer der Wehrmachtjustiz am Fort Zinna kennengelernt. In ihren Augen ist es ein würdiger Ort, um des Unrechts an den in Torgau inhaftierten und ermordeten Luxemburgern zu gedenken.


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