Sonntag, 12. Juli 2020
Dienstag, 26. November 2019

TORGAU

Der erste Schritt zum Jugendstadtrat ist gemacht

Zahlreiche Jugendliche, darunter Kurt-Ole Steinhöfel (3.v.l.), kamen am Freitag in der Kulturbastion zusammen, um über den Jugendstadtrat zu beraten. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Rund 15 Jugendliche erarbeiteten Satzung, Wahlordnung und Stadtrats-Antrag für die mögliche Gründung eines Jugendstadtrats. Dabei können sie auf Hilfe aus der Politik bauen.

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Der erste Stein ist ins Rollen gebracht, jetzt kann durchgestartet werden. Am Freitag kamen rund 15 jugendliche Torgauer in der Kulturbastion zusammen, um sich über die mögliche Gründung eines Jugendstadtrats in der Großen Kreisstadt zu beraten. Anstatt jedoch einfach zu brainstormen, wurde es sehr schnell sehr konkret bei den Besprechungen. Die Jugendlichen hatten sich im Vorfeld gut vorbereitet.

Gut vorbereitet

„Wir haben hier ein bisschen was ausgearbeitet und brauchen jetzt Eure Unterstützung.“ Mit diesen Worten eröffnete Kurt-Ole Steinhöfel das Treffen in der Kulturbastion. Neben den Jugendlichen war auch Christina Gaudlitz als Leiterin des Jugendteams und Dr. Lars Fähling, der Beigeordnete der Großen Kreisstadt Torgau, in Vertretung der Oberbürgermeisterin mit anwesend. Die Idee des Treffens war, sich über ein Konzept sowie eine Wahlordnung und eine Satzung Gedanken zu machen. Daraus sollte dann ein entsprechender Antrag für die Gründung des Jugendstadtrats erarbeitet werden, den dann die LINKE- und die SPD-Fraktion in den Stadtrat einbringen sollen.

Das zehnköpfige Team der jungen Organisatoren, von denen am Freitag vier anwesend waren, hatte sich bereits im Vorfeld mit der Wahlordnung des letzten Torgauer Jugendstadtrats aus dem Jahr 2003 sowie den Satzungen zahlreicher nordsächsischer Jugendstadträte auseinandergesetzt. Daraus waren dann erste Entwürfe für Wahlordnung und Satzung entstanden, über die am Freitag diskutiert wurde.

Nicht nur Torgauer wählen

12 Plätze soll die Liste der Kandidaten für den Torgauer Jugendstadtrat haben, Vorbild dafür waren die Gremien in Delitzsch und Oschatz. Die Mitglieder sollen 14 bis 25 Jahre alt sein, das Wahlalter soll 10 bis 25 Jahre betragen. „Also das ungefähre Alter, mit dem man auf eine weiterführende Schule kommt“, lieferte Kurt-Ole Steinhöfel die Erklärung. Der 18-jährige Torgauer hatte an diesem Abend die Rolle des Moderators und ist auch selbst federführend an der Vorbereitung für die Gründung des Jugendstadtrats beteiligt.

Die Zustimmung bei den Anwesenden fand auch die Idee, dass nicht nur alle in Torgau wohnhaften Jugendlichen wahlberechtigt seien, sondern auch diejenigen, die ihre Ausbildungsort in Torgau haben. „Wer hier zur Schule geht, der verbringt auch die meiste Zeit hier in der Stadt und sollte damit auch mitbestimmen dürfen.“

Online-Wahl – Ja oder Nein?

Die Wahlen des Jugendstadtrats sollen sowohl im Rathaus als auch in den Torgauer Schulen stattfinden. Darauf einigte man sich am Freitag. Ein großes Fragezeichen steht jedoch noch über einer eventuellen Online-Wahl. Dies wurde in der Diskussion mit dem Vorschlag angeregt, möglicherweise mit einer Wahlbenachrichtigung auch Zugangsdaten für eine Internet-Portal mitzuliefern, wo dann die Wahl vorgenommen werden könne. Eine klare Entscheidung wurde zu diesem Punkt noch nicht gefällt, man einigte sich darauf, erst einmal die Machbarkeit zu prüfen.

„Was passiert eigentlich mit Livia Lehmann, wenn es einen Jugendstadtrat gibt?“ Mit dieser Frage bezog sich Jugendteam-Chefin Christina Gaudlitz auf die Schülersprecherin der Katharina-Von-Bora-Oberschule, die in diesem Jahr zur „Sachkundigen Einwohnerin“ bestellt wurde und seither den Ausschüssen bei entsprechenden Themen beratend zur Seite steht. Kurt-Ole Steinhöfel bestätigte, dass man sich mit dieser bereits in Verbindung gesetzt hätte und sie sich Unterstützung durch den Jugendstadtrat wünsche.

Unterstützer gesucht

Bei ihrem Treffen am vergangenen Freitag tauchten die Jugendlichen noch viel tiefer in die Vorbereitung des Jugendstadtrates ein und befassten sich dabei unter anderem noch damit, wie die Anträge zukünftig ihren Weg in den Stadtrat finden sollen, welchen Etat das Gremium zur Verfügung haben soll und wie man auch die nicht-gewählten Jugendlichen zu Wort kommen lassen kann. All das wird in der nächsten Zeit in die Satzung, die Wahlordnung und den Stadtrats-Antrag eingefügt. Letzterer soll dann, so der Plan, Anfang des kommenden Jahres in den Stadtrat gebracht werden. Dafür hat sich das Team der Organisatoren die LINKE- sowie die SPD-Fraktion ins Boot geholt, welche beide das Vorhaben unterstützen. Wer sich an dem Projekt beteiligen oder gar als Kandidat auf die Liste eintragen lassen möchte, kann sich unter der Nummer 015236676221 melden. Demnächst soll außerdem noch eine entsprechende Instagram-Seite eingerichtet werden.

 

Das sagen die "Großen"

Das Vorhaben, einen Jugendstadtrat zu gründen, stößt nicht nur bei der Torgauer Jugend auf großen Zuspruch. Auch aus der regionalen Politikszene haben die jungen Leute, die bereits an der Ausarbeitung ihrer Satzung und Wahlordnung arbeiten, Rückendeckung. Als Vertreter für die Stadtverwaltung war am Freitag Dr. Lars Fähling beim ersten Treffen Jugendstadtrats-Organisatoren mit dabei (TZ berichtete), Heiko Wittig von der SPD Nordsachsen und Michael Bagusat-Sehrt von den LINKEN unterstützen bei der Antragsstellung im Torgauer Stadtrat. Auf TZ-Nachfrage erklärten die drei, wie sie zur Idee des Jugendstadtrats stehen und wie sie diesen auf seinem Weg unterstützen möchten.

„Ich sehe es als eine der wichtigsten Aufgaben von uns Kommunalpolitikern, die junge Generation in Entscheidungsprozesse mit einzubinden“, betont Heiko Wittig von der nordsächsischen SPD. „Dabei stelle ich immer wieder fest, dass die Jugend keineswegs nur desinteressiert ist. Deshalb ist es für mich selbstverständlich diejenigen, die etwas bewegen wollen, zu unterstützen. Nachdem ich bereits gute Kontakte zu den sehr gut funktionierenden Jugendparlamenten in Taucha, Delitzsch und Oschatz habe, bei deren Gründung ich zum Teil auch aktiv mitgeholfen habe, habe ich natürlich auch den jungen Torgauern meine Unterstützung zugesagt. Schnell waren Kontakte in die anderen Städte vermittelt und erste Voraussetzungen wie zum Beispiel die Satzung besprochen. Nun freue ich mich, dass die Torgauer Jugendlichen aktiv am Ball sind und sicher in Kürze eine wertvolle Rolle in der Kommunalpolitik in unserer Kreisstadt mitspielen werden. Meine Unterstützung werden sie auch weiterhin haben.“

Michael Bagusat-Sehrt, der für die LINKE im Torgauer Stadtrat sitzt, ist ebenfalls begeistert vom Engagement der Jugendlichen und hat bereits seine Unterstützung zugesichert.  „Nicht die ,Alten’ entscheiden, was man darf, wie es laufen soll und entschieden wird, sondern die Kinder und Jugendliche selber. Als Herr Steinhöfel mich mit der Idee angesprochen hat, einen Jugendstadtrat in Torgau zu etablieren, war ich sehr überrascht darüber, dass es so viele Jugendliche gibt, die in der Sache mitmachen. Gab es doch in Torgau schon etliche Anläufe in verschiedenster Form, eine ordentliche Jugendvertretung zu schaffen. Viele sind gescheitert. Oftmals daran, dass die ,Alten’ bestimmen wollten, wo es langgeht. Nun sind es die Jugendlichen alleine, die sich die viele Arbeit gemacht, ihre Ideen zusammen getragen und daraus noch eine Satzung und Wahlordnung gestrickt haben. Ohne das Zutun der ,Alten’, ist es doch genau das, worüber wir uns immer unterhalten und debattiert haben– die jungen Menschen sollen selbstbewusst und selbstbestimmt über die Probleme und Anliegen mitreden und mitentscheiden können. Das noch in der übliche Manier natürlich ordentlich geregelt. Und genau diese Regelwerke haben sie auch noch selbst erstellt. Finde ich klasse und findet meine volle Unterstützung. Genau so habe ich es mir vorgestellt.“

Sich selbst ein Bild von der Arbeit der Jugendlichen konnte sich Torgaus Beigeordneter Dr. Lars Fähling am vergangenen Freitag selbst machen. Von dem dort Erlebten zeigt er sich deutlich angetan und erklärt: „Die Stadtverwaltung begrüßt das Interesse der jungen Torgauerinnen und Torgauer an der Kommunalpolitik. Frau Oberbürgermeisterin Barth unterstützt die Einbindung der Jugendlichen in die Stadtpolitik, um deren Belange Gehör zu verschaffen und die Attraktivität der Stadt für junge Menschen auszubauen. Seit längerer Zeit steht die Verwaltung auf Veranlassung durch die Oberbürgermeisterin vor allem mit den örtlichen Schulen in Kontakt, um eine Jugendbeteiligung in den Ratssitzungen zu erreichen. Die erste Mitwirkung auf diese Initiative erfolgt bereits durch die junge Torgauerin Livia Lehmann, die seit diesem Jahr als sachkundige Einwohnerin für die Belange der Jugendlichen an den Sitzungen des Stadtrates teilnimmt.
Unter welchen rechtlichen Voraussetzungen und finanziellen Rahmenbedingungen der aktuelle Vorschlag umsetzbar ist, muss in den nächsten Wochen geprüft und abgestimmt werden. Eines steht bereits heute fest: Die Bürgerschaft kann sich begeistert zeigen über die große Zahl der interessierten Schülerinnen und Schüler, die an dem Entwurf gearbeitet haben und sich zum heutigen Zeitpunkt vorstellen können als Jugendstadtrat oder sachkundiger Einwohner mitzuwirken.“

 

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