Mittwoch, 30. September 2020
Freitag, 6. Dezember 2019

DOMMITZSCH

"Ein Prachtbau, der jede Menge Geld verschlingt"

Bushaltestelle in der Falkenberger Straße in Trossin. Ein ganzer Katalog an Vorschriften musste eingehalten werden Foto: privat

von unserem Redakteur Nico Wendt

Trossin. Der barrierefreie Umbau der Bushaltestellen in der gesamten Gemeinde Trossin hat jede Menge Geld gekostet. Jetzt ist der Neubau in der Falkenberger Straße in Trossin fertig geworden. Doch es gibt Kritik von Anwohnern. Ein Fall für „TZ kümmert sich“

 

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Trossin. In der Falkenberger Straße in Trossin ist eine neue Bushaltestelle entstanden. Barrierefrei – entsprechend den neuen Regelungen. Gestern erfolgte die Abnahme. Allerdings findet der „Prachtbau“- wie ihn einige Anwohner bezeichnen, nicht nur ungeteilte Zustimmung. Wolfgang Bergner, ehemaliger Trossiner Gemeinderat, ist einer derjenigen, der Kritik offen ausspricht und sich an die TZ-Redaktion wandte: 

 

Mindestabstände 

„Jeder Besitzer eines Grundstücks muss einen Mindestabstand zum Nachbarn einhalten, wenn er etwas bauen will. Zwischen Haus und Wartehäuschen langgehen ist eigentlich kaum machbar und vor dem Häuschen wird es ebenfalls ein Hindernislauf. Und wenn die Haltestelle voll steht, Platz ist ja für mindestens 50 Leute, kann man da gar nicht langgehen! Auf der Teichseite endet die Haltestelle im Matsch, ein Fußweg ist dort gar nicht vorhanden und kommt auch nicht hin. Das ist übrigens in Dahlenberg ähnlich, der Rollstuhlfahrer kann dann auch nicht weiter, weil kein Fußweg vorhanden ist.

Man fragt sich, wer so etwas in dieser Größenordnung plant. Das Geld, welches Trossin in diese Aktion „behindertengerechte Bushaltestellen“ trotz Förderung gesteckt hat, ist immens und hätte wahrlich besser verwendet werden können. Abgesehen davon, dass die Fördermittel ja auch

Steuergelder sind!“, schrieb Wolfgang Bergner. Seine Vermutung, dass das Landesamt für Straßenbau und Verkehr zuständig sei, weil es sich um die S 16 handelt, bestätigte sich aber bei der TZ-Recherche nicht. 

 

Nicht zuständig 

„In Rücksprache mit unserer Niederlassung Leipzig können wir leider nicht weiterhelfen, Vorhabenträger ist hier die Kommune“, antwortete LaSuV-Sprecher Franz Grossmann auf TZ-Nachfrage. Die Kommune verwies auf aktuelle Vorschriften: Mit Novellierung des Personenförderungsgesetzes wird in Paragraf 8 Abs. 3 verpflichtend festgelegt, dass für alle Nutzer des ÖPNV bis zum 1. Januar 2022 die vollständige Barrierefreiheit erreicht werden soll, und damit sind neben den Verkehrsunternehmen auch alle Kommunen stark gefordert. Im Rahmen des Programmes „Barrierefreies Haltestellenprogramm 2017“ des Landkreises Nordsachsen nutze die Gemeinde Trossin seit Dezember 2017 die Möglichkeit, die Bushaltestellen in der Gemeinde barrierefrei herzustellen. Ein Planungsbüro wurde beauftragt und halte sich an die vorgeschriebenen Regelungen bzw. Vorschriften. Die Ausführung richte sich nach der sogenannten FGSV (Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen)-Richtlinie. 

 

Vorschriften 

Hier heißt es unter anderem: Es wird eine hammerförmige Fläche (Aufmerksamkeitsfeld mit angehängten Fang-streifen im rechten Winkel zum Bordstein) aus lndikatorplatten aufgebracht, die sich in Höhe der vorderen Tür des Busses befindet und dort den Einstieg markiert. Es ist darauf zu achten, dass an allen Verzweigungen, Schwellen, Treppen und für die Orientierung wichtigen Punkten sogenannte Aufmerksamkeitsfelder angebracht sind. Es ist prinzipiell eine ebene Pflasterung herzustellen. Die gesamte Tiefe der Haltestelle soll 2,50 Meter bei einer Regellänge von 18 Metern betragen. Wenn Wartehäuschen aufgestellt oder erneuert werden, ist darauf zu achten, dass die Breite des Weges, der an dem Wartehäuschen vorbei geführt wird, eine Mindestbreite von 1,50 Meter aufweist. Auch die Finanzierung ist geregelt: Sowohl die Errichtungskosten als auch die Planungs- und Vermessungskosten werden mit jeweils 90 Prozent der Gesamtkosten im Rahmen einer Projektförderung durch den Landkreis gefördert, hieß es. 

 

Fußweg nutzbar 

Bürgermeister Herbert Schröder, den TZ ebenfalls erreichte, zeigte sich im Bilde. „Ich habe von der Kritik allerdings erst erfahren, als die Bauarbeiten schon im vollen Gange waren. Inzwischen ist die Bushaltestelle fast fertig. Es wird sich nicht mehr ändern lassen“, drückte er sein Bedauern aus. Dass der Fußweg nicht mehr nutzbar sei, könne er aber nicht bestätigen. „Es bleiben mindesten 1.50 Meter frei, um an der Haltestelle vorbeizugehen. Der Gehweg ist somit breit genug. Nur das Parken wird in dem Bereich vor dem Grundstück nicht mehr möglich sein“, sagte er. Er wolle sich aber das Problem trotzdem noch einmal bei der Bauabnahme anschauen.


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