Donnerstag, 28. Mai 2020
Mittwoch, 15. Januar 2020

DOMMITZSCH

"Fahrplan" für Fähre

Die Fähre wurde an Land genommen und eingehaust. Hier ein Blick in die "Behausung" mit einem Teil des Fährbootes. Foto: privat

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Seit Ende Oktober befindet sich die Fähre Prettin in der Werft in Aken. Die Elbverbindung Prettin-Dommitzsch ist unterbrochen. Nun deutet sich ein baldiger Rücktransport an, der alle Kunden hoffen lässt. 

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Dommitzsch/Prettin. Man könnte sagen: der Fahrplan steht. Und das im doppelten Sinne. Am 23. Januar soll die Fähre Prettin in der Werft in Aken das ersehnte Fähr-und Überführungszeugnis erhalten. 

Klappt das, wären die Weichen für den Rücktransport in der Woche darauf gestellt, so die Stadtverwaltung Annaburg. Dann könnte voraussichtlich ab 1. Februar der Pendelbetrieb auf der Elbe zwischen Dommitzsch und Prettin wieder aufgenommen werden. 

Ein Problem 

Hätte, wäre, könnte – für Pächter Jürgen Kollin stehen hinter dem „Fahrplan“ noch zu viele Fragezeichen, wie er zugibt. „Ich hoffe sehr, dass es so klappt, aber ich bin dennoch skeptisch. Unter anderem auch, weil die Elbe derzeit sehr niedriges Wasser führt und der Rücktransport über die Strecke von 100 Kilometern zum Problem werden könnte“, legt der Prettiner die Stirn in Falten. 

Schon die Hinfahrt Ende Oktober sei eine Herausforderung gewesen. Damals legten sich die Mitarbeiter vom Wasser- und Schifffahrtsamt sehr ins Zeug. Zwei Tage dürfte es jetzt auch gut und gerne dauern, um in Prettin alles wieder herzurichten. „Wir brauchen am besten ein Schiff mit Bagger. Das Hauptseil misst 350 Meter und ist am Ende mit zwei Ankern in der Elbe zu befestigen. Allein das Einhängen dauert einen halben Tag“, macht Jürgen Kollin deutlich. 

Gierseilfähren pendeln bekanntlich nicht per Motorkraft von Ufer zu Ufer, sondern nutzen die Strömung des Flusses geschickt aus. Je nach Anstellwinkel des Fährbootes wird das Transportmittel entweder in die eine, oder in die andere Richtung gedrückt. Das lange Hauptseil teilt sich kurz vor der Fähre auf. Ein Seilende ist am Bug und eines am Heck befestigt. Verändert sich die Länge der Enden zueinander, verändert sich der Anstellwinkel. Ein cleveres Prinzip, übrigens schon 1657 von einem Holländer erfunden. 

Mitarbeiter sind dienstbereit 

Jürgen Kollin spürt dieser Tage, dass seine Stammkunden bereits mit den Hufen scharren. Viele Berufspendler fahren enorme Umwege. „Ganz schlimm war es, als noch dazu die B 182 zwischen Torgau und Dommitzsch gesperrt war“, erinnert sich der Prettiner an den Unmut seiner Kundschaft. Zwar sei es im Winter ruhiger, aber die Einnahmen fehlen trotzdem. Seine drei Fähr-Mitarbeiter seien jedenfalls „dienstbereit“. 

Fabian Schauer, verantwortlicher Mitarbeiter im Rathaus Annaburg, sieht das erwähnte „Wasser-Problem“ entspannter. „Unsere Gedanken kreisen erst mal um den 23. Januar – den großen Abnahmetermin“, lautet seine Aussage. Unliebsame Überraschungen habe es bislang nicht gegeben. Man hofft, dass die Prüfexperten wie erhofft den Daumen heben. 265 000 Euro haben die Arbeiten in der Werft in Aken gekostet. Zehn Prozent trage die Stadt Annaburg allein. Der Rest werde über Fördermittel beglichen. 

„Die Fähre kam aus dem Wasser raus, wurde aufgepollt, eingehaust und beheizt. Wir haben alles abstrahlen und  die Auffahrrampen instand setzen lassen. Die Buhnenköpfe an der Elbe sind ja neu und die Steine scharfkantiger: Das ergab größeren Abrieb an den Rampen. Wir haben das Material verstärkt,um den Verschleiß zu reduzieren. Der Behelfsantrieb ist instand gesetzt, der Motorgenerator komplett neu, der Batterieblock erneuert und die Hauptwinden sind generalüberholt“, zählt Fabian Schauer auf. Alle Seile seien neu, ebenso die Elektrik. Das Kassenhäuschen bekam neue Fenster und eine kleine Zusatzheizung. Die Fähre erhielt zudem eine Schrankenanlage. Der gesamte Bootskörper wurde neu lackiert und beschichtet. „Wir waren zufrieden: Unterhalb der Wasserlinie zeigte sich die Fähre in gutem Zustand, keine Risse, keine gerissenen Schweißnähte. Der zuletzt verwendete Lack erwies sich als optimal. Der Untergrund sah schon schlimmer aus“, so der Rathaus-Mitarbeiter. 

Über die Feiertage 

Für das genannte Pensum an Arbeiten sei der reine Arbeitszeitraum von neun bis zehn Wochen auch akzeptabel. Schließlich müsse man sehen, dass mit Weihnachten und Silvester die Feiertage dazwischen lagen. „Wir wollen den Prüftermin immer so spät wie möglich, um den Tourismus in den Sommermonaten nicht zu behindern“, geht Schauer auf den gewählten Winter-Zeitraum ein, der sich schon manchmal als knifflig erwiesen habe. Was den Rücktransport betrifft, gehöre das zu den Leistungen der Werft, die sich kümmern muss. Sollte das über die betriebliche Weise nicht funktionieren, werde man wieder um behördliche Hilfe bitten, beispielsweise über das Wasser- und Schifffahrtsamt. Problem sei nicht der Abschnitt zwischen Torgau und Wittenberg, sondern in Richtung Aken. Dort ist die Elbe breiter und flacher. 

Nächster Termin 

„Der Prüftermin liegt auf dem 23. Januar, einem Donnerstag. Wir würden den Rücktransport Montag beginnen, brauchen gegen den Strom zwei Tage, also bis 29. Januar. Dann könnte man am 30. und 31. Januar alles einrichten und am 1. Februar den Pendelbetrieb zwischen Dommitzsch und Prettin wieder aufnehmen“, geht Fabian Schauer noch genauer auf den „Fahrplan“ ein. Nächster TÜV-Termin sei dann erst wieder 2025. 


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