Samstag, 3. Dezember 2022
Dienstag, 21. Januar 2020

Feste Größe in der Bildungslandschaft

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Das Torgauer DIZ zählte im vergangenen Jahr knapp 14000 Besucher. Die Arbeiten an neuer Dauerausstellung laufen.

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Noch bis heute Mittag war die Nachricht vom Fernbleiben des polnischen Botschafters Przylebski nicht bis ins Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau vorgedrungen. Bildungsreferentin Elisabeth Kohlhaas zeigte sich auf Nachfrage der Torgauer Zeitung dahingehend überrascht, war der Botschafter doch fest mit einer Rede anlässlich des Gedenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz eingeplant.

 

Gedenken am Fort Zinna

 

Zu jener öffentlichen Gedenkveranstaltung laden das DIZ und die Stadt Torgau am kommenden Freitag gemeinsam ein. Beginn ist 12 Uhr am Gedenkort vor dem Fort Zinna in Torgau. Anlass ist der bundesweite Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der am 27. Januar im Kalender steht.

Auch wenn sich durch die Absage des Botschafters im Protokoll kleinere Veränderungen ergeben – an der sich anschließenden Eröffnung der Sonderausstellung „Bartoszewski 1922-2015. Widerstand – Erinnerung – Versöhnung“ (13.15 Uhr im DIZ) ändert sich nichts.

Mehr als 60 000 Soldaten und Zivilisten waren während des Zweiten Weltkriegs in den beiden Wehrmachtgefängnissen in Torgau inhaftiert. Mehrere Hundert Gefangene wurden in Torgau und in Halle/S. hingerichtet. Viele Tausend Häftlinge ließen in Straf- und Bewährungseinsätzen an der Front ihr Leben.

 

Wegbereiter der Versöhnung

 

Die Sonderausstellung erinnert an Wladyslaw Bartoszewski, den früheren Außenminister der Republik Polen. Der Historiker und Politiker gehörte im Zweiten Weltkrieg dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer an und überlebte schwer krank das deutsche Konzentrationslager Auschwitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er ein Wegbereiter der Versöhnung zwischen Polen und Deutschland. Die Ausstellung ist bis zum 3. März 2020 täglich von 10 bis 18 Uhr im DIZ Torgau zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Die Eröffnung bildet den Auftakt für ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, welches im diesem Jahr die Besucher locken wird. Festlicher Höhepunkt dürfte die zentrale Gedenkfeier der Stiftung Sächsische Gedenkstätte sein, die am 5. Mai anlässlich des 75 Jahre zurückliegenden Endes des Zweiten Weltkrieges in Torgau ausgetragen wird.

Beim DIZ sieht man sich für die anstehenden Aufgaben gut gerüstet. Nicht zuletzt deswegen, weil man mit der Vorbereitung zur neuen Dauerausstellung auf einem guten Weg sei, bestätigt Kohlhaas. Dazu zähle nicht nur die im vergangenen Jahr erhaltene Förderzusage durch Bund und Freistaat in Höhe von knapp einer Millionen Euro, mit der nicht nur die Ausstellung selbst sondern auch eine Stelle zur Erarbeitung der Ausstellung im DIZ finanziert werden kann. Dazu zähle zudem, dass Ende des vergangen Jahres die Frage entschieden worden sei, wer künftig die Gestaltung der Ausstellung übernehme. Neben einem Kölner Gestaltungsbüro ist auch ein Berliner Grafikbüro mit den Arbeiten betraut worden. Mit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung, die dem Hause gewiss ein deutliches Besucherplus beschert, wird in den nächsten zwei Jahren gerechnet.

 

Besucherzahl

 

Stichwort Besucherzahl: Die lag im vergangenen Jahr bei knapp 14000.  „Eine sehr zufriedenstellende Größe“, schätzt Elisabeth Kohlhaas ein, auch wenn man damit unter den Besucherzahlen der Jahre 2017/18 gelegen habe. Erklärung: Das DIZ profitierte im Zuge des 500. Reformationsjubiläums von einem gestiegenen touristischen Interesse an Torgau beziehungsweise am Schloss. Auffällig am Besucherinteresse: Bei Sonderausstellungen und Infoabenden gab es ein deutliches Plus.

„Wir haben es mit unserer Arbeit geschafft, dass wir mittlerweile auch überregional wahrgenommen werden“, freut sich Kohlhaas. Das DIZ Torgau sei in Deutschland DIE Gedenkstätte, in der an die Auswirkungen der nationalsozialistischen Militärjustiz erinnert werde. Es gebe keine andere Gedenkstätte, in der jenes Anliegen so intensiv vermittelt werden könne, wie hier. So gestalte sich beispielsweise die Zusammenarbeit mit Angehörigen der Bundeswehr als sehr gut.

 

Zusammenarbeit mit dem JWG

 

Was Führungen betrifft, hat das DIZ im Jahre 2019 1500 Leute erreichen können. Ein Großteil davon – 500 – waren Schüler. So verwundert es auch nicht, dass an der Tradition festgehalten wird, mit dem Torgauer Johann-Walter-Gymnasium aus Anlass des Tags der Opfer des Nationalsozialismus am 28. Januar erneut eine Gedenkveranstaltung für Schüler durchzuführen.

 

Feste Größe

 

Das DIZ Torgau hat sich auf Grund seiner Vielzahl von Angeboten zu einer festen Größe in der Bildungslandschaft entwickelt. An dieser Stelle soll beispielsweise an die im vergangenen April vorgestellte Publikation „Heute: Haus der Erziehung – Der Strafvollzug der DDR in Torgau 1950 bis 1990“, den November-Vortrag zur Rolle der DDR-Kampfgruppen oder auch die im Gymnasium präsentierte Ausstellung über den Wehrmachtleutnant Arno Bischoff erinnert werden, der nur wenige Tage zuvor eine Kranzniederlegung am Fort Zinna vorausging, an der unter anderem der slowenische Botschafter Franc But teilnahm.

 

 

INFOKASTEN:

Die Landesservicestelle bietet Beratung, Unterstützung und Begleitung bei Fahrten zu historischen Lernorten des 20. Jahrhunderts in Sachsen, Deutschland und darüber hinaus. So werden beispielsweise angemeldete Fahrten zu sächsischen Lernorten des Erinnerns und Gedenkens (in Torgau sind dies das DIZ und die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof) mit maximal 500 Euro für Programm- und Fahrtkosten unterstützt.

Mehr dazu im Internet unter www.lernorte.eu/sachsen;

Tel. 0351433140

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