Samstag, 22. Februar 2020
Donnerstag, 23. Januar 2020

OSTELBIEN

5G: Chance oder Risiko?

In den Besucherreihen saßen mehr Zuhörer, als Köllitsch Einwohner (78) hat.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Köllitsch/Nordsachsen. Da hatte sich Dr. Uwe Bergfeld gehörig verschätzt. In zwei Stunden, so dachte er, habe man die Sache hinter sich gebracht. Gut möglich, dass er angesichts des großen Besucherzuspruchs am Mittwochabend im Köllitscher Lehr- und Versuchsgut insgeheim selbst an seinen Eröffnungsworten zweifelte.

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Am Ende standen knapp drei Stunden teils intensiver Diskussion auf der Uhr. Stunden, in denen das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) versuchte, die im Zuge eines aufgemachten 5-G-Testfelds geplanten Projekte vorzustellen, Gegner jedoch immer wieder auf Studien verwiesen, die sich gegen jene Technologie aussprechen.

 

Breit gefächert

 

Zwischen diesen beiden Positionen spannte sich ein Diskussionsabend, der dem Laien Stichworte wie Grenz- und Referenzwerte, Abstrahlleistung, Schwarmtechnologien, Datenhoheit, Manipulationssicherheit oder beispielsweise auch Risikobetrachtung um die Ohren haute.

Ziel und Zweck des Abends sei es, dem Besucher das 5-G-Testfeld zu erläutern, hatte Bergfeld zu Beginn deutlich gemacht. Er ahnte wohl, welche Wendungen die Veranstaltung nehmen könnte. Weg von der Vorstellung praktischer Einsatzmöglichkeiten und die Frage, welche Strahlenbelastung damit verbunden ist, hin zu einer Grundsatzdiskussion über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen durch hochfrequente elektromagnetische Felder. Und weil sich zum Ende des Abends in der Multifunktionshalle ein fast schon unübersichtliches Duell der Argumente ergab, sollen nachfolgend die grundlegenden Positionen beider Seiten wiedergegeben werden:

Den Anfang machte dabei das LfULG, das neben Dr. Uwe Bergfeld mit Thomas Welsch vom 5G Lab Germany der Technischen Universität Dresden und mit Peter Gamer vom Landesamt (LfULG-Referatsleiter für Anlagebezogenen Immissionsschutz) zwei weitere Fachleute ins Rennen warf.

 

Zukunftsweisend

 

Bergfeld arbeitete in seinem Vortrag die Chancen der 5-G-Technologie für die Landwirtschaft heraus. In Köllitsch sei mit jener Forschung ein zukunftsweisender Weg eingeschlagen worden, der enorm hohe Potenziale biete. So könne die Landwirtschaft durch die mit 5G ermöglichte Datenflut umweltgerechter und ressourcenschonender agieren, weil beispielsweise der Düngereinsatz aufgrund besserer Erkenntnisse über den Bodenzustand optimiert werden könne. Trends im Bereich der Robotik, der Sensorik oder beispielsweise auch der Fernerkundung aus der Luft seien Anwendungsbereiche von 5G. Um jene Technologien aber auf den Praxisprüfstand zu stellen und um zu sehen, wie damit generierte Daten für den Landwirt aufbereitet werden können, sei das Testfeld wichtig. Gleichwohl betonte Bergfeld, dass man in Köllitsch Fragen nach dem Kosten- und Nutzenaufwand, einer möglichen Überversorgung oder auch einer denkbaren Überforderung des Verbrauchers nachgehe.

 

Drei Betriebe involviert

 

Aktuell sind in Europas größtem  „SIH-Test- und Demonstrationsfeld“, das sich nach LfULG-Angabe von Köllitsch bis Nossen sowie von Dürrweitzschen bis Meißen über eine Fläche von 2000 Quadratkilometer erstreckt, lediglich drei Landwirtschaftsbetriebe involviert. Jener Umstand relativiert die noch im Juni 2019 in Köllitsch gemachten Angaben, als das Testfeld erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Auch die Anzahl der für das Testfeld möglichen Antennen will nicht so recht zum europäischen Superlativ passen. So erläuterte Thomas Welsch, dass die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel in etwa für 15 Antennen reichen werden, die bei Weitem nicht die 2000 Quadratkilometer abdecken können. Hintergrund: Eine 5G-Antenne hat einen physikalisch begrenzten Wirkungskreis, der nicht über die Strecke von einem Kilometer hinausragen kann.

 

Zwei Funkzellen

 

Im Lehr- und Versuchsgut sollen zwei 5-G-Funkzellen aufgebaut werden. Diese sind für die Außenwelt abgeriegelt und dienen beteiligten Instituten und Firmen zu Testzwecken. Das bedeutet, dass es darüber vor Ort keine kommerzielle Anwendung von 5G im Mobilfunk gibt. Trotzdem meldeten sich auch hier Kritiker zu Wort, die argumentieren, dass Dörfer bestrahlt werden, ohne dass deren Einwohner überhaupt gefragt werden. So lange die Technologie noch nicht ausgereift sei, dürften  keine Versuche unternommen werden, lautete die Forderung. Aufbrandender Beifall in der Halle, deren Besucher längst nicht nur aus Köllitsch beziehungsweise Ostelbien kamen.

 

Risikobewertung

 

Dem Risiko-Vorwurf begegnete Dr. Uwe Bergfeld mit dem Argument, dass den Tests eine Risikobewertung vorausgegangen sei und darüber hinaus permanent die Strahlenbelastung überwacht werde. Wie hoch Letztere ist, erläuterte Peter Gamer anhand von Grenzwerten, die vom Gesetzgeber festgelegt und ebenso ständig überprüft werden. So seien am 14. Januar in der Köllitscher Ortslage Messungen durchgeführt worden, bei denen man auch auf die kommerziellen Sendemasten in Arzberg und Belgern geblickt habe. Die Ergebnisse jener fünf Messungen hätten ergeben, dass selbst in Spitzenzeiten die definierten Grenzwerte um ein Vielfaches unterschritten wurden – Aussagen, denen entgegengehalten wurde, dass dank erfolgreicher Lobbyarbeit die Definition der Grenzwerte zu hoch angesetzt worden sei. Ein Vorwurf, den Gamer mit dem Verweis auf die Zusammensetzung der für die Grenzwert-Definition zuständigen Gremien so nicht stehen lassen wollte. Weitaus stärker als ein Sendemast würde – mit Blick auf mögliche Krebsursachen – das Handy am Ohr zu einem körperlichen Risiko führen.

 

Recht mürrisch

 

Obgleich das Publikum wegen einzelner kritischen Stimmen zum Ende hin recht mürrisch zu werden schien, wollte die Argumentation der LfULG-Experten hinsichtlich Einhaltung von Grenzwerten trotzdem nicht ganz aufgehen. „Ich bin Laie und kann nur darauf hoffen, dass wir von Fachleuten gut beraten werden“, meldete sich ein Zuhörer zu Wort. Dennoch merkte er an, dass sich Verantwortliche doch bitte schön die Frage stellen müssten, warum die Vorbehalte in der Bevölkerung derart groß seien.

 

21. Jahrhundert

 

Bedenken, die der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt so nicht ganz teilen wollte. Ständig sehe sich die Politik mit dem Vorwurf konfrontiert, dass auf dem Lande nichts passiere, sagte der Torgauer, der den schlechten Zustand der Staatsstraße 25 als Steilvorlage von Arzbergs Bürgermeister Holger Reinboth verbal aufgriff. Nun aber habe man in Köllitsch die Chance, technologisch ins 21. Jahrhundert aufzubrechen. Wendt geht davon aus, dass jene Grundlagenforschung einen Schub für Ostelbien bringe.

Die Strellner AfD-Landtagsabgeordnete Gudrun Petzold bedauerte am Ende den Umstand, dass eine solche Diskussion, wie sie in Köllitsch geführt worden sei, so spät komme. Besser wäre es gewesen, wenn man sich schon vor einem Jahr über Risiken unterhalten hätte. Sie regte eine weitere Diskussion an, bei der konkret auf die gesundheitlichen Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder eingegangen werden solle. Ein Vorschlag, den Dr. Uwe Bergfeld dankend aufnahm.


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