Donnerstag, 1. Dezember 2022
Freitag, 24. Januar 2020

Deutliche Worte - nicht nur des Erinnerns

Händedruck zwischen Torgaus OBM Romina Barth und Botschaftsvertreter Dariusz Pawlos.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Kaum ein Gedenken an die Opfer der Wehrmachtjustiz war mit derart viel Spannung erwartet worden, wie jenes am Freitagmittag: Nach der Absage des polnischen Botschafters war es an Dariusz Pawlos (Presseattaché der polnischen Botschaft in Berlin), die Gedenkrede am Fort Zinna zu halten.

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In dieser erinnerte er an das Leid der deutschen sowie der ausländischen Wehrmachthäftlinge, unter denen auch polnische Widerstandskämpfer gewesen seien.

Gleichwohl räumte er ein, dass der polnischen Öffentlichkeit Torgau als ehemalige Zentrale der NS-Militärjustiz nur wenig bekannt ist. Vielmehr sei die Stadt an der Elbe wegen der historischen Begegnung der Alliierten  zum Symbol des Friedens und des Dialogs geworden. Nur so könne eine gemeinsame Zukunft gestaltet werden. Jene Bereitschaft zur Begegnung und Zusammenarbeit sehe man deutlich am Beispiel des Freistaats Sachsen. „Und ich weiß, dass diese Bereitschaft auch in der Torgauer Zivilgesellschaft vorhanden ist, obwohl das von manchen Stadtvertretern nicht gern gesehen wird“, legte Pawlos nicht nur als Vertreter der Botschaft sondern auch als langjähriger Mitarbeiter und Leiter der Stiftung Deutsch-Polnische Aussöhnung den Finger in die derzeit klaffende Wunde. Es sei wichtig, dass Polen und Deutsche einen gemeinsamen Weg des Respekts und des Verständnisses gehen könnten.

Pawlos richtete dahingehend auch eine dringende Bitte an Oberbürgermeisterin Romina Barth (CDU), bei der Recherche zu Namen zahlreicher in Torgau beigesetzter polnischer Zwangsarbeiter behilflich zu sein. So habe man bereits im Jahre 2017 der Stadt einen entsprechenden Brief zukommen lassen. Für Torgaus Linke-Stadtrat Ulf Podbielski ein klarer Fall für einen unbürokratischen Erste-Hilfe-Einsatz, zumal die Aufarbeitung jener Schicksale bereits in den 80er Jahren begonnen habe.

Um Verständigung, Respekt und ein gegenseitiges Miteinander ging es auch Wladyslaw Bartoszewski. Dem 2015 verstorbenen polnischen Historiker, Publizist und Politiker ist eine Sonderausstellung gewidmet, die im Nachgang der Kranzniederlegung im Dokumentations- und Informationszentrum durch Kurator Marcin Barcz und Anita Baranowska-Koch von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft eröffnet wurde. Torgau ist die mittlerweile elfte Station. Die polnischsprachigen Ausstellungstafeln sind eins zu eins ins Deutsche übersetzt. Etwa 70 Gäste zeigten sich vom Wirken des polnischen „Brückenbauers“ begeistert.

 

INFO

 

Am kommenden Montag, 16.30 Uhr, findet zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus eine Kranzniederlegung der Stadt Torgau und des DIZ am Gedenkort am Fort Zinna statt. Der Gedenkort wird anschließend für etwa eine Stunde in besonderer Weise beleuchtet. Am darauffolgenden Dienstag, 12 Uhr, veranstalten das DIZ Torgau und das Johann-Walter-Gymnasium eine Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus. Die Veranstaltung steht Interessierten offen. Sie findet im Musiksaal des Gymnasiums statt.

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