Freitag, 7. August 2020
Dienstag, 3. März 2020

OSTELBIEN

Enorme Steigerung verzeichnet

Das Bürgerbus-Team. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Arzberg. Das Arzberger Bürgerbus-Team hat in der vergangenen Woche das dreijährige Bestehen des Pilotprojektes gefeiert. TZ führte dabei ein Interview mit Koordinatorin Manuela Kurdyban. 

 

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Arzberg. Am Freitag feierte das Arzberger Bürgerbus-Team dreijähriges Bestehen. Dazu traf man sich zu Sekt und Kuchen im Ostelbischen Mehrgenerationenhaus. Der festliche Anlass war nicht ganz tagesaktuell, denn die offizielle Übergabe fand am 22. Februar 2017 statt. Der freudigen Stimmung tat dies aber keinen Abbruch. Bürgermeister Holger Reinboth bedankte sich bei allen Ehrenamtlichen. TZ sprach mit Manuela Kurdyban:

TZ: Es hat zwischenzeitlich einen personellen Wechsel an der Spitze gegeben. Warum?

M. Kurdyban: Ronald Weidner zog sich aus persönlichen Gründen etwas zurück, unterstützt uns aber weiterhin bei vielen Dingen, beispielsweise, wenn Berichte anzufertigen sind und bei der Statistik. Außerdem steht er auch als Fahrer für den Bürgerbus zur Verfügung. Offiziell seit 28. März 2019 sind Britta Gutheil und ich Koordinatoren. 

Wie ist derzeit die Situation?

Wir haben eine enorme Steigerung zu verzeichnen. In der Anfangszeit gab es meist nur zwei Tage in der Woche Fahrten, inzwischen ist der Bus fast ausnahmslos fünf Tage die Woche unterwegs. Man merkt: Die Leute in der Gemeinde Arzberg sind unheimlich dankbar. 

Ist es schwierig, das Bürgerbus-Projekt am Laufen zu halten?

Ganz schwer ist, den Bestand an ehrenamtlichen Fahrern zu halten. Unser Personal brennt für diese Aufgabe. Aber neue Fahrer zu finden, die gerne längerfristig etwas für andere tun wollen, ist schwierig. Selbst wer gerade Rentner geworden ist, möchte erst einmal seine Freiheit genießen. Erst wenn es zu Hause langweilig wird, haben wir eine Chance. Wer im Berufsleben steht, hat keine Zeit. Und bei Arbeitslosen kann es passieren, dass sie von heute auf morgen wieder einen Job haben und nicht mehr zur Verfügung stehen. 

Welche Voraussetzungen muss ein Bürgerbus-Fahrer mitbringen? 

Wir müssen erstmal in jeden neuen Fahrer investieren. Sie brauchen keinen Personenbeförderungsschein. Wir fahren ja nicht gewerblich, nehmen keine Gelder ein. Dadurch reicht die sogenannte G 25- Untersuchung. Aber die ist fast genauso teuer wie ein Personenbeförderungsschein und ist nur ein bis zwei Jahre gültig. 

Wie können Sie das finanzieren?

Wir erhalten jedes Jahr vom Landkreis 5000 Euro für ärztliche Untersuchungen sowie für Reparaturen, Anschaffungen, Benzin und Versicherungen. Das wird dieses Jahr nicht reichen. Wir müssen noch mit der Gemeinde klären, wie wir das deckeln. 

Wie viele Fahrer stehen zur Verfügung?

Im Moment sind wir neun, was kaum reicht. Wir hatten auch schon Phasen mit nur fünf Fahrern. Dann musste jemand gleich  fünf Tage am Stück hinters Steuer. Die Regel sollte sein, dass jeder zwei bis drei Tage im Monat dran ist. Wir sind ständig am Werben. Die Fahrer sind fast alle Rentner und fast alle aus der Gemeinde Arzberg. Ein junger Mann aus Beilrode, der als Rettungsassistent arbeitet, unterstützt uns ehrenamtlich. 

Wer darf den Bürgerbus in Anspruch nehmen?

Entsprechend der Definition Bürger der Gemeinde Arzberg, die nicht mehr oder zeitweise nicht oder noch nicht mobil sind. In der Hauptsache befördern wir Rentner, die nach Beilrode oder Torgau zu Behörden, Ärzten, Banken, zum Optiker oder ins Sanitätshaus müssen. Auch Fahrten zur S-Bahn-Station sind möglich. 

Gibt es keine Einkaufstouren?

Wir möchten die Kaufkraft in der Gemeinde halten, deshalb steuern wir höchstens den Arzberger Markant nah & frisch an. Ins PEP fahren wir nicht. Solche Touren würden wir auch gar nicht mehr schaffen. 

Und die Fahrgäste bezahlen nichts?

Nein. Es kostet nichts. Wer will, kann die Spendenbox im Bus befüllen. 

Viele andere Gemeinden hätten auch gerne einen Bürgerbus. Es gab Nachfragen aus Löbnitz, aus Elsnig und sogar aus anderen Bundesländern. Wo sehen Sie die schwierigsten Hürden?

Das größte Problem ist die Anschaffung des Busses. Dann brauchen Sie die Genehmigung der höheren Stellen. Als Flächengemeinde gilt bei uns eine Ausnahmesituation. Wir hatten auf unsere frühzeitige Initiative hin das Glück, für das Pilotprojekt ausgewählt worden zu sein. Und dann brauchen sie ehrenamtliche Helfer, die sich stark einbringen und längerfristig zur Verfügung stehen.

 

Wissenswert: 

- Der Arzberger Bürgerbus fährt jeden Monat durchschnittlich etwa 1700 Kilometer und befördert dabei 107 Personen.

- Fahrtage im Durchschnitt monatlich: 21

- Einzelfahrten im Durchschnitt monatlich: 44

-Fahrgäste je Fahrtag: 5 bis 6 

- Fahrgäste je Einzelfahrt: 2 bis 3

- Derzeit stehen neun Fahrer und acht Telefondienstleister sowie 2 Koordinatorinnen und ein weiterer ehrenamtlicher Helfer zur Verfügung. Teil des Teams sind acht Alltagsbegleiter, die über ein Förderprogramm des Freistaates Sachsen Zuwendungen erhalten. In der Regel leistet jedes Teammitglied zwei „Dienst-Tage“ im Monat. Es gibt jeden Monat ein Teamtreffen, fünf Mal jährlich Schulungs- bzw. Weiterbildungsveranstaltungen sowie Arbeitseinsätze oder Parktage zur Pflege des Busses. 

Zur Problematik „Schülertransport“ (TZ berichtete): „Eine solche Anfrage hat es an uns nie gegeben. Die Schulbusse zwischen Beilrode und Arzberg fahren so engmaschig, dass gar keine Notwendigkeit besteht“, so Manuela Kurdyban.


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