Samstag, 28. März 2020
Sonntag, 15. März 2020

OSTELBIEN

Gemeinsam neues Leben auf die Elbauen gebracht

Zahlreiche fleißige Helfer versammelten sich am Samstag am Ufer der alten Elbe und pflanzten Bäume. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Kathewitz. Bei strahlendem Sonnenschein lud am Samstag der Landschaftspflegeverband Torgau-Oschatz zu einer Baumpflanzaktion ein.

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Ob es der coronabedingte Mangel an Konkurrenzveranstaltungen, das traumhaft schöne Wetter oder doch einfach nur der gute Dienst an der Natur war, der am Samstag zahlreiche fleißige Helfer auf die Kathewitzer Elbauen brachte, lässt sich nicht sagen. Der Grund für die rege Teilnahme am Wochenende spielt aber keine Rolle, denn auf das Ergebnis kommt es an: Jede Menge neu gepflanzter Bäume, die nun am Rande des alten Elbarms gedeihen können. Über 20 Personen, von jung bis alt, verbrachten so ihren Samstag-Nachmittag im Freien und halfen mit, Flatterulmen und Kopfweiden in den Boden zu bringen.

Alle zusammen angepackt

„Zuerst die Grasnarbe entfernen, danach ein Loch graben und den Aushub ringsrum als so genannten Gießrand aufschütten“. Mit einem kleinen Pflänzchen in der Hand zeigt Ulrike Barth den arbeitswilligen Gästen anschaulich das Vorgehen für die kommenden zwei Stunden. Loch graben, Baum einsetzen, Loch auffüllen. Danach noch den Biberschutz aus Eisendrahtgitter aufstellen und fertig ist der neue Baum. Und das Ganze dann zwölf Mal wiederholen.

Ulrike Barth vom Landschaftpflegeverband Torgau-Oschatz zeigt, wie die Flatterulmen eingepflanzt werden sollen.

Denn genau so viele Flatterulmen wurden am Samstag auf den Elbauen hinter Kathewitz eingesetzt. Organisiert wurde das Ganze vom Landschaftpflegeverband Torgau-Oschatz, für den auch Ulrike Barth arbeitet. Zusammen mit ihren Kollegen Elisabeth Albrecht und Helmut Wache stand sie den rund 20 Freiwilligen am Wochenende beim Arbeitseinsatz zur Seite. Eine Ulme nach der anderen wurde so von den Helfern meist in Zweier- oder Dreiergrüppchen sorgsam eingepflanzt.
Ein paar hundert Meter weiter, entlang des Weges parallel zum Elbdeich, sah die Arbeit zwar ähnlich aus, jedoch wurden hier statt kleinen Bäumchen einfach nur zugeschnittene Äste in den Boden gesteckt. Die so genannten Steckhölzer stammten von den Kopfweiden am Rande des Weges und wurden bereits im vergangenen Jahr „geerntet“.

„Viele der Weiden hier am Deich haben den letzten trockenen Sommer nicht überstanden und sind komplett eingegangen“, erklärt Helmut Wache vom Landschaftpflegeverband. Aus diesem Grund wurden nun 15 der alten Bäume entfernt und durch neue ersetzt. Bei einer Weide reicht ein einfacher Zweig, einen halben Meter in den Boden gesteckt, aus, um einen neuen Baum hervorzubringen.

August Keil und Mutter Ines beim Aufstellen einer Weide am Ufer der alten Elbe.

Beide Baumarten, sowohl die Flatterulme als auch die Kopfweide, sind in der Region Torgau und besonders auf den Elbauen heimisch und wurden deshalb für die Neupflanzungen in Kathewitz ausgesucht. „Die Ulmen brauchen einen feuchten Boden damit sie optimal gedeihen können“, sagt Wache während er eine knapp 50 Zentimeter große Flatterulme in das vor ihm liegende Loch einsetzt. Für solche kleinen, sehr jungen Bäume hat man sich entschieden, weil diese einen heißen Sommer besser überstehen als ältere Exemplare. „Die haben einfach einen deutlich niedrigeren Wasserbedarf“. 

Doch trotz des niedrigeren Bedarfs und des feuchten Auen-Bodens müssen die Bäume in Zukunft regelmäßig gegossen werden. Und genau dafür ist man beim Landschaftspflegeverband aktuell noch auf der Suche nach Unterstützung. Ideen für Kooperationen, zum Beispiel mit der örtlichen Jugendfeuerwehr, gibt es bereits, trotzdem ist man über jede helfende Hand dankbar.

Die Premiere in Kathewitz

„Wir haben in der Vergangenheit schon viele solcher Pflanzaktionen unterstützt“, erzählt Elisabeth Albrecht. „Wir wollen in Zukunft aber auch vermehrt selber so etwas auf die Beinde stellen.“ Albrecht ist beim Landschaftspflegeverband Torgau-Oschatz für die Umweltbildung zuständig und betreut gleichzeitig auch die neue Online-Plattform Regiocrowd. Diese ist in anderen Teilen Sachsens bereits länger aktiv, im Bereich Torgau-Oschatz feierte sie mit der Kathewitzer Pflanzaktion ihre Premiere. 

Regiocrowd funktioniert dabei wie eine Art schwarzes Brett für Umweltaktionen. „Naturfreunde können bei uns ihre Projekte einreichen und wir stellen sie dann auf der Seite online. Dabei ist es egal, ob es um Müllsammeln, Bäume pflanzen oder das Anlegen einer Streuobstwiese geht. Wir möchten einfach niederschwellige Angebote schaffen, welche die Menschen dazu bewegen, in die Natur zu gehen.“ Doch nicht nur Unterstützung durch Zeit wird über die Plattform gesucht, auch Geld spielt eine Rolle. Mithilfe des so genannten „Crowdfundings“, also einer Finanzierung durch Spenden im Internet, sollen Umwelt-Projekte auf die Beine gestellt werden. Wie gut das funktionieren kann zeigte im vergangenen Jahr der Bienenturm am Torgauer Rodelberg, der ohne das Crowdfunding wohl gar nicht hätte aufgestellt werden können.

Jörg Grabein und Stefan Keil waren entland des Weges fleißig und pflanzten dort die
Weiden ein.

Alle Projekte, sei es im Raum Torgau-Oschatz oder aber in einer der anderen Regionen, lassen sich direkt unter www.regiocrowd.com einsehen. Dort sind auch interessante Termine sowie alle Informationen zum einreichen eigener Projekte, zum Landschaftspflegeverband selbst sowie einigen wichtigen Akteuren wie etwa dem Ostelbienverein verfügbar.

Die Torgauer Flatterulme

Die Ulme, auch als Rüster bekannt, prägt mit seiner einzigartigen Beschaffenheit die hiesigen Elbauen und hat sich an deren Verhältnisse perfekt angepasst. Neben der Feldulme ist hier vor allem die Flatterulme zu finden, welche im letzten Jahr sogar von der Dr-Silvius-Wodarz-Stiftung zum Baum des Jahres bestimmt wurde. Flatterulmen können bis zu 35 Meter hoch werden, sind sommergrün und kommen in Deutschland vor allem in den östlichen Bundesländern vor. Auch wenn die Flatterulmen gegen das allgemeine Ulmensterben, bei dem die Bäume an einem Pilzerreger zugrunde gehen, weitestgehend resistent sind, ging deren Zahl in den letzten Jahren doch zurück. 

Sonderlich groß waren die Flatterulmen nicht, die am Samstag eingepflanzt
wurden...

Deshalb hat es sich der Landschaftspflegeverband (LPV) Torgau-Oschatz zur Aufgabe gemacht, die Flatterulmen mit gebietsheimischem Saatgut von gesunden Mutterbäumen aus den Regionen Köllitsch, Belgern und Kunzwerda wieder in die Elbaue zwischen Greudnitz und Schirmenitz zu pflanzen. Die Samen wurden dabei von dem Ulmenexperten Dr. Gordon Mackenthun geerntet und in regionalen Baumschulen angezüchtet. Und nachdem der LPV dann geeignete Pflanzstandorte recherchiert, alle notwendigen Zustimmen eingeholt und das notwendige Material organisiert hat, kann gepflanzt werden. So wie es am Samstag auch bei Kathewitz geschehen ist. In Zukunft sollen natürlich noch weitere Flatterulmen in der Region in den Boden gebracht werden.

... ein paar Jahrzente später sieht das aber schon ganz anders aus.

 


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