Samstag, 28. März 2020
Montag, 16. März 2020

MOCKREHNA

Peter Klepel entgeht der Langeweile

Der Corona-Ellenbogen-Gruß: Peter Klepel (M.) und seine beiden Herausforderer Michael Busse (l.)und Sandro Oschkinat.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Mockrehna. War es der unerwartet intensive Wahlkampf? Mockrehnas alter und neuer Bürgermeister Peter Klepel wirkte am Sonntagabend abgekämpft.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Während sein künftiger Belgern-Schildauer Amtskollege Matthias Griem (FWG) auf dessen Wahlparty im Probsthainer Vereinsheim die Korken knallen ließ, gönnte sich Klepel in der Mockrehnaer Gemeindeverwaltung immerhin noch ein Schlückchen Wasser. Auch Klepels Kontrahenten Michael Busse (FWG) und Sandro Oschkinat (Spektrum aufrechter Demokraten) bekamen ein Glas Wasser angeboten. Ein Sinnbild für deren eigenes Wahlergebnis?

 

Großer Vorsprung

 

Mit einem derart großen Stimmenvorsprung hatten in Mockrehna nur die allerwenigsten gerechnet. 61,6 Prozent für Peter Klepel bedeuteten nicht nur eine geringer als erwartete Stimmenausbeute für Michael Busse und Sandro Oschkinat. Klepel vermied es damit auch, in einen von vielen prognostizierten zweiten Wahlgang gehen zu müssen.

So zurückhaltend und gefasst der alte und neue Bürgermeister die von Michael Thul (Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses) überbrachten Ergebnisse nahm, so gefasst nahm der hochgehandelte Michael Busse sein Scheitern hin. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht enttäuscht bin. Mit diesem eindeutigen Ergebnis für Peter Klepel habe ich nicht gerechnet“, räumte der Weidenhainer ein.

 

Urlaubssperre

 

Auch er hatte zumindest mit einer zweiten Wahlrunde gerechnet, hatte für ein gutes Wahlergebnis in den vergangenen Monaten enorm viel an Zeit und Mühe in den Wahlkampf investiert. Das gestand dem FWG-Mann auch Peter Klepel zu, der zu Beginn nicht viel auf Wahlkampf gegeben hatte. Doch wie Busse habe ihn auch Sandro Oschkinat mächtig auf Trab gehalten, sodass er sich selbst eine Urlaubssperre auferlegt habe. Skifahren? Für Klepel wurde es im Wahlkampf ernst. Ohnehin ersparte die Urlaubssperre ihm wohl auch persönliche Probleme mit dem Corona-Virus. Die hat er nun als Bürgermeister in der Virus-Krise zur Genüge.

Wie Busse gab sich auch Sandro Oschkinat am Sonntag als fairer Wahlverlierer. Gleichwohl zeigte er sich irritiert darüber, dass das klare Wahlergebnis die von ihm ausgemachte Wechselstimmung in keiner Weise widerspiegelt. „Es gab und gibt sehr viele Leute in der Gemeinde, die meckern“, sagte Oschkinat. Genau jenen Bürgern hätten mit ihm, der mit zugespitzten Aussagen bewusst als Gegenpol aufgetreten sei, und Michael Busse zwei Alternativen auf dem Wahlzettel zur Verfügung gestanden, sagte der Spektrum-Vertreter. „Das Wahlergebnis zeigt, dass sich viele Menschen momentan nur aufregen, aber nicht wirklich etwas verändern wollen. Es ihnen also doch ganz gut geht. Und das kann man ja auch durchaus positiv sehen“, teilte Oschkinat wenig später noch über die Nachrichtenplattform WhatsApp mit.

 

Sehr nervös

 

Den gesamten Wahlsonntag über sei er sehr nervös gewesen, räumte Oschkinat im Gespräch mit der Torgauer Zeitung ein. Ein wenig Entspannung habe er beim Tischerücken in seinem Audenhainer Trailer gesucht, den Oschkinat als Gastwirt führt. Entspannung suchte am Sonntag auch Michael Busse. Ihn hatte es in den Garten gezogen.

Dahingehend war Peter Klepel schon beizeiten in Partylaune – nicht wegen des erhofften Wahlsiegs, sondern weil seine Ehefrau zu deren 60. Geburtstag nach Leipzig zum Brunch eingeladen hatte. Danach noch ein wenig Gartenarbeit in Süptitz, öffnete Klepel am Abend kurz vor 19 Uhr sein Büro in der Gemeindeverwaltung. Zuvor stiegen im Minutentakt die Kofferträger aus den einzelnen Wahllokalen die Stufen hinauf zum Gemeindewahlvorstand. Innerhalb einer Dreiviertelstunde waren alle Stimmen ausgezählt, eingetütet und per Auto ins Gemeindeamt gefahren. Selbst die Auswertung der Briefwahl – immerhin mussten 354 Einsendungen mit Brieföffner geöffnet werden, bevor es an die Auszählung ging – war zu jenem Zeitpunkt bereits beendet.

 

Ergebnisse

 

Der Bekanntgabe des vorläufigen Wahlergebnisses kurz vor 19 Uhr – der Gemeindewahlausschuss trat erst gestern 13 Uhr zusammen; am Ergebnis änderte sich nichts – lauschten neben den drei Bürgermeisterkandidaten unter anderem auch der Mockrehnaer Ortsvorsteher Bernhard Wagner (CDU) und Vize-Bürgermeister Claus Heinrichsen (FWG) aus Wildschütz. Für Klepel war es eigenen Aussagen zur Folge die siebte Wahl, die er allesamt im ersten Durchgang gewonnen habe. In puncto Wahlkampf attestierte er Michael Busse, dass dieser wirklich alles versucht habe und sogar aktiver gewesen sei, als er selbst vor 14 Jahren. Damals gewann Klepel zum ersten Mal die Bürgermeisterwahl in Mockrehna.

 

Gekitzelt

 

Klepel erkannte auch das enorme Bemühen Sandro Oschkinats an, mit gezielten Themen den Wähler zu kitzeln. Zur Erinnerung: Oschkinat hatte unter anderem den Rückkauf der Mockrehnaer Wohnblöcke durch die Gemeinde angeregt, um dadurch Einfluss auf die Mieterstruktur zu bekommen. Diese zeichne sich nach Angabe Oschkinats durch sehr viele Ausländer aus, die sich oftmals nicht ans gängige Miteinander hielten.

Für Klepel bedeutet der dritte Mockrehnaer Wahlsieg auch, dass er sich nun keine Gedanken mehr darum zu machen braucht, wie er der drohenden Langeweile als Pensionär entkommt. Ansonsten ließ er trotz der von Oschkinat ausgemachten Wechselstimmung durchblicken, mit eben jenem Ergebnis insgeheim gerechnet zu haben.

Gründe für den Wahlerfolg Klepels sieht Sandro Oschkinat vor allem in der Person Klepels: „Der Peter ist immer entspannt, kollegial und freundlich.“ Klepel selbst addierte da noch eine „gewisse Berufserfahrung“ hinzu, die wohl den Ausschlag gegeben habe.

 

Gesamtergebnis:

Peter Klepel 61,6 Prozent (1458 Stimmen)

Michael Busse (FWG) 23,11 Prozent (547 Stimmen)

Sandro Oschkinat (SaD) 15,29 Prozent (362 Stimmen)

Die Wahlbeteiligung lag bei 56,82 Prozent (2367 Stimmen).

 

Einzelne Wahllokale:

Audenhain

Klepel 241 Stimmen; 58,64 Prozent

Busse 109; 26,52%

Oschkinat 61; 14,84%

 

Klitzschen 

Klepel 162; 83,08%

Busse 13; 6,67%

Oschkinat 20; 10,26%

 

Langenreichenbach

Klepel 246; 76,16%

Busse 58; 17,96%

Oschkinat 19; 5,88%

 

Mockrehna

Klepel 226; 47,78%

Busse 83; 17,55%

Oschkinat 164; 34,67%

 

Schöna

Klepel 103; 72,03%

Busse 24; 16,78%

Oschkinat 16; 11,19%

 

Strelln

Klepel 99; 63,87%

Busse 45; 29,03 %

Oschkinat 11; 7,1 %

 

Wildenhain

Klepel 84; 51,85%

Busse; 56; 34,57%

Oschkinat 22; 13,58%

 

Wildschütz

Klepel 85; 56,29%

Busse 53; 35,1 %

Oschkinat 13; 8,61%

 

Briefwahl

Klepel 212; 59,89%

Busse 106; 29,94%

Oschkinat 36; 10,17%

 


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

Frühlings-Abo

Azubimesse
TZ-Probelesen

Torgau-Plus

Wanderführer

Feste und Gäste

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga