Donnerstag, 28. Mai 2020
Mittwoch, 25. März 2020

NORDSACHSEN

Kita-Notgruppen wachsen durch Neuregelungen vielerorts an

Die ErzieherInnen der Kita Dommitzsch bemühen sich in liebevoller Art und Weise, den Alltag für die anwesenden Kinder so normal wie möglich zu gestalten. Foto: KiTA 4 Jahreszeiten

Von den Redakteuren Nico Wendt und Christian Wendt

Torgau. Der Anspruch auf Notfallbetreuung in den Kitas ist gelockert. Inzwischen haben weitere Eltern die Möglichkeit, ihre Sprösslinge in den Einrichtungen unterzubringen, wenn ihre berufliche Tätigkeit das erfordert. TZ hörte sich  um

 

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Nordsachsen. Der Anspruch auf Notfallbetreuung in den Kitas ist gelockert. Seit 18. März sind die Einrichtungen bekanntlich wegen der Corona-Ansteckungsgefahr geschlossen. Für Kinder und Grundschüler, deren Eltern in systemrelevanten Berufen beschäftigt sind, wird eine Notbetreuung angeboten. Zu den systemrelevanten Berufen gehören ab sofort beispielsweise auch: Banken und Sparkassen, die Landwirtschaft, sicherheitsrelevante IT-Infrastruktur, Krankenkassen, Rentenversicherung, Sanitätshäuser, Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten oder stationäre und ambulante Hilfen der Behinderten-, Kinder- und Jugendhilfe. Das Ministerium weiter in seiner Pressemitteilung: Ein Anspruch auf die Notfallbetreuung liegt bei Gesundheits- und Pflegeberufen sowie der Polizei nun auch vor, wenn nur ein Elternteil (Sorgeberechtigter) in einen der genannten systemrelevanten Berufen tätig ist. Vorher mussten beide Elternteile einen solchen Nachweis erbringen. TZ hörte sich in einigen Kommunen im Raum  Torgau um, welche Auswirkungen das hat: 

 

Holger Reinboth, Gemeinde Arzberg (Stand Dienstag): „Wir haben drei Kita- und zwei Hort-Kinder in der Betreuung in unseren Einrichtungen Kita „Kastanienkids“ und Grundschule. Für Donnerstag wurde ein neuer Betreuungsantrag gestellt. Ansonsten stellen wir fest, dass die Familien seit der vorigen Woche sehr zügig und einsichtig die Einrichtung der häuslichen Betreuung organisiert haben. Das ist sehr lobenswert. Ich sehe die Erweiterung der Kritis – trotz der Einsicht in wirtschaftliche und gesellschaftliche Notwendigkeiten – eher kritisch, nicht nur weil durch mehr Kinder auch ein erhöhtes Risiko der Ansteckung und Übertragung besteht, sondern weil auch wieder mehr Erzieherinnen benötigt werden. Diese haben wir jetzt im Schichtsystem von 6 bis 16.30 Uhr organisiert, das würde wieder Umplanungen bedeuten. Übrigens: Zurecht werden Pflegekräfte, Verkäuferinnen, Feuerwehrleute, Zeitungsmacher und andere für ihren Einsatz in dieser Krisenzeit gelobt. Ich will da gern aber auch alle Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen einbeziehen, die einen immens wichtigen Beitrag zum Funktionieren des Systems leisten - danke“

 

Sophia Diecke, Stadt Dommitzsch: „In der Kita Dommitzsch sind aktuell 12 Kinder in der Notbetreuung. Lediglich 1 Kind kam aufgrund der Bestimmung dazu. Es gab etliche Anrufe bei der Leiterin von Eltern, die ihren Nachwuchs nun ebenfalls unterbringen wollten. Doch es hat sich angedeutet, dass nur zwei Kinder noch im Verlauf der Woche zusätzlich aufgenommen werden. Der Arbeitgeber muss den Antrag abstempeln, die Kita-Leitung überprüft das Ganze. Die Erzieherinnen sind abwechselnd in der Gruppenbetreuung eingeteilt. Ein Teil, der nicht damit beschäftigt ist, erledigt nötige Schreibarbeiten oder bereitet Ferienspiele vor. Ein anderer Teil ist dabei, die leerstehenden Räume in der Einrichtung komplett zu säubern und zu desinfizieren.“

 

Herbert Schröder, Gemeinde Trossin: In unserer Kita „Biberburg“ befinden sich derzeit acht Kinder in der Notbetreuung. Dazu haben wir zwei Erzieherinnen, die das abdecken. Nach jetzigem Stand werden es in der kommenden Woche drei bis fünf Kinder mehr sein in dieser Notgruppe.“

 

René Vetter, Gemeinde Beilrode: „Wir haben jetzt für die ganze Gemeinde elf Kinder in der Notbetreuung. Das betrifft die Einrichtung Dautzschen sowie die Kita und die Grundschule in Beilrode. Mit der erweiterten Bestimmung kamen viele Anfragen und es wird noch zusätzliche Aufnahmen von Kindern geben. Die Anträge sind erst zu genehmigen. Wir appellieren aber an die Eltern, alle Möglichkeiten zu prüfen, ob die Kinder nicht doch in irgend einer Form zuhause untergebracht werden können. Es sollen tatsächlich Notfallgruppen bleiben. Die Eltern bekommen zudem noch mal Elternbriefe: Wir als Gemeinde folgen der Richtlinie des Freistaates, die Elternbeiträge für April zu erlassen.“

 

 Eike Petzold, Stadt Belgern-Schildau: „In der letzten Woche hatten wir alle Kita-Einrichtungen und Horte der Stadt Belgern-Schildau für die Notbetreuung der Kinder geöffnet. Insgesamt wurden 42 Kinder in den Einrichtungen betreut. Seit gestern (Dienstag d.Red.) haben sich die Anforderungen für die Notbetreuung geändert und bereits seit gestern nutzen auch Eltern, die neu den Anspruch auf Notbetreuung haben, dieses Angebot. Mit Stand heute sind weitere 10 Kinder dazu gekommen.

Insgesamt nutzen unsere Eltern sehr verantwortungsvoll das Angebot der Notbetreuung. Es ist spürbar zu merken, dass der Großteil der Kinder in der Notbetreuung auch nur auf das absolut Notwendigste von den Eltern gebracht werden.  Auch vermuten wir, dass es  Eltern und Familien gibt, die ihre Kinder trotz vorliegenden Anspruchvoraussetzungen nicht in den Einrichtungen betreuen lassen. Das zeigt uns auch, wie verantwortungs- und verständnisvoll die Eltern damit umgehen.  Auf diesem Wege auch ein Dankeschön an die Eltern!“

 

Eileen Jack, Stadt Torgau: „Bei uns im Bereich der Stadt Torgau sind es aktuell 111 Kinder in der Notbetreuung, inklusive derjenigen, die durch die Neuregelung dazu gekommen sind. Es ist aktuell nicht damit zu rechnen, dass die Zahl steigt.  Es betrifft 14 Kindereinrichtungen sowohl in freier als auch in kommunaler Trägerschaft.“

 

Roswitha Haferkorn, Gemeinde Mockrehna: „Es haben zur Zeit in der Gemeinde Mockrehna fünf Kindertageseinrichtungen offen. Zum Stichtag 25. März waren die Kita Mockrehna  mit 2 Kindern ( Anträge für 11 Kinder ), Kita Schöna mit 4 Kindern ( Anträge für 6 Kinder ), Kita Audenhain mit 8 Kindern ( Anträge für 9 Kinder ), Kita Langenreichenbach mit   3 Kindern ( Anträge für 8 Kinder ), der Hort Mockrehna  mit 3 Kindern  ( Anträge für 8 Kinder ) und die Kita Klitzschen  mit 0 Kinder   ( Anträge für 2 Kinder ) belegt. Die Anzahl der zu betreuenden Kinder wechselt täglich.

 

Wissenswert: 

Ab 18. März 2020 sind alle Schulen und Kitas in Sachsen bis einschließlich der Osterferien (17. April 2020) geschlossen. Hierzu ist eine Allgemeinverfügung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalts im Einvernehmen mit dem Sächsischen Kultusministerium ergangen. Eine Notbetreuung an Kitas und Grundschulen wird gewährleistet. Um die Kontakte so begrenzt wie möglich zu halten, werden diese nur für einen eng begrenzten Personenkreis angeboten. Gesundheitsministerin Petra Köpping erläutert: »Die Schließung von Schulen und Kitas auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes ist nötig, um die Ansteckungsmöglichkeiten weiter zu reduzieren. Auch wenn Kinder offensichtlich nicht so stark erkranken, sind sie doch Infektionsbrücken zu ihren Eltern und Freunden. Diese Brücken müssen wir abbrechen, um das Virus auszuhungern. Ich hoffe auf das Verständnis aller für diese Maßnahme.«


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