Mittwoch, 21. Oktober 2020
Donnerstag, 2. April 2020

OSTELBIEN

Warum die Einwohner auf dieses Schild besonders stolz waren

Reiner Ebert mit der alten Ortstafel von Zschackau. Sie soll bald einen würdigen Platz finden.Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beilrode. Eine originale Ortstafel von Zschackau tauchte nach 80 Jahren wieder auf. Reiner Ebert übergab  seinen „Scheunenfund“  an den Beilroder Heimatverein als Schenkung. 

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Beilrode. Zschackau steht mit großen Buchstaben auf weißen Grund. Reiner Ebert hält die Tafel wie einen Schatz. Denn das Ortsschild ist mindestens 120 Jahre alt und ein Original. Wenn man so will, ein Stück Zeitgeschichte. 

Jahrzehntelang führte die alte Zschackauer Ortstafel ein Schattendasein. Sie lag in der Scheune des Beilroders. Nicht vergessen, aber wenig geschätzt. Manchmal wurde sie sogar für verschiedene Handgriffe im bäuerlichen Alltag zweckentfremdet.

 

Überraschung gelungen 

 Im Oktober 2018 zur 80-Jahr-Feier von Beilrode hatte Reiner Ebert die Idee, die Festbesucher mit seinem „Scheunenfund“ zu überraschen. Das klappte: Vor allem ältere Einwohner, die die geschichtlichen Hintergründe gut kennen oder die Zusammenlegung der beiden Urdörfer Zschackau und Zeckritz womöglich noch selbst miterlebt hatten, staunten. 

Reiner Ebert ging noch einen Schritt weiter: Er schenkte die Tafel dem Heimatverein als Ausstellungsstück. Weil aber eine richtige Heimatstube in Beilrode bislang noch fehlt, bleibt sie vorübergehend und provisorisch auf dem Grundstück der Heilandskirche. Mindestens so lange, bis ein würdiges Plätzchen gefunden ist. Derweil haben schon viele Besucher dieses Original mit Interesse in Augenschein genommen. Schulze & Wehrmann, Emaillierwerk – steht ganz unten klein gedruckt als Herstellernachweis. Das Werk befand sich in Wuppertal-Elberfeld und produzierte von 1893 bis 1949. Wann genau die Tafel ins damalige Zschackau geliefert wurde, bleibt offen. Klar ist aber, dass es am Bahnhof von Zschackau mindestens drei solcher Tafeln gab. Eine befand sich am westlichen Teil des Bahnsteiges, eine am östlichen Teil und eine war direkt am Bahnhofsgebäude selbst angebracht. 

Man darf davon ausgehen, dass der Name damals allen Reisenden mit reichlich Stolz präsentiert wurde. Denn generell war die Errichtung der Bahnstrecke durch den Ort eine große Errungenschaft und glückliche Fügung. Sorgte sie doch für einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung im heutigen Beilrode und für einen rasanten  Anstieg der Bevölkerungszahl. 

 

Lebehoch auf den König 

Was für eine Sensation, dass der erste Spatenstich zum Bau der Eisenbahn Halle-Sorau-Guben am 30. November 1868 sogar ausgerechnet in der Nähe des kleinen Dorfes Zschackau im Torgauer Kreise vorgenommen wurde. Somit rückte der Ort auch mal kurzzeitig überregional in den Fokus. Symbolisch beförderten die Festteilnehmer eine Karre voll Boden und sprachen ein dreimaliges Lebehoch auf den König aus. Am 19. April 1872 fuhr der erste Zug über die Strecke, um 1875 wurde der Zschackauer Bahnhof errichtet. 

Es ist anzunehmen, dass schon bald irgendwann danach die Ortstafeln einen prädestinierten Platz auf dem Areal fanden. Alte Ansichtskarten geben darüber Aufschluss. Bis 1938. Da erfolgte der Zusammenschluss von Zschackau und Zeckritz. Beide Dörfer waren ohnehin fast zusammengewachsen, die Einwohnerzahlen immer weiter gewachsen. 

 

Nur wenig Rost 

„Mein Großvater Otto Jäckel hatte ganz in der Nähe – auf der Seite, wo jetzt Netto ist – ein Feld. Das Schild auf dem Bahnhofsgelände hatte man abmontiert und einfach liegen lassen. Er nahm es mit“, sagt Reiner Ebert. Dafür, dass das Ortsschild in den Jahrzehnten danach recht stiefmütterlich behandelt wurde, ist es gut erhalten. Nur wenige Stellen haben Rost angesetzt, weil die Beschichtung abgeblättert ist. Ansonsten hat „das gute Stück“ ein ordentliches Gewicht. Was aus den anderen Ortstafeln wurde, bleibt ungeklärt. Sicher wanderten sie in den Schrott. Es sei denn, es zaubert noch ein anderer Beilroder Bürger eine Überraschung aus seiner Scheune. 


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