Donnerstag, 28. Mai 2020
Dienstag, 7. April 2020

OSTELBIEN

W-50-Tanker trat mit Tieflader lange Reise bis Mecklenburg-Vorpommern an

Der W-50-Tanker wird für den Abtransport vorbereitet. Foto: privat

von unserem Redakteur Nico Wendt

Döbrichau/Setzin. „Drei, zwei, eins...meins!“ Axel Rühmling ballte kurz die Faust, als die Auktion bei Ebay Kleinanzeigen vorrüber war und er erfuhr, dass er den Zuschlag bekommen hatte. Am Samstag holte der Sammler den Döbrichauer W-50-Tanker ab. 

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Döbrichau/Setzin. „Drei, zwei, eins...meins!“ Axel Rühmling ballte kurz die Faust, als die Auktion bei Ebay Kleinanzeigen vorrüber war und er erfuhr, dass er den Zuschlag bekommen hatte. Die Gemeinde Beilrode setzte im Monat März zwei Oldtimer-Feuerwehren zur Versteigerung aus und nutzte dafür das Internet. Als auch die TZ darüber berichtete, war das Interesse gewaltig. 

 

Viereinhalb Stunden 

Eines der Fahrzeuge, nämlich der  W-50-Tanker, wechselte nun am Samstag offiziell den Besitzer. Der glückliche Eigentümer ist eben jener Axel Rühmling, Nostalgie-Fan und Oldtimer-Sammler aus Hagenow bei Setzin, Mecklenburg-Vorpommern. Sein Sohn und dessen Kumpel hatten sich am Sonnabend in aller Frühe mit einem Tieflader-Lkw auf den Weg gemacht, um das „gute Stück“ abzuholen. Viereinhalb Stunden brauchten sie bis Döbrichau. Dann ging alles recht schnell über die Bühne. 

André Wilhelm, Mitarbeiter des Bauhofes der Gemeinde Beilrode und gleichzeitig Mitglied der Feuerwehr Döbrichau, managte die Übergabe. Mehrere Anwohner und Kameraden verfolgten gespannt das Geschehen. Vielleicht war bei dem einen oder anderen ein bisschen Wehmut dabei, als der Konvoi schließlich losfuhr und  in die Hauptstraße abbog. Mit dem robusten Löschtanker auf der Ladefläche. Auf Nimmerwiedersehen? „Das muss nicht sein“, lacht Axel Rühmling. „Wir bleiben in Kontakt. Einige Mitglieder der Feuerwehr haben angekündigt, mal bei mir vorbeizuschauen, wenn sie in der Nähe sind. Und das können sie gerne tun.“ 

 

Eine ganze Sammlung 

Rund 20 Oldtimer-Fahrzeuge hat der 57 jährige Unternehmer bereits auf dem Gelände stehen. Sein Geld verdient er mit einem Kieswerk bzw. einer Recyclingfirma. Die Freizeit gehört seinen Schätzen aus Lack, Blech und Chrom. Er sammelt alles, was aus dem Ostblock stammt und Räder bzw. Ketten hat. Vom Pkw, Moped, Lastkraftwagen bis hin zum Panzer. Das Hobby teilt er mit seinem Sohn (22). Und geschraubt habe er schon immer, lacht der Neubesitzer. Sobald sich die Gelegenheit für ein Schnäppchen bietet, greife er zu. Manche Fahrzeuge habe er schon aus den alten Bundesländern wieder zurückgeholt. Trotzdem sei die Anreise bis Döbrichau eine der weitesten gewesen. Bei der Rückfahrt ging es nicht ganz so reibungslos. Gleich hinter der Landesgrenze erfolgte erst einmal in eine Polizeikontrolle. Nach einer Weile konnte die Fahrt fortgesetzt werden. 

Bei der Ankunft in Hagenow zeigte sich der Hobby-Bastler zufrieden: „Technisch ist der W 50 ganz in Ordnung. Respekt an die Döbrichauer, die ihn offenbar gut gepflegt haben“, so Rühmling. Das Fahrzeug sei angesprungen und von selbst vom Tieflader gefahren. „Nur bei der Ausstattung fehlt einiges. Sauerstoffmasken, Helme, Schläuche – so etwas werde ich mir noch bei Oldtimer-Märkten besorgen.“

 

Neun Bieter 

 Ansonsten wolle er in den nächsten Wochen schauen, was an dem  TLF, 16 GMK (W50) – so die genaue Bezeichnung – noch zu reparieren und instand zu setzen sei. „Der Lack und das Äußere bleiben auf jeden Fall erhalten“, beteuert der Neubesitzer. Dass das Fahrzeug keine Originalpapiere mehr hat, sei auch kein Problem. Mit Herkunftsnachweis könnten neue beschafft werden. Wie schon in der TZ berichtet, waren die Dokumente 1999 offenbar beim Umzug der Verwaltung von Döbrichau nach Beilrode verloren gegangen. Insgesamt gaben neun Interessenten ein Gebot für das Tanklöschfahrzeug ab. Mit 3000 Euro bekam Rühmling den Zuschlag. 

„Ich bin glücklich, dass wir solch eine gewaltige Nachfrage hatten. Daran sieht man, dass Oldtimer  diesen Typs wieder hoch im Kurs stehen“, sagte Bürgermeister René Vetter gestern. Mit dem Erlös sei er hoch zufrieden. „Wir lassen das Geld der Ortsfeuerwehr Döbrichau zugute kommen“, so der Gemeindechef. Ähnlich positiv sehe es mit dem zweiten Fahrzeug aus. Der Robur (LO 2002 A Löschgruppenfahrzeug LF-Lkw- TS 8-STA) wird am heutigen Dienstag ebenfalls abgeholt. Hier bekam ein Nostalgie-Fan aus Herzberg/Elster den Zuschlag. Beide Feuerwehren wurden in Döbrichau 2002 ausrangiert. Sie befanden sich lange Zeit in einer privaten Scheune, bis der Besitzer Eigenbedarf anmeldete. Die Gemeinde hatte sie für eventuelle Ausbildungszwecke oder zur Ersatzteilbeschaffung aufgeho- ben. Während der LO Robur aus dem Jahr 1975 stammt, ist der W-50-Tanker wohl Baujahr 1988. Die Kameraden in Döbrichau haben seit 2002 modernes Equipment. Demnächst soll noch ein nagelneuer  MTW (Mannschaftstransportwagen) angeschafft werden.


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