Donnerstag, 28. Mai 2020
Mittwoch, 4. März 2020

TORGAU

"Mehr Abfallbehälter lösen das Problem nicht"

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Torgau. Neue Arbeitsgruppe soll Torgau bis zur LAGA sauberer machen und das Bewusstsein der Öffentlichkeit für eine saubere Stadt stärken.

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Unter Leitung der LINKEN wird eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe gebildet, die nach Möglichkeiten fahnden soll, Torgau sauberer zu machen. Mit diesem Ergebnis endete am Mittwoch vergangener Woche eine Debatte im Stadtrat, die die LINKE angeschoben hatte. 

Mit Blick aufs Stadtbild zur Landesgartenschau 2022 hatte Michael Bagusat-Sehrt einen Antrag seiner Fraktion vorgestellt, der unter anderem vorsah, die Stadtverwaltung herausfinden zu lassen, wo in Torgau Papierkörbe fehlen und diese in den kommenden Jahren anzuschaffen. 

Bevor die Räte in die Diskussion gingen, präsentierte Bauamtsleiter Andreas Lobert die Erkenntnisse der Stadtverwaltung zu diesem Thema. Problem der Einstellung 266 Abfallbehälter gibt es demnach in Torgau, 51 davon im Glacis, 10 am großen Teich. 50 der Behälter sind seit 2014 aufgestellt worden. „Verwaltung, Citydienst und Grünflächenamt sind zu der Erkenntnis gelangt: Mehr Abfallbehälter lösen das Problem nicht!“ Es sei eher ein Problem der Einstellung „einer zunehmenden Personenzahl“. Die Kippe einfach fallen zu lassen, sei für viele ein Kavaliersdelikt. Und auch bei der Müllsammelaktion im vergangenen Jahr habe man viel Kleinmüll gefunden, der problemlos hätte in einem öffentlichen Papierkorb landen können. „Wer nicht 50 Meter bis zum nächsten Papierkorb geht, der wird es auch  nicht tun, wenn der Behälter nur 20 oder 30 Meter entfernt ist“, lautete Loberts Einschätzung. Daraus leitete er ab, dass es „zielführender wäre, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für eine saubere Stadt zu stärken.“

Oberbürgermeisterin Romina Barth knüpfte hier an und kündigte ihre Bereitschaft an, sich für Initiativen einzusetzen, mit denen in anderen Städten bereits die Menschen in dieses Thema eingebunden sind. 


Slalom um Hundehaufen


Axel Klobe (FWG) tat sich mit der geforderten Bedarfsanalyse schwer und teilte die Ansicht, das neue Papierkörbe keine Lösung für das Problem seien. Er monierte stattdessen die fehlenden rechtlichen Möglichkeiten, gegen Müllsünder vorzugehen. Andere Länder seien weiter. Ein härteres Vorgehen des Torgauer Ordnungsamtes wünschte sich seine Fraktionskollegin Corinne Heise, die auch von Slalom-Läufen um Hundehaufen auf Bürgersteigen berichtete. AfD-Stadtrat Dieter Glimpel forderte, hohe Bußgelder zu erlassen und die Politessen verstärkt in diesem Bereich einzusetzen: „Ans Gewissen zu appellieren reicht nicht, es muss an den Geldbeutel gehen.“ 
Ordnungsamtschefin Anke Eckert gab daraufhin einen kleinen Einblick in ihre und die Arbeit ihres Teams. Natürlich spreche man Leute an, wenn diese einfach mal ihren Müll fallenlassen und klar zeige das unmittelbar Wirkung. Sie wünsche sich aber, so die Leiterin des Ordnungsamtes, dass alle Torgauer hinschauen und sich einmischen würden. Ein Gedanke, den auch die OBM teilt. Das Miteinander der gesamten Gesellschaft sei gefordert. Bestenfalls würden alle die Augen offenhalten und zur Anzeige bringen, wenn jemand seinen Hund auf die Straße koten lasse oder Müll dort entsorgt werde. „Es wäre schön, ein Kopfgeld aussetzen zu können“, überzeichnete sie diesen Gedanken bewusst. 


Dass die Sauberkeit in der Großen Kreisstadt diskussionswürdig ist, bestätigte auch FDP-Stadtrat Peter Nowack. Er schlug vor, ein offizielles „Schmuddelecken- Kataster“ einzuführen, das gemeinsam mit den Torgauern erstellt wird. „Auf dieser Grundlage können wir dann über Lösungen nachdenken“, so sein Gedanke. Romina Barth kommentiert diesen, indem sie darauf verwies, dass die Stadt unmittelbar reagiere, wenn soche Ecken bekannt würden und nannte das Beispiel Nordstraße, wo regelmäßig Fern-Lkw-Fahrer ihren Müll entsorgten.


„Coole Auseinandersetzung“


So ganz und gar nicht konnte sich offenbar CDU-Stadtrat Frank Scherzer mit dem Vorstoß der LINKEN anfreunden. Eine Bedarfsermittlung für Müllbehälter würde die Verwaltung kollabieren lassen und nichts Neues bringen, schätzte er ein. „Wenn Herr Bagusat-Sehrt ein solches Entsorgungskonzept will, soll er den Stadtplan nehmen und die Standorte selbst einzeichnen.“ Er halte den Vorschlag für Populismus.
Michael Bagusat-Sehrt, der nun die Aufgabe hat, die Müll-AG zu konstituieren, freute sich dennoch, mit dem Vorstoß eine solch umfangreiche Diskussion angeschoben zu haben: „Cool, dass wir uns hier so auseinandersetzen konnten.“


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