Dienstag, 26. Mai 2020
Dienstag, 14. April 2020

GESPRÄCH AM SONNTAG

Peter Weck: "Das hat uns für Krisen wie diese gestärkt"

Peter Weck: „Wertvolles Stückchen Welt.“Foto: SWB

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Prieschka. Eigentlich ist Peter Weck seit einigen Jahren im Ruhestand, doch mit „Ruhe“ hat sein Alltag trotzdem so gar nichts zutun. Der gebürtige Beckwitzer erzählt im SonntagsWochenBlatt, wie sein Beruf bis heute auch sein Hobby prägt...

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Prieschka. Eigentlich ist Peter Weck seit einigen Jahren im Ruhestand, doch mit „Ruhe“ hat sein Alltag trotzdem so gar nichts zutun. Der gebürtige Beckwitzer erzählt im SonntagsWochenBlatt, wie sein Beruf bis heute auch sein Hobby prägt und welch ungewöhnliches zweites Leben er für seinen einstigen Pool vorgesehen hat.

 

SWB: Herr Weck, Sie haben mit Ihrem berühmten Namensvetter vor allem eines gemeinsam:  Rente scheint für Sie ein Fremdwort zu sein, schaut man sich ihre Pläne für Haus, Garten und Familie an. Ihr Gewächshaus könnte jetzt die Initialzündung für ein kleines Geschäft sein – welches?
Peter Weck: Nun, ich habe es vor ungefähr 15 Jahren selber gebaut und mir vorgenommen, meinen einstigen Beruf auch dabei zu nutzen, indem ich die Technik zur Beheizung des Warmhauses komplett selbst zusammengestellt und mich nicht auf bereits im Handel verfügbare 08/15-Lösungen zurückgegriffen habe. Ich habe ein System aus verschiedenen Reglern so zusammengestellt, dass die Temperatur im Warmhaus ganz automatisch angepasst wird und die Pflanzen so jederzeit optimale Bedingungen haben. Keine elektronische Technik, keine Fernsteuerung und so einfach, dass man es theoretisch selber zusammensetzen kann. Deshalb möchte ich eine Art Bausatz dafür in Kürze auch anderen Hobbygärtnern anbieten. Gern auch mit meiner Hilfe bei der Installation.


Eigentlich haben Sie doch Ihre Firma, die Heizungslösungen und auch Schwimmbadbau abdeckte, an Ihren Sohn abgegeben?
Ja, das stimmt und damit bin ich auch recht glücklich. Er macht das gut, auch wenn wir uns natürlich – das muss zwischen den Generationen aber auch sein – hin und wieder nicht ganz einig sind. Das ist jetzt seine Zeit. Und so habe ich Luft für all die Projekte, die am Haus noch zu machen sind oder am Pool.


Was hat es denn mit ihrem Pool auf sich? Wollen Sie ihn wieder fit für den Sommer machen?
Ganz im Gegenteil! Seine Tage als Schwimmbecken sind gezählt, weil die Jahre Spuren an der Wand hinterlassen haben. Und weil der Aufwand, ihn zu sanieren  in keinem Verhältnis mehr zum potenziellen Nutzen steht, bekommt er eine neue Aufgabe als Aufzuchtstation für Gemüse.


Wie wollen Sie das denn machen?
Er hat eine Tiefe von 1,90 Meter, das reicht für mich zum Stehen. Ich lege verschiedene Bereiche für die jeweiligen Pflanzenarten an und habe vor, auch einen kleinen Kran zu installieren, der mir hilft, die schwereren Töpfe vom Rand aus hinein abzusenken. Außerdem lege ich eine Bewässerung an und prüfe, inwiefern auch der bisherige Technikraum, in dem alle Systeme, beipsielweise zur Behiezung, bisher gesteuert wurden, weiterhin für den Betrieb als Gewächshaus nutzbar sein könnte. Meine Vorstellungen sind schon recht konkret, ich muss einfach loslegen.


Woher kommt diese Hingabe für die Gärtnerei, auch jenseits der Beete?
Zum einen finden wir es einfach praktisch, vieles selbst anzubauen und saisonales Gemüse und Obst zum Verzehr zu haben, von dem wir wissen, wo es herkommt. Einige Jahre habe ich auch ein eigenes Himbeerfeld bewirtschaftet und die Ernte auf dem Großmarkt verkauft. Was heute in den Discounterregalen landet, ist damit nicht vergleichbar. Keiner kann anhand eines bunten Aufklebers sagen, wieviel Chemie an Dünger und Pestiziden da ran gekommen ist. Dann lieber Zeit und Energie in den eigenen Garten stecken und echt „Bio“ essen. Mein Sohn und seine Freundin sind zudem Veganer, für sie ist es gar keine Frage, welche Nahrungsmittel sie vorziehen, Kühlregal oder heimisches Gewächshaus.
Gerade jetzt ist es sicher auch beruhigend zu wissen, dass man sich theoretisch eine Weile selbst versorgen könnte, sollten die Einkaufsmöglichkeiten begrenzt bleiben.
Ja, stellenweise waren ja sogar schon die Wochenmärkte geschlossen, auf denen man noch wirklich regional erzeugte Produkte hätte kaufen können. Aber das ist vielleicht auch so ein Genrationen-Ding: Unsere Jahrgänge haben teilweise noch den Krieg erlebt, mein Vater war lange in Gefangenschaft und ich war mit meiner kranken Mutter allein. Wir haben nicht viel gehabt, aber uns untereinander mit den Nachbarn ausgeholfen, wo es nur ging. Diese Solidarität gab es zu DDR-Zeiten gewissermaßen auch, ebenso den Mangel an bestimmten Konsumgütern. Das hat uns irgendwie vorbereitet, für Krisen wie diese jetzt, stark gemacht.


Was erhoffen Sie sich für Ihre Mitmenschen als Lektion daraus? Aus der Krise?
Das sie merken, wie wertvoll das Stückchen Welt um sie herum von sich aus ist, welche Möglichkeiten es uns beispielsweise zum Gärtnern gibt, zum Leben. Und auch, dass ihnen bewusster wird, dass wir nicht allein sind. Zum einen leben gerade jetzt in den Büschen und Bäumen überall Vögel und andere Tiere, die immer weiter verschwinden, je „sauberer“ die Gärten gehalten werden. Blühwiesen sind Hort für unzählige Insekten, die wir wiederum auch da brauchen, wo wir Pflanzen anbauen. Und nicht nur wir, sondern auch alle, die nach uns groß werden wollen.


Haben Sie mal bereut, aus der Gegend um Beckwitz weggegangen zu sein?
Nein. Ich habe hier meine Frau kennengelernt, wir sind seit über 50 Jahren verheiratet und haben zwei Söhne. Außerdem konnte ich eine gut gehende Firma übergeben, nachdem ich auch jahrelang nebenbei als ehrenamtlicher Prüfer für die IHK gearbeitet und den Branchennachwuchs ausgebildet habe. Alles gut, wie es ist. Nur ruhig wird‘s eben hier nie, weil mit der Familie das Haus wachsen musste, am Gewächshaus alles nach und nach optimiert wurde und ein Garten ja ohnehin nie im Stillstand ist.

Informationen zu Peter Wecks Warmhaus-Heizsystem unter
Tel. 0152 06655032


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