Freitag, 29. Mai 2020
Dienstag, 21. April 2020

TORGAU

Pferde müssen geritten werden, auch wenn die Gäste ausbleiben

Nur der Wind sorgt für Staubwolken auf dem Reiterhof Welsau, während Cäsar neugierig gen Kamera lugt und Jack eine Mütze voll Schlaf nimmt. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Welsau/Taura. Die Corona-Ausgangsbeschränkungen treffen auch die Reiterhöfe in der Umgebung Torgaus. Wie wirkt sich dies auf den Tagesbetrieb und den Reittourismus in der Region aus?

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Friedlich stehen die neun Pferde im Paddock. Wobei nicht alle stehen – Pony Jack liegt faul im Sand, die Beine weit von sich gestreckt. Sein Kumpel Cäsar, ein fuchsfarbenes Pony, steht recht teilnahmslos daneben. Die Ruhe könnte einerseits noch mit der ausklingenden Mittagsruhe zusammenhängen. Andererseits fehlt es auch einfach an Kindern, welche die Pferde pflegen, satteln und reiten. Die immer noch geltenden Corona-Beschränkungen lassen aktuell keinen Reitbunterricht zu. Auch mehrtägige Pferdewanderungen sind momentan nicht möglich. Doch ist Tourismus mit Pferden überhaupt ein Thema in der Region Torgau?

Reiterhof Welsau

„Das ist wohl in die Wiege gelegt“, sagt Katja Kannenberg-Klein über ihre Liebe zu Pferden. Dabei sei sie die Erste in ihrer Familie, die sich so exzessiv sich mit Pferden beschäftigt. Folgerichtig erwarb sie voriges Jahr den Reiterhof in Welsau. Hier bietet sie alle Arten von Unterricht rund um und auf Pferden und eine Pferdepension an. Während sich für die Pensionspferde nichts änderte, musste sie den Reitunterricht absagen. „Für die Kinder ist es schade“, sagt Katja Kannenberg-Klein, Eigentümerin des Reiterhofes Welsau. Rund 80 Prozent ihrer Einnahmen sind ausgefallen. Pferdetourismus spielt kaum eine Rolle. So kam im Vorjahr gerade mal ein Wandersmann vorbei, der sein Pferd für eine Nacht unterstellte. Trotz der fehlenden Einnahmen ist die Versorgung der Pferde sichergestellt. „Jetzt geht das schöne Wetter los. Da kommen die Pferde auch wieder auf die Wiese“, erläutert die Welsauerin zur Ernährung der Pferde. Reicht es nicht schon, die Pferde einfach nur auf der Wiese mit offener Stallung zu lassen? Könnte man nicht so die Kosten senken?„Nein, die Pferde müssen trotzdem weiterhin regelmäßig geritten werden“, widerspricht sie. Sonst bilden sich die Muskeln zurück und man müsste dann das Pferd erst wieder mühselig  fürs Reiten trainieren. Mit Blick auf die Einnahmeausfälle hofft sie, bald wieder wenigstens Einzelunterricht anbieten zu können. „Das würde schon viel helfen“, ist sich die aus Leipzig stammende Kannenberg-Klein sicher. Aktuell wünscht sie sich vor allem, neuerlich zu zweit ausreiten zu können. „Schon allein der Sicherheit halber“, erläutert sie. Pferde seien nunmal Herdentiere. Somit sei ein einzelnes Pferd wesentlich schreckhafter, was im Straßenverkehr durchaus zu gefährlichen Situationen führen kann. Im Sommer bietet Katja Kannenberg-Klein Reiterferien an. Dafür hat sie eine Gästezimmer mit sechs Betten. Inklusive Tageskindern kann sie so bis zu zehn Kinder betreuen.

Katja Kannenberg-Klein mit Samos, dem Chef im Paddock.

Reiterhof Taura

„Die Ausfälle treffen mich hart“, sagt Rowena Flugrat. Die Loßwigerin betreibt den Reiterhof Taura. So habe sie Kurzarbeit angeordnet und Soforthilfen beantragt. Wirtschaftlich bangt sie vor allem um die Reiterlager in den Sommerferien. Hier betreut sie jede Woche Gruppen von bis zu 14 Kindern. Dies mache alleine ein Drittel ihrer Jahresumsätze aus. Ein weiteres Drittel bringt der Reitunterricht ein, aber der liegt momentan gänzlich brach. Da reißen die Pensionspferde mit dem letzten Drittel auch nichts mehr raus. Pferdetourismus spielt ebenso wie in Welsau keine Rolle. „Im Jahr kommen vielleicht drei Wanderer vorbei“, ordnet Flugrat ein. Auch in Taura ist die Versorgung der Pferde sichergestellt. Um den Trainingszustand der Tiere zu erhalten, hat sie einen Notbewegungsplan gemäß dem Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht, der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), erstellt. So kommt jedes Pferd alle 2 Tage in der Reithalle zum Einsatz. Vor allem erfahrenere Reitschüler unterstützen sie dabei und bereiten die Pferde. „Sicherheitshalber sind es immer nur drei Pferde mit Reiter gleichzeitig“, erläutert Rowena Flugrat. Hin und wieder steht auch ein Geländeritt an – maximal zu zweit, um die Abstandsregeln einhalten zu können. „Da ist vor und hinter dem Sattel jeweils noch ein Stück Pferd und zwischen den Pferden ist auch noch Abstand“, sieht sie hier kein Problem in Zeiten Coronas. Außerdem halte sie sich an die Empfehlungen der FN zum Reiten unter Corona. Auch Therapeutisches Reiten ist in Taura momentan nicht möglich. „Dabei stellen wir die Pferde und einen Helfer, die Kinder bringen ihren Therapeuten selber mit“, sagt die Loßwigerin über den Ablauf solcher medizinschen Stunden.

Rowena Flugrat.

Landesverband Pferdesport

Aus Sicht des Landesverbandes für Pferdesport in Moritzburg ist der Reittourismus in Sachsen ein grundsätzlich schwieriges Thema. So gebe es zwar regionale Broschüren und auch Reitwegekarten, aber diese Projekte werden schon seit über 20 Jahren nicht mehr vom Landesverband betreut. Gerade für das Einrichten von Reitwegen sei das Sächsische Waldgesetz ein Hemmnis. „Andere Bundesländer sind da nicht so streng reglementiert“, sagt Peter Wagner vom Landesverband zu den Schwierigkeiten, Reitwege in Wald und Flur auszuweisen. Zwar habe es in den Neunzigern ein Projekt für landesweite Reitwege gegeben,doch dies sei dann 2001 in einem weit fortgeschrittenen Stadium an die Tourismus-Marketing-Gesellschaft Sachsen übergeben worden. „Wenn man einen reizvollen Weg als Reiter in seiner Umgebung findet, bietet sich immer das Gespräch mit Gemeinde und Forstbehörde an, ob dieser für Pferde freigegeben werden kann“, empfiehlt die Vorsitzende des Landesverbandes, Susann Krönert. Auch von Seiten der Kosten gibt es für Reitfreunde in Sachsne einen Lichtblick.  „Die tatsächlich durch Reiterei verursachten Schäden im Wald sind so gering, dass bereits seit einigen Jahren auf eine Gebühr fürs Reiten im Wald und die Kennzeichnung des Pferdes verzichtet wird“, informiert Wagner.

Ein Welsauer Pferd interessiert sich für die Kamera.

 


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