Donnerstag, 28. Mai 2020
Mittwoch, 22. April 2020

TORGAU

Mitarbeiterin Sandra Ely und Inhaberin Nicole Wurow im Friseurgeschäft in der Torgauer Spitalstraße haben sich mit Mundschutz und Desinfektionsmittel ausgerüstet und bereiten sich auf eine Öffnung am 4. Mai vor. Foto: privat

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau. Bei vielen Friseuren der Region herrscht Freude, dass die Geschäfte ab 4. Mai wieder öffnen dürfen. Es gelten allerdings strenge Regelungen, die zu beachten sind. TZ besuchte das Geschäft von Nicole Wurow in der Spitalstraße und sprach mit ihr darüber.

 

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„Wir freuen uns definitiv, dass es endlich wieder losgeht, dass man wieder einen normalen Tagesablauf hat und mit Menschen reden kann“, sagt Nicole Wurow. Mal einige Zeit zuhause zu sein, ist schön. Aber dann wieder arbeiten zu können, sei noch besser, lächelt sie. 

 

Mit Schutzausrüstung 

Vier Wochen hatte die Friseurmeisterin ihr Geschäft in der Spitalstraße in Torgau geschlossen. Nun deutet alles darauf hin, dass der Betrieb für sie und ihre Berufskollegen am 4. Mai wieder beginnt. Bund und Länder hatten sich am Mittwoch in der Vorwoche über das weitere Vorgehen zur Eindämmung des Coronavirus verständigt. 

Dabei hieß es, dass Friseure ihre Arbeit, trotz der körperlichen Nähe zu den Kunden, unter bestimmten Auflagen sowie „unter Nutzung von persönlicher Schutzausrüstung wieder aufnehmen“ könnten. „Wenn es bei dem 4. Mai bleibt, wäre es für mich in Ordnung. Sechs Wochen Zwangspause sind in einer solchen Krise zu verschmerzen. Wir haben gut vorgearbeitet, ein kleiner finanzieller Puffer ist da. Sollte der Betriebsausfall noch länger dauern, wird es aber auch für mich eng. Die Kosten sind ja da: Das Finanzamt will Geld. Lohnkosten, Miete, Versicherungen – alles läuft weiter“, schildert Nicole Wurow die Situation. Man habe in den vergangenen Wochen sehr viele Kundenanfragen gehabt. Einige hätten auch gefragt, ob die Friseurinnen zum Haare schneiden nicht „nachhause kommen“ könnten. „Das haben wir natürlich nicht gemacht. Einerseits aus Gründen des Eigenschutzes, zum anderen wegen der Bestimmungen“, sagt die Geschäftsinhaberin.

 Sie und ihre Mitarbeiterin Sandra Ely hätten die Situation im Vorfeld genau beobachtet. „Die Schweiz und Österreich beispielsweise erwischte es noch vor uns. Wir konnten sehr gut abschätzen, was uns in Deutschland blüht und haben in eineinhalb Wochen noch sämtliche Kundentermine vorgezogen und abgearbeitet, was nur geht“, lächelt die Beilroderin. Dabei fielen zahlreiche Überstunden an. 

 

Enger Kontakt 

Sie sei einige der wenigen Friseurinnen gewesen, die sich dann  über das offizielle Verbot gefreut hätten. Denn sobald die offizielle Seite eine solche Regelung beschließt, könne man auch auf finanzielle Hilfen bauen. Und die Ansteckungsgefahr sei beim engen Kontakt mit den Kunden nun mal für diese Branche sehr hoch. Ansonsten herrsche trotz der erfreulichen Aussicht – bald wieder öffnen zu können – reichlich Unmut bei den Berufskollegen. „Es sind ganz viele Dinge bislang noch nicht 100 prozentig klar. Brauchen wir Thekenschilder, wie ist es mit der Desinfektion? Wie viele Personen dürfen in das Geschäft? Es fehlt noch die Verordnung vom Bund. Wir haben jetzt Vorlaufzeit, wissen aber nicht genau, was noch zu besorgen ist“, so die Inhaberin. 

 

Viele Fake-News 

Der Zentralverband des Deutschen Handwerkes erarbeitet mit der Berufsgenossenschaft ein Positionspapier. Die Bundesregierung müsse dann entscheiden. Darauf warten derzeit alle Friseure sehnsüchtig. Stattdessen sorgen ganz viele Fake-News im Internet für Verunsicherung. Da würden Fragen behandelt, ob man beim Friseur Kaffeetrinken und Zeitung lesen darf. 

Die Kunden sollten sich ständig informieren, dabei aber genau auf die Quellen achten. Feststeht, dass sowohl Friseur als auch Kunde Mundschutz tragen müssen. „Ich habe 150 Masken da, bitte aber meine Kunden, auch selbst welche mitzubringen. Es müssen nicht die schönsten sein, gerade wenn Haare zu färben sind“, lächelt Nicole Wurow. Alles, was im Gesicht zu machen ist, sei untersagt: Bart rasieren, Augenbrauen zupfen etc. Ansosten habe sie Einweg-Umhänge parat, die den Kunden umgelegt und nach dem Frisieren entsorgt werden. Die Spiegelabstände in ihrem Geschäft in der Spitalstraße seien mit zwei Metern ausreichend. Die Friseurmeisterin lächelt: „Seit dem 15. April – seit die Ankündigung da ist – klingelt mein Telefon ununterbrochen von früh bis spät. Das ist auch sehr schön, eine Art Bestätigung. Wir werden sehen, wie wir alles abarbeiten können, werden auch den Samstag verlängern. Aber es ist auch klar, dass wir nicht alle Kunden gleich am 4. Mai dran nehmen können“, bittet sie um Verständnis. Die bereits gemachten Termine haben Bestand.

 

Hygiene-Wissen 

 Rund 900 Friseurgeschäfte gibt es im Kammerbezirk Leipzig, der die Messestadt sowie die Kreise Leipziger Land und Nordsachsen umfasst. Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig, hätte sich gewünscht, dass nicht nur die Friseure, sondern auch die Kosmetiker wieder öffnen dürfen. „Denn beide Berufe stehen schon von ihrer Ausbildung her für besonderes Hygiene-Wissen. Dass man aber wenigstens den Friseuren jetzt die Chance gibt, wieder Geld zu verdienen, begrüße ich“, so Lux.


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