Donnerstag, 29. Oktober 2020
Montag, 27. April 2020

DOMMITZSCH

"Wir sind wohl mit einem blauen Auge davon gekommen"

Obstanbauer Jens PrietschFoto: TZ-Archiv

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Extreme Trockenheit, starke Nachtfröste – die Obstanbauer erlebten ein schwieriges Frühjahr. TZ sprach mit Diplom-Gartenbauingenieur Jens Prietsch von der Firma Heideobst aus dem Dommitzscher Ortsteil Mahlitzsch. 

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Dommitzsch. Extreme Trockenheit, starke Nachtfröste – die Obstanbauer erlebten ein schwieriges Frühjahr. TZ sprach mit Diplom-Gartenbauingenieur Jens Prietsch von der Firma Heideobst aus dem Dommitzscher Ortsteil Mahlitzsch. 

TZ: Herr Prietsch, wie ist die Stimmung? Sie wirkten vor vier Wochen regelrecht verzweifelt und befürchteten einen Totalausfall?

J. Prietsch: Es sieht zum Glück besser aus als gedacht. Der Frost hat doch nicht so viel Schaden angerichtet wie vermutet. Aber eine endgültige Prognose kann ich erst Mitte Mai geben, wenn die Eisheiligen vorüber sind. Es ist nicht auszuschließen, dass wir bis dahin noch frostige Nächte haben. 

Wie war die Situation vor vier Wochen?

Wir hatten Mitte März starke Nachtfröste. In der ersten Phase gleich fünf Nächte hintereinander. In der Woche darauf nochmal vier Nächte am Stück. Die Temperaturen sackten zwei Mal bis minus acht Grad Celsius ab, einmal bis minus sieben Grad. Sonst war es zwischen minus vier und minus fünf Grad kalt. Solche tiefen Temperaturen hatten wir den gesamten Winter nicht. Zum Glück waren die Blüten noch zu. Die Süßkirschen haben um den 10. April angefangen zu blühen, die Sauerkirschen stehen jetzt in Vollblüte. Bei den Pflaumen ist die Phase schon vorbei. Man hat gesehen: Es ist doch einiges gekommen. 

Wie lautet ihre Prognose?

Wir sind wohl mit einem großen blauen Auge davon gekommen.  Verluste gibt es sicher. Aber garantiert keinen Totalausfall. Wenn wir Glück haben, wird es eine durchschnittliche Ernte. Und die Bedingungen in der Blüh-Phase waren natürlich optimal: warmes und sonniges Wetter, so dass die Bienen fliegen können. 

Die Weinbauern in Meißen und die Obsterzeuger in Dürrweitzschen entzünden bei Frostgefahr Feuer, um ihre Pflanzen zu retten. Ist das für Sie keine Option?

Man muss sehen: ich bin alleine. Die Plantage ist groß, der Aufwand wäre riesig. Ich habe in manchen Jahren schon viel unternommen, um Blüten zu retten, habe zum Beispiel künstlich Wind erzeugt. Dazu bin ich nachts mit Traktor und Spritze x-mal über die Flächen gefahren, um die kalte Luft zu verwirbeln. Bis minus vier Grad ist das eine wirksame Methode. Aber diesmal war es einfach zu kalt. Da wäre die Spritze eingefroren. 

Auch die Trockenheit macht Ihnen zu schaffen. Wäre künstliche Bewässerung ein Thema?

Das geht leider nicht. Ich bräuchte einen leistungsstarken Brunnen, die Kosten würden mich auffressen. Ich kann mich nicht mit den großen Produzenten in Dürrweitzschen vergleichen. 

Können Sie trotzdem von der Ernte leben?

Ich halte mich inzwischen seit 25 Jahren damit über Wasser, bin flexibel und stehe auch anderen Erzeugern als Berater zur Verfügung. Süßkirschen, Sauerkirschen und Pflaumen liefere ich an den Großhandel. Süßkirschen werden zudem bei mir im Hofladen vor Ort vermarktet. Meines Wissens bin ich im Altkreis Torgau der einzige professionelle Obstanbauer. Die nächsten Erzeuger sind erst wieder in Jessen und Wurzen zu finden. 

Haben Sie das Gefühl, dass die extremen Wetterlagen zunehmen?

Mit Frost muss man im Frühjahr immer rechnen. Aber ich denke schon, dass der Klimawandel spürbar ist. Die Sommer sind meist trocken, die Winter fallen aus. Wer unter freiem Himmel produziert, ist der Natur voll und ganz ausgeliefert und hat wenig Einfluss. Wir brauchen mal wieder einen richtigen Winter. Man sieht ja: Auch der Mäusebefall wird immer schlimmer. Aber als erstes wäre jetzt mal Regen wichtig. 

Was raten Sie Kleingärtnern, die sich jedes Jahr über madige Kirschen ärgern?

Schuld ist die Kirschfruchtfliege, deren Larven im Boden überwintern. Früher hatte jeder Hühner. Die haben die Larven gefressen und das Problem war nicht so groß. Mit dem Schlüpfen der Fliegen Ende Mai/Anfang Juni beginnt der Kreislauf immer wieder aufs Neue. Die Tierchen stechen die unreifen Kirschen an und legen ihre Eier darin ab. Jede Kirsche ein Ei – das wars dann. Leider haben sich die meisten Mittel im freien Handel als unwirksam erwiesen. Ohne Chemie geht es bei mir auch nicht. Ich besitze einen Sachkundenachweis, um wirksame Pflanzenschutzmittel zum Einsatz zu bringen, werde dabei streng kontrolliert. Regelmäßig kommen Mitarbeiter vom Amt, um Boden-, Blatt- und Fruchtproben zu nehmen, die unter anderem auch nach verbotenen Wirkstoffen untersucht werden. Auch sogenannte Gelbtafeln benutze ich nur zur Kontrolle. Eine einzige Kirschfruchtfliege reicht ja, um 200 Kirschen zu verderben. 

Wann rechnen Sie in diesem Jahr mit dem Start der Ernte?

Wir werden wohl Anfang Juni mit den ersten Sorten beginnen können.


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