Freitag, 29. Mai 2020
Mittwoch, 29. April 2020

NORDSACHSEN

In Zeiten von Corona…#35

In Zeiten von Corona…Foto: Repro: TZ

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

…sollen wir zusammenstehen. Bekannt für ihre einende Wirkung sind  Sportvereine. Weil aber alle Sportstätten gesperrt sind, befinden die sich in einer schwierigen Lage. Ich habe dazu mit Bernd Karau gesprochen, dem Präsidenten des größten Torgauer Sportvereins.

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In Zeiten von Corona…

…lautet die große Aufgabe für uns alle, zusammenzustehen um die Krise bestmöglich zu meistern und den gesellschaftliche Zusammenhalt über soziale Distanzierung und Maskenpflicht nicht zu verlieren.

In normalen Zeiten würden Sportvereine mit ihrer integrierenden Arbeit eine wichtigen Beitrag dazu leisten. Doch die haben bekanntermaßen gerade ganz andere Probleme. Seit sämtliche Sportstätten per Allgemeinverfügung gesperrt wurden, darf weder trainiert werden, noch können sich die Sportlerinnen und Sportler für ihren Fleiß belohnen und in Wettkämpfen um Siege ringen.

Und das sind nur die offensichtlichen Folgen der Corona-Pandemie.

Weil mich aber auch die nicht offensichtlichen Aspekte interessieren, habe ich zum Telefon gegriffen und den Präsidenten des größten Torgauer Sportvereins angerufen. Bernd Karau hat mir einen Einblick vermittelt, wie sich die Krise auf den wirtschaftlichen Bereich der Vereinsarbeit auswirkt.

Und er übt Kritik an der Fördelpolitik des Freistaats. Die, so sein Fazit bislang, bestraft die Vereine, die in Vergangenheit solide gewirtschaftet haben.

Bernd Karau


TZ: Lassen sich die finanziellen Einbußen durch die Pandemie bereits beziffern?
Bernd Karau:
Der Lockdown dauert zwar erst rund sechs Wochen an, wir haben aber bereits jetzt Einbußen von rund 8000 Euro zu verzeichnen. Dieser Betrag setzt sich aus entgangenen Vermietungsentgelten und fehlenden Einnahmen aus Kursen zusammen. Gleichzeitig laufen unsere Mietzahlungen über rund 1800 Euro im Monat weiter. Auf der Habenseite können wir verbuchen, dass Zuschüsse für Übungsleister und Projekte weiterhin gewährt werden.

Hat der Verein seinerseits eine Stundung von Mietzahlungen vorgenommen?
Nein, an dieser Stelle sind wir noch nicht aktiv geworden. Wie gesagt, die Situation besteht seit sechs Wochen. Wir sehen uns hier auch in der Verantwortung gegenüber den privatwirtschaftlichen Vermietern. Wenn sich bis Jahresende allerdings keine Veränderung der Situation einstellt, werden wir aktiv.
 

Gab es Anträge von Mitgliedern, die Beitragsszahlungen zu stunden?
Nein. Die Beiträge wurden in diesem Jahr aber etwas später eingezogen. Außerordentlich ausgetreten ist auch niemand wegen Corona – Ein- und Austritte sind laut Satzung nur zum Jahresende möglich.

Der Freistaat hat ein Förderprogramm aufgelegt, um Verein in diesen Tagen finanziell zu unterstützen. Haben Sie den Antrag schon ausgefüllt?
An sich ist das Programm eine tolle Sache, schließlich würde es helfen unsere Liquidität zu sichern. Beim Studieren der Antragsunterlagen ist jedoch klar geworden, dass unser Verein zu solide gewirtschaftet hat, um nun antragsberechtigt zu sein.

Das müssen Sie erklären.
In den Unterlagen ist klar formuliert, dass nur der Verein das Geld beantragen darf, der unmittelbar für einer Zahlungsunfähigkeit steht. Da wir in den zurückliegenden Jahren sehr verantwortungsvoll gewirtschaftet haben, trifft das zum jetzigen Zeitpunkt auf uns nicht zu.

Ergo: Wir müssen erst all unsere Reserven aufgezehrt haben, bevor wir Unterstützung bekommen. Es werden also die Verein bestraft, die nachhaltig gearbeitet haben und stehen am Ende auf einer Stufe mit denen, die ihre Finanzen schon länger überspannt haben.

Ist schon absehbar, wann das Vereinsleben wieder anläuft?
Wir blicken, wie alle anderen auch, auf die Entscheidungen der Politik und die folgenden Allgemeinverfügungen hier vor Ort. Kummer bereitet mir, dass mit zahlreichen Auflagen zu rechnen sein wird, wenn der Trainings- und Spielbetrieb irgendwann wieder erlaubt ist. Je nach dem, was da kommt, werden sehr schnell die Möglichkeiten eines Vereins und der Ehrenamtlichen, auf die er sich stützt, gesprengt.

Gut an der Situation ist, dass nun Zeit ist, die Sportstätten in Schuss zu bringen…
…ob es „gut“ trifft, weiß ich nicht. Aber ja, die Zeit ist jetzt da. Über die Arbeiten an der Kegelbahn hat die TZ ja bereits berichtet. Wir haben zudem die Südringhalle energetisch aufgebessert und dort gemalert. Auch im Hafenstadion wurden einige Arbeiten erledigt.

Die Finanzierungen für all diese Maßnahmen waren bereits vor Corona auf den Weg gebracht worden – die Umsetzung wird uns in den nächsten Monaten natürlich wehtun.

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