Donnerstag, 28. Mai 2020
Mittwoch, 29. April 2020

OSTELBIEN

Es dauerte nur Sekunden, da waren Venus und Mond im Kasten

Supermond und Windräder

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dautzschen. Fotograf Georg Milling und Schüler seiner Foto-AG vom Johann-Walter-Gymnasium haben spektakuläre Fotos vom Venus-Transit und vom Supermond zu Ostern geschossen. 

 

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Fotograf Georg Milling und Schüler seiner Foto-AG des Johann-Walter-Gymnasiums  sind mal wieder Achtungserfolge gelungen, die nicht nur die Fachwelt begeistern. Wer sich ebenfalls mit diesem Gebiet der Fotografie beschäftigt, kann wahrscheinlich noch besser einschätzen, wie viel intensive Vorbereitung, wie viel Aufwand und wie viel Glück auch notwendig ist, um nebenstehende Aufnahmen in den Kasten zu bekommen. „Ich hatte schon Ende Februar in der Sendung „Sternzeit“ im Deutschlandfunk gehört, dass ein paar besondere Erscheinungen am Himmel bevorstehen und dies auch in meiner Foto-AG angesprochen“, sagt Georg Milling. Es hieß: Anfang April wandert der hellste Planet, Venus, durch den bekannten offenen Sternhaufen der Plejaden im Stier. „Das ist extrem selten, dass es von der Erde so gut sichtbar ist. Solch ein Transit erfolgt nur aller acht Jahre , also erst 2028 wieder. Ich hatte die Idee, die Konstellation fotografisch festzuhalten“, so der AG-Leiter. Jannes Richter, Klasse 8c, zeigte sich besonders begeistert und erklärte sich bereit, das Ereignis ebenfalls bei sich daheim in Döbrichau auf Film zu bannen. „Als es soweit war, standen wir über Whats App ständig in Kontakt und haben Fotos ausgetauscht und Einstellungen abgeglichen“, freut sich Georg Milling über den Tatendrang seines AG- Schülers. Als erster Termin wurde der 3. April ins Auge gefasst. Da sollte die Venus genau im Sternenhaufen der Plejaden zu sehen sein. Vermutlich in der schönsten Perspektive. „Der Sternenhaufen sieht ähnlich aus wie der Kleine Wagen, ist ebenfalls sehr markant. Aber wir hatten Pech. Der Himmel war total bewölkt. Also setzten wir am 4., am 5. und am 6. April weitere Termine an. Wir wussten ja jetzt genau, wo die Venus und wo die Plejaden sind“, erklärt der Fotograf. Es gelangen an allen drei Abenden sehr gute Fotos. Und anhand der Aufnahmen ließ sich sogar wunderbar rekonstruieren, wie die Venus gewandert ist. Georg Milling erstellte aus drei echten Fotos eine Montage, die von seinem Schüler Jannes Richter beschriftet wurde. Die fotografischen Schätze kommen übrigens ins Archiv und sollen in einer der nächsten Ausstellungen am Johann-Walter-Gymnasium präsentiert werden. Das Zweier-Team hatte sich nach Sonnenuntergang gegen 20 Uhr  positioniert, zur sogenannten „blauen Stunde“. Da leuchtet der Himmel im wunderschönem Blauton. „Jannes nutzte sein 400er Teleobjektiv, ich brachte mein Supertele in Stellung“, beschreibt Milling das Vorgehen. Gemeint ist seine Canon 50D mit 150 bis 600 Millimeter Supertele auf einem schweren Vermessungsstativ. Die Venus sei derzeit von der Erde aus extrem hell zu erkennen. Und wie der Mond erscheint sie aktuell nur zur Hälfte (mehr geht nicht). Dabei strahlt sie jetzt sehr hell als „Abendstern“, obwohl sie rund 95 Millionen Kilometer entfernt ist. Es entstand auch noch ein 4. Venusbild. Hier  kam dieselbe Technik wie zuvor zum Einsatz, nur noch mit einem zweifach Extender zur Brennweiten- Verdopplung. So erreichte man fast 2000 Millimeter Brennweite. 

Doch dann stand das nächste Highlight auf dem Programm: der Ostervollmond am 8. April. Genannt zu dem Zeitpunkt Supermond. Er ist derzeit besonders nah an der Erde. An jenem 8. April waren es nur 354 000 Kilometer – ein Katzensprung aus kosmischer Sicht. „Und wieder hatten wir einen bewölkten Himmel vor Augen“, rauft sich der Großtrebener fast die Haare. Deshalb bereitete man sich am darauffolgenden Abend wieder akribisch vor. Jetzt klappte es! „Ich hatte mich am Bockdamm Dautzschen aufgestellt, genau die Position am Himmel berechnet und so entsprechend mein Stativ aufgebaut und die Kamera nach Osten ausgerichtet“, so der Leiter der Foto-AG. Nach der langen Vorbereitung dauerte es nur Sekunden, da waren eindrucksvolle Aufnahmen im Kasten. Obwohl schon wieder 1000 Kilometer weiter weg als am Vorabend, erscheint der Mond als goldgelbe Kugel. Die abgelichteten Windräder befinden sich in Mühlberg (30 Kilometer entfernt). Dieser Bildschatz entstand ebenfalls mit 600 Millimeter Brennweite. Bei der Mond-Fotografie beteiligte sich auch AG-Mitglied  Abigail Leonhardt (Klasse 7a) vom Johann-Walter-Gymnasium, die mit 400 Millimeter Brennweite ebenfalls agierte. Die Schüler der Arbeitsgemeinschaft werden durch Georg Milling gleichzeitig an die Astronomie herangeführt. Denn dies sei kein laufendes Unterrichtsfach mehr an der Schule, bedauert der Foto-Spezialist.


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