Mittwoch, 27. Mai 2020
Donnerstag, 30. April 2020

MOCKREHNA

Mit Blauschimmel zum nationalen Champion

Züchter Alexander Wendt aus Audenhain.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Audenhain. Taubenzüchter Alexander Wendt freut sich über den Titel des Deutschen Meisters. Mit ihm freut sich auch Töchterchen Lena.

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Schwarz-Weiß können alle. Bei Alexander Wendt soll’s farbig zugehen. Zumindest mit dem Blick eines erfahrenen Taubenzüchters. Denn die einzelnen Farbschläge seiner Tiere lassen sich fürs ungeübte Auge nur sehr schwer auseinander dividieren.

Der Audenhainer Züchter ist kein Mensch großer Worte. Seinen mittlerweile dritten nationalen Championstitel hätte er auch weiterhin im Stillen genossen, wenn nicht der Strellner Karl-Heinz Schleinitz zum Telefon gegriffen hätte. Der Vorsitzende der Eilenburger Rassegeflügelzüchter musste einfach seinem Stolz freien Lauf lassen. Neben Alexander Wendt wurden Ende des vergangenen Jahres noch zwei weitere Vereinsmitglieder in Leipzig zu Deutschen Meistern: Denn auch der Doberschützer Steffen Heil und Horst Bernhardt aus Taucha konnten die Preisrichter überzeugen.

Für den Audenhainer Alexander Wendt, der ebenso Mitglied im Audenhainer Rassegeflügelzuchtverein ist, war es nach 2015 und 2017 der dritte Erfolg auf nationaler Ebene. Mit 22 Tieren der Rasse Genuine Homer (mit vier Farbschlägen trat Wendt an; die ,Blauschimmel‘ bescherten ihm den Sieg) war er in die Messestadt gereist, von wo aus er in diesen Tagen erst Urkunde und Meisterwimpel zugeschickt bekam.

Welche Bedeutung die Tierschau in Leipzig hat, ermisst sich allein schon an der Anzahl der ausgestellten Tiere. Wendt spricht von etwa 60000. Leipzig sei deutschlandweit und wohl auch in Europa die größte Veranstaltung dieser Art.

Mit der Taubenrasse Genuine Homer besetzt der Audenhainer eine Nische. „Es gibt nicht mehr viele in Europa, die diese Tiere züchten“, sagte er im Gespräch mit der Heimatzeitung. Aktuell verfügt der 41-jährige Kranfahrer über 16 Zuchtpaare. Gerade weil jene Taubenrasse droht, von der Bildfläche zu verschwinden, versucht Wendt sie durch züchterisches Geschick nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Jene Außenseiterrolle seiner Tauben sei für ihn als Züchter die Antriebsfeder.

Schon als kleiner Junge hatte Alexander Wendt an Tauben einen Narren gefressen. Gemeinsam mit seinem Opa widmete er sich den damals unter der Bezeichnung „Weiße Wirtschaftstauben“ bekannten Vögeln. Heute werde die Rasse als „Mittelhäuser (weiß)“ geführt. Doch aus den ehemals kleinen, dafür aber gesunden Tieren sind zumeist regelrechte Zuchtbrocken von bis zu 1 Kilogramm Gewicht geworden. Zu viel für Alexander Wendts Geschmack, der sehr viel Wert auf die Vitalität seiner Tiere legt.

Corona hin, Corona her - seinen Titel wird er in diesem Jahr nicht verteidigen. Nach Kassel zu reisen sei einfach ein zu großer logistischer Aufwand. „Ich belasse es lieber mit meinen Ausflügen nach Leipzig aller zwei Jahre“, sagt der Audenhainer, für den im kommenden Jahr auch die offene Europa-Schau im anhaltischen Aschersleben ein Zugpferd ist. Ob Engländer, Franzosen, Holländer, Österreicher oder beispielsweise Belgier – hier versammelt sich die Crème de la Crème der europäischen Taubenzüchtergemeinde.

Doch nicht nur die gefiederten Zweibeiner haben es dem Audenhainer angetan. Alexander Wendt schaut unter anderem seinen Soay-Schafen* sowie seinen Wiltshire-Horn-Schafen (eine der ältesten britischen Schafrassen) beim Grasen zu. Wem das noch nicht ungewöhnlich genug ist: Ein Barbados-Mutterschaf hatte vor wenigen Tagen Vierlinge geboren.

Viel Arbeit also für Alexander Wendt, dem seine 10-jährige Tochter Lena nur all zu bereitwillig hilft. Vor allem beim Füttern. Hier setzt der Züchter übrigens auf Beratung und Angebote der Mühle Richter aus Mockrehna. Lena ist selbst schon längst vom Züchtervirus befallen. Sie kümmert sich um ihre eigenen Streicher-Enten sowie ihre japanischen Legewachteln.

Und demjenigen, der bei den Wendts einmal genau hinschaut, fallen mit Sicherheit auch die gelb bis orange schimmernden Hühner auf. Dabei handelt es sich um Sachsenhühner, die sich über Jahrhunderte auf Grund ihrer Genügsamkeit, Robustheit und Angepasstheit an das mitunter raue Klima im Erzgebirge gewöhnt haben..

 

* Das Soayschaf ist ein primitiver Typ von Hausschaf. Es repräsentiert den Zuchtzustand von Nutzschafen des Neolithikums. Es wurde entweder von frühen Siedlern oder später von Wikingern auf die Insel Soay im St.-Kilda-Archipel vor der schottischen Westküste verbracht und verwilderte dort. Der Name Soay ist nordischen Ursprungs und bedeutet „Schafsinsel“ (Altnordisch Seyðoy; modernes Isländisch Sauðey). Wegen der Unzugänglichkeit der Insel und des geringen Nutzwertes dieser Tiere blieben sie von menschlichem Einfluss über lange Zeit verschont und konnten ihren ursprünglichen Typus bewahren.     (Quelle: Wikipedia)

 


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