Mittwoch, 27. Mai 2020
Donnerstag, 30. April 2020

TORGAU

"Spuckschutz": Nachfrage nach Trennwänden sehr hoch

Ralf Schultze von der Glaserei G. Schultze & Sohn in seiner Werkstatt beim Zuschneiden des Materials.Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau. Glasscheiben und Wände aus Acryl in Arztpraxen, Apotheken, in Supermärkten und Geschäften verhindern in Corona-Zeiten einen direkten Kontakt. Doch wer stellt die hier? Verzeichnen die Firmen jetzt eine Auftragsflut? 

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Torgau. Man hat sich inzwischen daran gewöhnt. Glasscheiben und Wände aus Acryl in Arztpraxen, Apotheken, in Supermärkten und Geschäften verhindern in Corona-Zeiten einen direkten Kontakt. Sie schützen sowohl das Personal als auch die Kunden vor dem gefährlichen Virus. Doch wer stellt solche Wände in Torgau überhaupt her? Hat ein solches Unternehmen derzeit übervolle Auftragsbücher und zählt womöglich zu den wenigen Gewinnern in der Krise? 

Die Glaserei G. Schultze u. Sohn in der Elbstraße 16 fertigt die Trennwände, offiziell als mobiler Hygieneschutz bezeichnet, maßgenau an. Doch von Auftragsflut möchte Inhaber Ralf Schultze lieber nicht sprechen. Eigentlich laufe in seinem Handwerksbetrieb alles wie immer. Trotz Corona. Weder müssen die drei Mitarbeiter jetzt Überstunden machen, noch sei Kurzarbeit ein Thema. „Die normale Nachfrage nach Glas ist geblieben“, schätzt der Firmenchef ein. Wie in jedem Frühjahr merke man, dass die Menschen wieder ihre Kleingärten in Beschlag nehmen, dass Gewächshäuser oder Fenster der Lauben zu reparieren sind. Insektenschutz sei ohnehin in diesen Monaten immer ein Thema. „Vielleicht hat mancher jetzt auch mehr Zeit, weil er zuhause ist. Das merken wir, wenn Dinge zu erneuern sind, die womöglich schon viele Jahre kaputt waren“, lächelt Ralf Schultze. Aber ein Boom sei das nicht. Schätzungsweise 20 bis 30 Trennwände haben er und seine Mitarbeiter in den vergangenen Wochen etwa für Arztpraxen, Apotheken und Geschäfte produziert. Einige Verkaufsstellen, Textilgeschäfte und Friseure ziehen vielleicht noch nach.

 „Spuckschutz“ sagt der Volksmund auch zu diesen Scheiben. „Einige Arztpraxen haben das Glas fest auf den Tresen montieren lassen. Andere bevorzugten mobile Teile aus Arcyl, die man unkompliziert  aufstellen und wieder wegnehmen kann“, schildert der Inhaber. Die Wände schützen übrigens nicht nur vor Corona, sondern auch vor jeder anderen Grippe. Deswegen glaubt der Handwerksmeister nicht, dass die Teile in nächster Zeit allesamt wieder verschwinden. In manchen Anlaufstellen werde man sich wohl dauerhaft daran gewöhnen müssen. Zum Beispiel in Arztpraxen und Apotheken. 

Früher seien Trennwände in Sparkassen und Geldinstituten normal gewesen. Dann setzte ein anderer Trend ein: Alles sollte offen sein. Man wollte dem Kunden direkt gegenüber stehen, eine bestimmte Nähe erzeugen. Corona hat alles wieder auf den Kopf gestellt. Ralf Schultze ist mit seiner Traditionsfirma breit aufgestellt. Er führt sie bereits in der sechsten Generation seit 1992. Die Ursprünge des Familienbetriebes lassen sich bis in das Jahr 1825 zurückverfolgen. 

Ob Autoverglasung oder Herstellung und Reparatur von Fenster und Türen: die Nachfrage sei immer da. Sonnenschutzverglasung, Sicherheitsverglasung, Wärmeschutzglas – es gibt ein umfangreiches Sortiment. Das Einzugsgebiet umfasst ein Gebiet von 30 bis 40 Kilometern im Umkreis. Wer einen Steinschlag hat, kommt mit seinem Pkw in die Elbstraße 16. Manchmal muss es auch sehr schnell gehen, wenn eine Scheibe zum Beispiel in einem Geschäft kaputt gegangen und zu reparieren ist. Acrylglas dient dann manchmal als Notverglasung. Ralf Schultze hat Anfang des Jahres seine Lagerbestände wie üblich gut aufgefüllt – ohne an Corona zu denken. Das half ihm, im März und im April die hohe Nachfrage bei den Hygienewänden abzusichern. Solche Aufträge gab es zuvor nicht. 

„Wer jetzt bestellt, merkt, dass die Nachfrage hoch ist und muss mit Wartezeiten rechnen. Die Hersteller kommen mit der Lieferung kaum hinterher“, meint Firmenchef Schultze abschließend.


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