Mittwoch, 27. Mai 2020
Mittwoch, 6. Mai 2020

BELGERN-SCHILDAU

Familie Bucolli will in Belgern bleiben

Familie Bucolli glaubt an ihre Zukunft in Belgern.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Belgern. Hunderte Unterschriften allein aus Belgern und Umgebung zeigen, wie sehr den Belgeranern am Bleiben einer Familie aus dem Kosovo gelegen ist. Vor fünf Jahren zog es die Bucollis nach Deutschland. Morddrohungen in der Heimat ließen ihnen keine andere Wahl.

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„Ich freue mich wie ein kleines Kind“, sagte Nadine Winkler aus Belgern, die vor wenigen Tagen auf mehr als 600 Unterschriften blicken konnte. So viele zumeist Belgeraner und Einwohner der umliegenden kleineren Ortsteile machen sich für den Verbleib einer Familie stark, die aus dem Kosovo nach Deutschland kam und mittlerweile auch beruflich in der Rolandstadt verankert ist.

 

Bürgerkrieg

 

Vor 5 Jahren zog es Nebije (26) und Muhamet (34) Bucolli aus ihrem kleinen Dorf Meshin bei Kamenica fort. Ihre Heimat ist  halb kosovarisch, halb serbisch geprägt. Bis zum Bürgerkrieg habe man sich untereinander sehr gut verstanden. Nationalistisches Denken gab es zuvor nicht. Doch der Krieg veränderte alles. „Durch unsere guten Kontakte zu den serbischen Nachbarn wurden wir plötzlich für unsere eigenen Landsleute zu Aussässigen“, blickt die mittlerweile zweifache Mutter in Traurigkeit zurück. Morddrohungen hätten ihnen keinen anderen Ausweg gelassen, als das Land zu verlassen. Ein Leben in Deutschland verhieß einen Neuanfang und vor allem eine Zukunft. Von den Behörden geduldet führte sie der Weg über Hamburg dann eines Tages nach Belgern. Über die hiesige Kindertagesstätte Rolandspatzen kamen sie mit der damals hier tätigen Erzieherin Nadine Winkler (arbeitet heute in der ASB-Einrichtung in Mehderitzsch) in Kontakt. Ein Kontakt, der sich zu einer freundschaftlichen Beziehung erwuchs.

 

Unterstützung

 

Daher auch die große Unterstützung Nadine Winklers, den Bucollis im Kampf um einen dauerhaften Aufenthalt zur Seite zu stehen. Doch die Hilfe ruhe nicht nur auf der Freundschaft, betonte Winkler im Gespräch mit der Torgauer Zeitung. Das Ehepaar Bucolli habe vor Ort längst Arbeit gefunden – Muhamet bei einem Verpackungsbetrieb, Nebije als dringend benötigte Pflegehilfskraft in einer Seniorenpflegeeinrichtung, die ihr darüber hinaus sogar eine reguläre Ausbildung zur Pflegefachkraft ab Sommer angeboten habe.

Doch die Duldung in Deutschland könne morgen schon vorbei sein. Eine Abschiebung ins Kosovo droht. „Ich verstehe nicht, warum man sich mit den Bucollis so schwer tut“, sagt Winkler. Beide würden längst selbst für ihre Lebenskosten aufkommen.

Die Bucollis versuchen nun, den sicheren Aufenthalt in ihrer neuen Heimat über die sächsische Härtefallkommission*zu forcieren.

 

Reaktion aus Stadtrat

 

Auch zum Stadtrat von Belgern-Schildau sind erste Kontakte geknüpft. In einer Stellungnahme der CDU-Fraktion heißt es: „Nachdem Pfarrer Robert Neuwirt sowie weitere Personen aus verschiedenen Bereichen uns von der akuten Lage der Familie informierten, entschlossen wir uns sofort, den Antrag für die Härtefallkommission zu unterstützen.

Die CDU-Mitglieder, die wir schnell kontaktieren konnten, haben direkt für den Verbleib der Familie in Belgern unterschrieben. Gerade Familien, die sich gut in die Gesellschaft integrieren und dann noch in Berufen arbeiten, wo akuter Pflegenotstand herrscht, haben definitiv eine Bleibeperspektive verdient. Und das möchten wir als CDU Belgern-Schildau unterstreichen. Umso mehr freut es uns auch, dass statt der ,nur“ benötigten 150 Unterschriften für die Härtefallkommission innerhalb eines Tages sogar schon mehr als 600 Unterschriften zusammengekommen sind. Daran erkennt man, welch großen  Rückhalt die Familie in unserer Stadt genießt“, teilte Martin Jerusalem, CDU-Stadtverbandschef und Stadtrat, gegenüber der Torgauer Zeitung mit.

 

* "Die Härtefallkommission kann bewirken, dass vollziehbar ausreisepflichtigen Ausländern aus dringenden humanitären oder persönlichen Gründen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird“, heißt es auf der Internetseite des Sächsischen Ausländerbeauftragten. Stellt die Kommission mit der Mehrheit von zwei Dritteln ihrer Mitglieder fest, dass trotz vollziehbarer Ausreisepflicht des Ausländers dringende humanitäre oder persönliche Gründe seine weitere Anwesenheit im Bundesgebiet rechtfertigen, bittet der Vorsitzende der Härtefallkommission den Sächsischen Staatsminister des Innern, die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis anzuordnen.

 


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