Mittwoch, 27. Mai 2020
Donnerstag, 7. Mai 2020

NORDSACHSEN

In Zeiten von Corona…#41

In Zeiten von Corona…Foto: Repro: TZ

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

…interessiert nicht nur mich, wie viele Menschen in Nordsachsen kurzarbeiten müssen. Deshalb habe ich mit der Chefin der Agentur für Arbeit Oschatz gesprochen.

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In Zeiten von Corona…

...wird gerade alles etwas lockerer. Gestern hat es nun die zu erwartenden Zugeständnisse an die zunehmend ungeduldigeren Menschen im Lande gegeben. Ob dazu der aufkommende Druck von der Straße beigetragen hat?

Vielleicht. Heute wird ja auch in Torgau für Freiheit und Grundrechte spazieren gegangen. Nicht demonstriert, die Versammlungsfreiheit haben wir noch nicht zurück bekommen.

Aber zumindest überträgt der Staat den Menschen wieder mehr Verantwortung für sich selbst. Ich denke, die meisten werden damit vernünftig umgehen. Ein ganz vernünftiges Tempo haben auch die Arbeitsagenturen bei der Bearbeitung von Anträgen auf Kurzarbeit hingelegt.

Immerhin: Für fast ein Viertel aller Beschäftigten im Kreis haben Betriebe diese Unterstützung beantragt. Ob sie schließlich auch genutzt werden und ob wir jetzt regelmäßig mit steigenden Arbeitslosenzahlen rechnen müssen, darüber habe ich mit Cordula Hartrampf-Hirschberg von der Arbeitsagentur Oschatz besprochen. Die Agentur deckt die Landkreise Leipzig und Nordsachsen ab.

TZ: Wie wurden Abläufe und Strukturen konkret geändert, um der Antragsflut auf Kurzarbeit Herr zu werden?
Cordula Hartrampf-Hirschberg:
Wir haben in kürzester Zeit von persönlichen Kontakten auf die Kanäle Telefon/Online umgestellt, den Leistungsbereich personell verstärkt, unsere Strukturen und Abläufe verändert – sozusagen ein Radwechsel bei laufender Fahrt. Bewährt hat sich die kurzfristig eingerichtete zusätzliche Servicenummer, die wir anfänglich mit rund 60 Mitarbeitern montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr bedient haben.

Im Leistungsbereich wurden bislang rund 4800 Anzeigen von Kurzarbeit, darunter rund 2150 aus Nordsachsen, innerhalb weniger Tage bearbeitet und können nunmehr von den Betrieben monatlich abgerechnet werden.
Ich bedanke mich bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Über die viele positiven und anspornenden Rückmeldungen unserer Kunden und Unternehmen habe ich mich sehr gefreut.
 
Welchen zusätzlichen Arbeitszeitbedarf gab es für die Mitarbeiter?
Zum Vergleich:  In „Vor-Corona-Zeiten“ zeigten uns monatlich etwa drei bis fünf Betriebe Kurzarbeit an. Jetzt ist der Großteil der Mitarbeiter stark in die Beratung der Arbeitgeber- sowie Arbeitnehmerkunden und die Bearbeitung von Leistungsanträgen eingebunden.

Unsere Dienststellen waren seit dem 18. März für den Besucherverkehr geschlossen, jedoch weiterhin dienstbereit. Die sonst übliche persönliche Arbeitslosmeldung und weitergehende Betreuung wird seitdem per Telefon erledigt. Bei der Arbeitszeit hat sich unsere Flexibilität bewährt. Von Homeoffice, über Schichtzeiten bis hin zu Samstagsarbeit werden verschiedene Modelle genutzt.  
 
4800 Anzeigen auf Kurzarbeit: Wie oft wurde die Kurzarbeit bislang auch in Anspruch genommen?
Darüber lässt sich noch keine Aussage treffen. Zum Verfahren: Betriebe zeigen Kurzarbeit an und können nach der formellen Bewilligung monatlich abrechnen, in der Regel nach der eigentlichen Lohnabrechnung.
 
Kurzarbeit ist das eine, zeichnet sich auch ab, dass Jobs ganz verschwinden?
Das lässt sich nicht einschätzen. Es stimmt mich positiv, dass es bislang keine nennenswerte Zahl von Entlassungsanzeigen nach dem Kündigungsschutzgesetz gab.
 
Landwirtschaft und Discounter hatten zuletzt Personalbedarf, konnte der gedeckt werden?
Teilweise. In der Ernte haben Betriebe weitestgehend auf bewährtes Stammpersonal aus dem Ausland gesetzt. Im Handel und in der Logistik hat es zuletzt einen erhöhten kurzfristigen Personalbedarf gegeben.
Im April haben immerhin reichlich 300 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch eine Beschäftigungsaufnahme beendet. Das ist zwar deutlich weniger als sonst im April, aber immerhin: Es hat Beschäftigungsaufnahmen gegeben.
 
Die Arbeitslosenzahlen steigen wegen Corona wieder. Wie lange wird der Trend anhalten?
Als erstes: Kurzarbeit hilft, Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Rund 2150 Unternehmen aus Nordsachsen sind gewillt, diese Möglichkeit nutzen. Das sind immerhin fast 40 Prozent der Unternehmen.

Unklar ist, für wie viele Beschäftigte und in welchem Umfang Kurzarbeitergeld von den Unternehmen tatsächlich abgerechnet wird. Angezeigt ist Kurzarbeit aktuell für rund 20 000 Arbeitnehmer. Das entspricht etwa einem Viertel aller Beschäftigten. Wie sich die Arbeitslosigkeit konkret in den nächsten Monaten entwickelt, ist derzeit nicht absehbar.


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