Dienstag, 26. Mai 2020
Freitag, 8. Mai 2020

TORGAU

Nach Anruf ohne Maske

Ministerin Barbara Klepsch und Sven Riesel bei der Kranzniederlegung. Links im Hintergrund Torgaus OBM Romina Barth.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Ministerin Barbara Klepsch hat sicherlich schon vieles erlebt. Das, was sie am Freitagnachmittag in Torgau erwartete, jedoch noch nicht. „Das hab ich ja noch nie gehört“, stutzte Klepsch.

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Denn zur - wegen Corona - deutlich abgespeckten zentralen Erinnerungsveranstaltung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten sollte auch am Rednerpult Maskenpflicht herrschen. So sah es die erteilte Ausnahmeregelung des Landratsamts Nordsachsen vor.

„Also, durch die Blume sprechen kenne ich. Aber durch die Maske...?“ Auch Detlef Fritzsch vom Bundesvorstand des Volksbundes zeigte sich derart irritiert, dass Torgaus Oberbürgermeisterin sofort zum Telefon griff. Nach fünf Minuten dann die Gewissheit: Geredet werden darf ohne Maske, wenn... Doch da schien Klepsch fast schon keine Lust mehr zu haben. „Ach los, wir machen das dann eben mit Maske“, schlug sie vor, auf dass man sich dann doch noch auf die maskenlose Variante am Pult einigte. Natürlich das Mikro stets mit reichlich Desinfektionsmittel behandelnd.

So konnte die Stiftung am Gedenkort Fort Zinna endlich an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren erinnern. Wegen der Corona-Pandemie konnten keine Angehörigen der früheren Wehrmachtgefangenen, sondern nur eine kleine Zahl geladener Gäste an der Gedenkstunde teilnehmen.

Die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, würdigte als Vorsitzende des Stiftungsrates das Ende des verheerenden Krieges 1945 und die Befreiung Europas von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. „Auch 75 Jahre nach der Befreiung müssen wir uns unserer Verantwortung des ‚Nie wieder!‘ stets bewusst sein. Gedenkstätten und ihre wichtige Arbeit erinnern uns daran, dass unser friedliches Zusammenleben in Europa eines der wertvollsten Güter überhaupt ist“, sagte sie.

Vorredner Sven Riesel, der stellvertretende Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, betonte den europäischen Charakter Torgaus als Erinnerungsort politischer Gewaltherrschaft im 20. Jahrhundert. Die Tendenz, dass Angehörige der Opfer die Schicksale verstärkt aufarbeiten würden, sei deutlich. In diesem Zusammenhang hob er die kommende Dauerausstellung im Torgauer Dokumentations- und Informationszentrum  hervor, für die die Arbeiten derzeit auf Hochtouren laufen (mehr dazu in Kürze, Anm. d. Red.).

Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth erinnerte an den historischen Moment am 25. April 1945, als die verbündeten amerikanischen und russischen Truppen in Torgau an der Elbe aufeinandertrafen. Die Friedensbotschaft dieser Begegnung habe bis heute eine große Bedeutung. Das Kriegsende habe auch das Ende eines gewaltigen Irrweges in der deutschen Geschichte bedeutet. „Jeder von uns ist gefragt, mit der geschenkten Freiheit würdevoll umzugehen, damit diese erhalten bleibt“, sagte die Oberbürgermeisterin.

Die bewegenden Worte von Pol Muller, Sohn des Wehrmachthäftlings Jean Muller aus Luxemburg, wurden von Stiftungsmitarbeiterin Elisabeth Kohlhaas stellvertretend verlesen. Die Gedenkrede erzählte von dem Schicksal Jean Mullers als Todeskandidat 1944 in Torgau und schilderte dessen Erinnerungen nach dem Überleben der Haft.

Torgau war im Zweiten Weltkrieg das Zentrum der Wehrmachtjustiz. Häftlinge aus allen besetzten Ländern Europas waren in den beiden Wehrmachtgefängnissen Fort Zinna und Brückenkopf inhaftiert. Auch das Reichskriegsgericht hatte ab 1943 seinen Sitz in Torgau. Hunderte Verurteilte wurden in Torgau hingerichtet, Tausende Häftlinge zur Bewährung in besonders gefährliche Strafeinsätze an die Front geschickt.

Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten veröffentlicht in Kürze auf ihren Onlinemedien einen dazu produzierten Filmbeitrag.


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