Freitag, 29. Mai 2020
Mittwoch, 13. Mai 2020

TORGAU

Mit Mundschutz, Abstand und längerer Arbeitszeit

Zwischen Doreen (l.) und Ramona fehlt etwas – der coronabedingt entfallene dritte Arbeitsplatz. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Beckwitz. Gerade in Friseursalons besteht direkter Kontakt von Mensch zu Mensch. Hier ist besondere Vorsicht in Sachen Infektionsschutz angesagt. Lesen Sie, wie dies zum Beispiel im Salon „Spiegelbild“ in Beckwitz umgesetzt wird.

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Einen Termin macht man bei Jana Seidel telefonisch aus. In den Laden dürfen aktuell nur noch Kunden mit einem Termin. Und Mundschutz. Und desinfizierten Händen. Dafür steht vor dem Eingang extra ein Fläschchen mit entsprechender Chemie bereit. „Unsere Kunden sind sehr kooperativ, kamen bisher alle mit Maske“, lobt die Inhaberin des Friseursalons "Spiegelbild" in Beckwitz. Wer keine Maske habe, könne eine solche aber auch bei ihr für die Sitzung käuflich erwerben.

Jana Seidel vor ihrem Salon an der Handdesinfektionsstation.

Wirtschaftliche Lage
„Zu Beginn der Krise waren wir erleichtert, als die Schließung der Friseure verfügt wurde“, blickt Jana Seidel zurück. Damals habe sie vor allem die Gefahr der möglichen Ansteckung geängstigt. Doch nach drei Wochen schoben sich die wirtschaftlichen Sorgen in den Vordergrund. „Ich hatte sechs Wochen keine Einnahmen“, erläutert sie ihre wirtschaftliche Lage. Kritik übt sie vor allem an der Sächsischen Aufbaubank. Ihren Fördermittelantrag hat sie am ersten April abgeschickt, aber bis zum vergangen Dienstag noch keinen Bescheid, geschweige denn Geld, erhalten. Somit bleiben die wirtschaftlichen Ängste. Das finanzielle Loch der vergangenen Wochen werde nur schwer zu schließen sein.

Neustart
Jetzt ist sie glücklich über die Lockerungen. So kann sie auch wieder ihrer personellen Verantwortung als Unternehmerin nachkommen. „Ich habe zwei Angestellte, die ich nicht verlieren möchte“, sagt die Friseurmeisterin. Um dem Ansturm Herr zu werden hat sie ihre Öffnungszeiten erweitert. „Weniger Kunden sind es nicht, aber momentan werden nur zwei Kunden gleichzeitig behandelt“, erläutert sie die abendliche Arbeitszeit bis 21 Uhr. „Deshalb haben wir einen straffen Arbeitsplan erstellt“, führt Jana Seidel aus. Bereits vorige Woche kündigte die Beckwitzerin die Wiedereröffnung des Salons über Whatsapp und Aushänge im Dorf an. So kamen die ersten Termine schon vor der Öffnung zu Stande. „Da hat jeder von uns zwei Tage Telefondienst geschoben“, freut sie sich über die sehr gute Zusammenarbeit ihres kleinen Teams.

Infektionsschutz
Nach jedem Kunden wird der Arbeitsplatz gereinigt und desinfiziert. Jeder bekommt einen neuen Umhang, der am Ende der Sitzung entsorgt wird. „Das töte angeblich die Viren auf Haar und Kopfhaut“, sagt sie über die Notwendigkeit der Nassschnitte. Diese Infektionsschutzmaßnahmen legt die zuständige Berufsgensossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) in einem extra entwickelten Branchenstandart fest. Demnach könnten zwar auch die bisherigen Stoffumhänge verwendet werden, die sann aber nach jedem Einsatz am Kunden gewaschen werden müssten. Weiterhin ist in den Richtlinien der notwendige Abstand rund um den Arbeitsplatz festgelegt. Dehalb stehen im Salon Spiegelbild nur noch zwei Drittel der ursprünglichen Kapazität zur Verfügung.

Angepasste Arbeitsweise
Großartige Einschränkungen auf ihr eigentliches Handwerk sind die Anweisungen zum Infektionsschutz nicht. Selbst der Branchenstandart der BGW macht hier keine Vorgaben, was an Schnitten und Frisuren noch möglich ist. So bietet Jana Seidel weiterhin das volle Programm an, auch das Färben der Haare. „Selbst mit der Maske beim Kunden kommen wir gut zurecht“, macht Jana Seidel klar. Wenn es an den Bereich der Ohren gehe, nehme der Kunde eben die Bügel der Maske ab und halte die Mund-Nasen-Bedeckung mit der Hand fest, während die Friseurin um das Ohr herum arbeitet. „Wir haben alles getan“, ist sich Jana Seidel sicher, die Ansteckungsgefahr in ihrem Laden so weit es geht minimiert zu haben. Zusätzlich protokolliert sie, wer sich wann in ihren Räumlichkeiten aufhielt, um im Bedarfsfall Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Jutta Hoffmann wird von Friseurin Ramona gut geschützt geföhnt.

Handwerkskammer zu Leipzig
Nach Aussagen der Handwerkskammer zu Leipzig (HWK) sind aktuell in Torgau 25 Friseurläden registriert. Insgesamt sei der Bestand in Nordsachsen recht konstant und schwankte in den letzten fünf Jahren um die 190 Betriebe. Diesen macht sie jedoch keine speziellen Vorgaben in Bezug auf Corona und verweist auf die Sächsische Allgemeinverfügung. Generell bietet sie ihre Hilfe vor allem durch Beratung an. „Die Berater an unserer Corona-Hotline können mit ihrem Erfahrungsschatz die individuellen Problemlagen glücklicherweise schnell erkennen und verlässliche Auskünfte geben, sofern die Rechtslage das zulässt“, sagt HWK-Geschäftsführer Volker Lux.


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