Freitag, 29. Mai 2020
Freitag, 15. Mai 2020

TORGAU

Kollektive Öffnung von Torgaus Gastronomie

Es werden durchaus auch Erinnerungen alte HO-Gaststätten wach, wenn es jetzt, wie hier von Viola von Niesen gezeigt, heißt „Wir zeigen Ihnen Ihren Platz.“ Foto: TZ/Keil

Von unserer Redaktion

Torgau. Heute dürfen die Gaststätten in Sachsen wieder für den Publikumsverkehr öffnen. Doch zu völliger Normalität führt dies noch nicht. So sind einige Auflagen zum Infektionsschutz zu beachten.

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In Zeiten von Corona dürfen die Gastronomen in Sachsen, und damit auch die der Torgauer Region, wieder das tun, was sie am besten können: Menschen eine schöne Zeit bescheren, sie genießen lassen und glücklich machen. Wenn auch unter strengen Auflagen öffnen heute die Cafés, Restaurants, Kneipen … ihre Pforten für die Gäste. Sicher gibt es jetzt Menschen, die den Kopf schütteln und den Zeitpunkt als zu früh empfinden. Doch wie bei vielen Entscheidungen der vergangenen Wochen wird es sich erst im Rückblick zeigen, ob ein Fehler gemacht wurde. Wirtschaftlich betrachtet war es für die Gastronomen freilich höchste Eisenbahn. Denn die bereits erlittenen Verluste sind enorm. Allerdings bringt eine geöffnete Tür nicht automatisch die bitter benötigten Umsätze. Deshalb sind jetzt die Kunden am Zug – die Wirte sind bereit. Das zumindest ist die Schlussfolgerung des TZ-Teams, dass in den letzten beiden Tagen in Stadt und Umland unterwegs war, um mit den Gastronomen über den Neustart zu sprechen.

 

Jessica Geithner – DEJAVU, DEJA, Torgau

Doppelte Vorfreude auf die Wiedereröffnung der Gastronomie herrschte in den letzten Tagen bei Jessica Geithner. Die Torgauerin ist nicht nur die stolze Inhaberin der Kultbar DEJAVU in der Ritterstraße, sondern führt seit September letzten Jahres auch das DEJA, ein kleines Café am unteren Ende der Fischerstraße. Beide Einrichtungen hatten die vergangenen acht Wochen coronabedingt ihren Betrieb eingestellt, im DEJA wurden lediglich in den letzten Wochen Getränke to go angeboten. „Das war aber auch mehr Beschäftigungstherapie für mich als ein richtig lohnendes Geschäft“, gesteht sich Geithner ein.

Finanziell steht sie an der Schwelle ihrer Existenz, ein paar weitere Wochen Shutdown hätte sie kaum verkraftet. „Ich musste mein ganzes Team entlassen, das hat wirklich geschmerzt. Aber umso glücklicher bin ich jetzt, da ich beide Läden wider aufmachen und meinen Leuten zumindest als Pauschalkräfte wieder Arbeit bieten kann.“

Ab sofort wird das DEJAVU jeden Abend ab 19.30 Uhr seine Gäste willkommen heißen, das DEJA bis auf montags ebenfalls täglich von 13 bis 17, am Wochenende sogar 18 Uhr. „Wir haben die Zeit des Shutdowns genutzt und alles schön hergerichtet und renoviert, sodass wir jetzt in perfektem Ambiente unsere Gäste bewirten können. Und natürlich werden auch wir uns an all die nötigen Sicherheitsvorkehrungen, von der Maskenpflicht bei den Mitarbeitern bis hin zu den Abstandsregeln, halten. Die Sicherheit geht schließlich vor.“

Jessica Geithner freut sich schon auf ihre Kunden im Kult-Café DEJA. Foto: TZ/Leukhardt

 

Ina Bachmann – Fleischerei Bachmann, Dommitzsch/Torgau

Komplett auf Null fielen die Umsätze der Fleischerei Bachmann in der Krise zwar nicht, schließlich wurden Fleischwaren sowie warme Speisen zum Mitnehmen weiterhin angeboten, einen enormen Einbruch musste das Dommitzscher Unternehmen trotzdem verzeichnen. Und umso größer ist nun natürlich die Freude über die Wiedereröffnung der drei Imbisse der Fleischerei.

Ab heute kann man so wieder im PEP bei leckerem Frühstück-, Mittag- und Abendesssen verweilen, in den beiden Filialen in der Torgauer Bäckerstraße sowie im Kaufland im Turnierplatzweg dann ab Montag. „Da wir im PEP den größten Zulauf haben, weil sich die Leute dort nach dem Einkaufen gern bei uns noch was zu Essen holen, haben wir dort unsere Priorität gesetzt“, erklärt Ina Bachmann. „Dort hatten wir auch die größten Umsatzeinbrüche zu verzeichnen, da da ja zwischenzeitlich nur ein kleiner Teil der Läden geöffnet war.“

Seit letzter Woche sind nun alle Geschäfte wieder geöffnet und so freut man sich auch bei Bachmanns auf einen hoffentlich regen Besucherstrom. „Auch wenn wir natürlich an die vorige Stärke, durch die Reduzierung der Bestuhlung, nicht anknüpfen können.“  Die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen wurden dafür natürlich bereits getroffen. Die Tisch-Anzahl wurde um rund die Hälfte reduziert, um den Sicherheitsabstand zu wahren, ausreichend Desinfektionsmittel steht bereit und die Laufwege für die Kunden sind markiert. Auch die Maskenpflicht bei den Mitarbeitern darf dabei nicht fehlen, diese herrscht in allen Filialen der Fleischerei Bachmann jedoch schon seit mehreren Wochen. Und so kann ab heute im PEP und ab Montag im anderen Torgauer Kaufland sowie in der Bäckerstraße in aller Ruhe wieder geschlemmt werden.

 

Frieder Francke – Croissanterie, Torgau

Seit den frühen Mittwoch-Stunden steht der Freisitz in der Breiten Straße wieder an seinem Platz. Auch dort geht es heute wieder los. Einen Tisch habe er entfernen müssen, danach habe es mit den geforderten Mindestabständen gepasst, erklärt Bäckerei-Chef Frieder Francke. Auch im Inneren seines Cafés musste nur wenig verändert werden. Nur ein Tisch ist den Anforderungen zum Opfer gefallen. „Als Bäckerei halten wir ohnehin ein strenges Hygienekonzept ein, deshalb bedeutet die Wiederaufnahme für uns keine riesigen Umstellungen“, berichtet er weiter. „Jetzt freue ich mich auf Freitag und dass wir auch sonntags wieder Gäste empfangen dürfen. Von Kollegen in Bundesländern, in denen die Gastronomie bereits arbeitet, weiß Francke, „dass die Kunden zunächst etwas zurückhaltend sein werden“. Zudem rechne er stark mit der Vernunft seiner Gäste, „die selbst aufpassen, ihren Nachbarn nicht zu nahe zu kommen.“ Froh ist Frieder Francke, dass in Sachsen nicht Buch über die Personalien der Gäste geführt werden muss. „Gerade erst hatten wir ein riesiges Bohei wegen der DSGVO und nun liegen dort überall Zettel mit Namen und Anschriften herum“, schüttelt er den Kopf.

Croissanterie-Chef Frieder Francke bringt seinen Freisitz auf Vordermann.Foto: TZ/S. Stöber

 

Beatrix Dörge – Herr Käthe, Schlosscafé, Kostbar, Torgau

  Zumindest für Gäste im Innenbereich wird es wohl eine Erfassung der persönlichen Daten geben. „Es geht um den Schutz der Mitarbeiter und Gäste. Wir haben viele Gäste aus Nachbarbundesländern“, erklärt sie die Maßnahme vor dem Hintergrund, dass es in der Region Torgau aktuell nicht einen bestätigten Corona-Fall mehr gibt. Auf den ebenfalls öffnenden Freisitzen gilt die Regelung nicht. In den zurückliegenden Tagen haben Beatrix Dörge und ihr Team Instandsetzungsarbeiten durchgeführt und vor allem am Hygienekonzept gearbeitet. Dort ist alles eingeflossen, was bekannt war. „Wir haben für jedes Haus – die Käthe, das Schlosscafé und die Kostbar –  einen Pandemieverantwortlichen benannt“, schildert sie ein Beispiel. Gleichzeitig kritisiert die Gastronomin die späten Informationen über die Auflagen. Die Zeit für die Umsetzung sei unheimlich knapp. Weniger Plätze gibt es  zwar in den Innenbereichen, außen aber nicht – „wir haben alles auseinandergezogen“.
Heute öffnen alle drei Einrichtungen für die Gäste. Insbesondere vor dem Besuch im Herr Käthe – dort startet jetzt die Spargel-Saison – empfiehlt die Wirtin eine telefonische Anmeldung, „damit wir niemanden wegschicken müssen“.

Die Abstände müssen stimmen. Gemeinsam mit Nachbarin Martina Rzepka überprüft Beatrix Dörge (links) die „Tischordnung“ im Biergarten ihres Restaurants „Herr Käthe“. Das öffnet heute Nachmittag – unter 03421 778665 kann reserviert werden. Foto: TZ/S. Stöber

 

Kornelia Ebert  – Gaststätte Germer in der Torgauer Fischerstraße

„In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Zum einen ist es gut, dass die Gastronomie wieder Geld verdienen darf, zum anderen ist es fraglich, ob es für alle Sinn macht, die strengen Hygienevorschriften umzusetzen. Es muss alles im Verhältnis zu den Kosten stehen, und ob die Kundschaft die Einschränkungen und die begrenzte Platzwahl in Kauf nimmt, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Bargeldloses Bezahlen wäre bei uns nur schlecht umzusetzen. Selbstverständlich trägt unsere Belegschaft Mundschutz. Neben unserem bewährten Außer-Haus-Service mit Selbstabholung bieten wir von 11.00 bis 13.30 Uhr ab kommenden Montag wieder unseren Mittagstisch an. In unserer kleinen Bierkneipe könnten wir maximal zwei Personen bewirten, ob wir diese dann öffnen, ist eher unwahrscheinlich.Alle Feierlichkeiten in unseren Räumlichkeiten sind vorerst abgesagt.“

 

Antonio Aloe – Ristorante Il  Calabrese in der Torgauer Schlossstraße

„Ich finde es gut, dass wir wieder öffnen dürfen. Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen umgesetzt: Desinfektionsmittel stehen bereit, unsere Servicekraft arbeitet mit Mundschutz. Allerdings haben wir durch den Mindestabstand weniger Tische – sowie im Innen- als auch im Außenbereich – zur Verfügung. Unsere Speisekarte bleibt wie gehabt. Geöffnet ist täglich, außer Montag, ab 11 Uhr. Reservierungen sind erwünscht unter Telefon 03421 713010.“

Antonio Aloe ist bereit für die Öffnung des Il Calabrese. Foto: TZ/Landschreiber

 

René Lettow – Stadtidyll, Unter den Linden, Torgau

„Natürlich begrüße ich die Wiederaufnahme das Gastronomiegewerbes unter den gegebenen Bestimmungen. Alle meine Mitarbeiter befinden sich unter den strikten Auflagen wieder im Dienst. Unsere Gäste können sich auf frischen Beelitzer Spargel sowie hausgebackene Kuchen und Torten freuen. Auf unserem Freisitz, unter Einhaltung des Mindestabstandes, lässt sich ganztägig die Sonne genießen. Leider mussten wir alle Familienfeiern absagen, allerdings können Interessierte ein Catering für jeden Anlass bei uns bestellen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.“

Auf dem Freisitz können René Lettows Gäste im Stadtidyll wieder die Sonne genießen. Foto: TZ/Landschreiber

 

Hans-Jürgen Bardel –  Ricard auf dem Torgauer Marktplatz

„Ich finde die Entscheidung, die Restaurants und Gaststätten wieder zu öffnen, richtig und gut für unsere Branche, verbinde damit aber auch die Hoffnung, dass sich alle an die strengen Auflagen und Bestimmungen halten, gesunden Menschenverstand walten lassen. Wir haben Checklisten von unserem Verband DEHOGA – Deutscher Hotel- und Gaststättenverband – erhalten, wo alles aufgelistet ist, was umgesetzt werden muss und vom Ordnungsamt kontrolliert wird. Die Einhaltung der Mindestabstände und die Umsetzung der Hygienevorschriften sind das A und O. Unser Personal trägt natürlich Mundschutz. Für mich bedeutet die Umsetzung des Mindestabstandes, dass mir im Gastraum zwei und auf dem Freisitz sieben Tische weniger zur Verfügung stehen. Die Platzzahl ist also begrenzt, was es besonders für den heutigen Freitagabend zu beachten gilt: Bis auf wenige Tische bin ich ausgebucht. Unsere bewährte Speisekarte bleibt bestehen, auch der Außer-Haus- Service. Geöffnet ist montags bis freitags von 11 bis 14 Uhr und von 17 bis 23 Uhr sowie am Wochenende ab 17 Uhr. Telefonische Reservierungen und Bestellungen unter 03421 715176.“

Hans-Jürgen Bardel präsentiert die Checklisten des DEHOGA. Foto: TZ/Landschreiber

 

Simone Hepe – Brauhaus "Alter Elbehof" Werdau

Im Brauhaus „Alter Elbehof“ in Werdau beklagt man die fehlenden Rahmenbedingungen von staatlicher Seite. „Da haben wir uns eben ganz normal mit den DEHOGA-Empfehlungen vorbereitet“, erläutert Simone Hepe. Das bedeutete Abstand zwischen den Tischen schaffen, Personal mit Masken ausrüsten und spezielle desinfizierbare Speisekarten bereitzustellen. Dank der Größe des Biergartens waren hier keine Reduktionen notwendig und im Innenbereich fallen rund 30 Prozent der Plätze weg. „Am besten rufen die Gäste vorher an, wann wir einen Tisch für sie frei haben“, bittet die Inhaberin um Reservierungen unter 03421 904525. Trotzdem werden auch Gäste ohne Reservierung bedient, wenn es der Platz hergibt. Neu ist die Aufzeichnung, wer wann im Restaurant war. So können Infektionsketten nachvollzogen werden.

 

Manuela König – Landgasthof "Zur alten Elbaue" Weßnig

Im Landgasthof „Zur alten Elbaue“ in Weßnig lässt man sich mit der Wiedereröffnung noch ein wenig Zeit. „Ich will das nicht übers Knie brechen“, sagt Inhaberin Manuela König. So werde sie erst zu Pfingsten ihre Türen mit den gewohnten Öffnungszeiten für Gäste öffnen. „Der Männertag fällt definitiv aus“, erklärt sie. Für den notwendigen Abstand zwischen den Tischen werde sie den Saal zur Gaststube umfunktionieren. Vorerst nutze sie die DEHOGA-Vorgaben und wolle die Gaststätte so betreiben, wie es gefordert wird.  Dafür wird sie ihren Biergarten opfern. Der sei zu klein, um dort die Abstandsregeln umsetzen zu können.

 

Viola von Niesen – Gasthof zu Welsau

Obwohl es bisher keine Vorgaben von offiziellen Stellen für den Gaststättenbetrieb gibt, ist Viola von Niesen, Inhaberin des Gasthofs zu Welsau, optimistisch. „Ich taste mich vorsichtig ran“, gibt sie die Marschrichtung für die nächsten Tage vor. Da ihr das Ordnungsamt nicht geantwortet habe, informierte sie sich beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) über den Restaurantbetrieb in Zeiten Coronas. Vorerst wird sie von Freitag bis kommenden Mittwoch von 11 bis 14 Uhr öffnen und zum Männertag nahezu ganztägig von 11 bis 20 Uhr. Danach will die Welsauerin entscheiden, wie sei weiter öffnet. Durch die Abstandsregeln ist die Kapazität im Lokal um etwa ein Drittel verringert. Durch seine Größe und geschickte Tischanordnung konnte der Biergarten nahezu gleich bleiben.

Viola von Niesen empfiehlt, seinen Tisch möglichst vorzubestellen. „Doch wenn wir Platz haben, sind spontane Besuche auch kein Problem“, sagt die Wirtin. Weiterhin wird auch der Datenschutz eine Rolle spielen, da die anwesenden Gäste mit Besuchszeit und Namen registriert werden. „Ich denke, so nach 14 Tagen kann ich die Daten des Gastes dann löschen“, hofft Viola von Niesen. Ihren Lieferdienst bietet sie zusätzlich auch noch an, wie schon während der Schließung.

Die Tische und Stühle im Gasthof zu Welsau stehen bereit, fehlen nur noch die Gäste. Die dürfen ab heute wieder vorbeikommen. Foto: TZ/Keil

 


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