Freitag, 29. Mai 2020
Montag, 18. Mai 2020

TORGAU

Hinter allen Erwartungen - Enttäuschung und Provokation bei SAD-Mahnwache

"Real-Satire" zwischen den Corona-Gegnern: Stefan Rauch protestiert inmitten der Mahnwache gegen "Absurdität" der kursierenden Verschwörungs-Thesen. Foto: TZ/Sachse

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Torgau. Enttäuscht. Das trifft wohl ganz gut die Stimmung von SAD-Vorsitzendem Sandro Oschkinat nach Ende der am vergangenen Samstagabend angemeldeten Mahnwache auf dem Torgauer Marktplatz. Warum der Anti-Corona-Protest hinter allen Erwartungen zurückblieb, lesen Sie hier.

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Torgau. Mit kaum 100 Demonstranten blieb die Veranstaltung deutlich hinter Oschkinats Erwartungen zurück. Jedoch schrieb er im Nachgang in einer Dankesnachricht an alle Unterstützer: „Wir sind als Spektrum bisher die einzigen, die im Raum Torgau-Oschatz eine Kundgebung zur Corona-Thematik angemeldet haben. Wenn nur etwa 100 Leute den Mut aufbringen daran teilzunehmen, ist das nicht unser Fehler.“

 

Im Gespräch mit Zuschauern, die sich scheinbar bewusst ein Stück abseits der extra auf dem Marktpflaster gekennzeichneten Demo-Fläche – orientiert an den jeweils vorgeschriebenen 1,50 Meter Mindestabstand im Sinne der Minimierung eines Infektionsrisikos – den Reden auf der Anhänger-Bühne folgten, kamen auch Zweifel daran zum Vorschein. So zeigte sich eine Frau deutlich verunsichert davon, dass zwei Kinder plakativ mit Deutschlandflagge links und rechts neben der Bühne postiert worden waren: „Das macht schon den Eindruck, als wäre hier etwas Rechtes im Gange. Wir wollen aber eigentlich nur gegen eine mögliche allgemeine Impfpflicht protestieren.“ Sie seien hergekommen, weil sie einen ähnlichen gemäßigten gemeinsamen Protest wie zuletzt am vorletzten Donnerstag erwartet haben, erzählte sie weiter. Doch von jenem damals auch für die Ordnungskräfte überraschend stark besuchten „Spaziergang gegen Corona“ blieb die Veranstaltung des Spektrums aufrechter Demokraten nicht nur zahlenmäßig weit entfernt. Nachdem der Torgauer Klaus Reddmann als erster Redner sich zwar klar gegen die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie ausgesprochen hatte, dabei aber stets um einen Diskurs bemüht diplomatisch blieb, schloss sich Mahnwachen-Initiator Oschkinat in gewohnt provokativer Manier an. Der auch allen Teilnehmern der Veranstaltung für ihre Dauer vorgeschriebene Mundnasenschutz und das Abstandsgebot schränkten nicht nur jeden EInzelnen vorübergehend ein, sondern beraubte die Menschen in Deutschland zahlreicher persönlicher Freiheiten und wurde symbolisch als „Maulkorb“ betitelt. Den Anlass für diese Einschränkungen ordnete er mit einem drastischen historischen Vergleich ein: „Als man einst Angst vor dem Volk hatte, davor, dass es auf die Straßen gehen, sich wehren könnte, gab es plötzlich einen Reichstagsbrand, in dessen Folge die Notstandsverordnung in Kraft gesetzt wurde, mit deren Hilfe unter dem Vorwand des Schutzes fürs Volk dessen Grundrechte ausgesetzt wurden. Das hat es meines Erachtens nach nie wieder gegeben – bis zur Corona-Krise!“, so Oschkinat. Und während er im weiteren Verlauf seiner Rede auch betonte, man müsse mit gutem Beispiel voran gehen, einerseits weiter gegen diese Ungerechtigkeiten ankämpfen, seine unpopuläre Meinung offen vertreten, andererseits aber auch im Gespräch mit Andersdenkenden bleiben, rang einer in der Menge mit seiner Fassung: Stefan Rauch aus Torgau war mit seinem großen Pappschild vor der Brust schon zu Beginn der Mahnwache aufgefallen, hatte die Aufmerksamkeit einiger Menschen auf sich gezogen, die sich die in kleiner sauberer Schrift auf die Pappe geschriebenen Thesen durchlesen wollten. Unter anderem fanden sich darunter folgende Sätze: „Impfungen sind zu verweigern. Hierbei werden Sie heimlich von Bill Gates mit einem Mikrochip markiert.“, „ Es gibt Hinweise daruaf, dass die Sprengung von 5G-Masten gegen Corona helfen könnte.“, „Sollten Symptome auftreten, folgen Sie dem Ratschlag des Experten Trump und injizieren Sie Desinfektionsmittel.“. Gegenüber TZ sagte Rauch: „Es ist doch Wahnsinn! Ich stehe hier mit diesem Unfug und niemand zweifelt ihn offen an. Keiner versucht mich von dieser Veranstaltung wegen offensichtlicher geistiger Verwirrung zu entfernen! Niemanden stört, dass ich auf einer Demo gegen Schutzmaßnahmen mit Mundschutz auftrete. Das ist unglaublich frustrierend. Was ich hier mache, ist Real-Satire und keiner kriegt‘s mit!“
Auch den Veranstalter stört das nicht, ganz im gegenteil. er hätte, gibt Oschkinat nach der Demo an, gern „mehr Andersdenkende“ dabei, denn dur so baue „man Aggressionen und Vorurteile ab“. Gewaltsame Auseinandersetzungen gab es auch am Rande der Mahnwache keine, so die Polizei. Auch gegen das Einsammeln aller Schutzmasken mit einem Abfalleimer scheint sich demnach niemand tätlich gewehrt zu haben. Warum die dadurch zustande gekommene Verletzung der Demo-Auflagen nicht durch die Ordnungskräfte geahndet wurde, dazu machte die Polizei gestern keine Angabe.

 


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