Montag, 13. Juli 2020
Donnerstag, 28. Mai 2020

TORGAU

Das Home-Office - Der neue Shooting-Star der Arbeitswelt?

Der letzte Frisörtermin liegt gut neun Wochen zurück, zwischenzeitlich hatten die Frisöre geschlossen, trotzdem trage ich mein Haar im Homeoffice immer noch offen. Foto: Thomas Keil

Von unserem Redakteur

Torgau. In unserer Reihe „Die Redakteuere im Homeofffice“ stellt unser Volontär Thomas Keil einige Überlegungen an, wo es sich wann unter welchen Umständen besser arbeitet – im Redaktionsbüro oder am heimischen Schreibtisch.

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Zwischen Fotozeitschriften, abzuheftenden Rechnungen und Kinderzeichnungen leuchtet der Monitor. Vor mir, eingeklemmt von Bauch und Tastatur, der elektronische Notizblock. Still ist es, nur hin und wieder vom Klackern der Tastatur und Klicken der Maus durchbrochen. Für weitere akkustische Untermalung schalte ich das Radio zu. Nahe der Bahnschienen wohnend, erkenne ich mittlerweile am Vibrieren unterm Hintern, ob ein Güterzug vorbeifährt oder die S-Bahn kommt. Diese Szenerie ist mir von der Arbeit im Büro fremd. Doch es gibt noch mehr Aspekte, durch die sich meine Arbeit im Medienhaus von der zu Hause unterscheidet. Zeit für einen Vergleich.

Arbeitsweg
Der ist im Homeoffice gleich Null. Aufgrund dieser Kürze ruht mein Fotoprojekt „Weg zur Arbeit“. Gut, ich machte bisher nur in unregelmäßigen Abständen Aufnahmen, aber das Morgenlicht geht mir im Homeoffice für Fotos flöten. Einerseits fehlende Fotogelegenheiten, andererseits schnell am Arbeitsplatz – hier steht es unentschieden.

Pausengestaltung
Punkt zehn stellt sich mir immer eine Frage: Was ist mit Kaffee? „Ja, mußt Du Dir halt einen ansetzen“, sage ich mir. Also Wasser gekocht, Krümmel in die Tasse und aufgegossen. Schwarz heiß und lecker rinnt die Brühe dann die Kehle in kleinen Schlucken hinunter. Zum Mittag in die Stadt? Erstens ist der Weg zu weit, zweitens hatten die Dönerbuden auch lange Zeit zu. Darum domminiert die Nahrung aus dem Tiefkühlschrank den Speiseplan. Oftmals gibt es tagelang Pizza. Das mag eintönig erscheinen, aber die Teigflundern gibt es glücklicherweise in mehreren Geschmacksrichtungen, die sich auch noch mit zusätzlichem Belag aufbessern lassen. Hauptvorteil: Das Zeug macht kaum Dreck bei der Zubereitung und backt Stoppuhr-gesteuert einfach vor sich hin. In der Zeit kann ich schnell noch ein paar Schlagzeilen lesen. Das geht aber auch beim Warten im Restaurant, durch Fremdkochen gibt es noch weniger Dreck in der eigenen Küche und ein Vormittagskaffee lässt sich im Büro bestimmt auch noch organisieren. Außerdem kann  ich in den Pausen zusätzlich mit den Kollegen reden. Klarer Punkt fürs Büro im Medienhaus.

Recherche
Beim Surfen in den Tiefen des weltweiten Computernetzes gibt es eigentlich keinen Unterschied zum Büro. Für Telefonate muss jetzt ausschließlich das Handy herhalten. Gerade dabei spielt die Ruhe im Homeoffice seine Vorteile aus – keine störenden Nebengeräusche. Trotz Corona-bedingter Ausgangsbeschränkung muss ich doch hin und wieder zu Terminen und Recherchen vor Ort. Viele Ziele liegen in weniger als sechs Kilometer Entfernung zu meiner Wohnung. Da lohnt sich das Ausparken des eigenen Pkw aus der gut einen Kilometer entfernten Garage kaum. Deshalb flitze ich mit dem Fahrrad in die Umgebung zu Recherchen los. Gerade für solch Geschichten wie der Gartenanlage in Corona-Zeiten bewährt sich der Drahtesel bestens. Punkt fürs Homeoffice.

Kinderbetreuung
Klar, ich könnte meine Kinder auch zu Hause lassen. Aber ich will sie nicht von früh bis spät vorm Fernseher parken oder einfach sich selbst überlassen. Drum schiebe ich sie in die Notbetreuung ab. Dort haben sie ein paar soziale Kontakte, dürfen an die frische Luft und bekommen mittags warme Mahlzeiten, die nicht bloß aus Pizzen bestehen. Abends bleibt der Druck, möglichst noch vor Schließung die Kinder wieder aus der Kita auszufassen. Auch wenn der Abholweg kürzer ist, viel  hat sich hier nicht geändert, deshalb Punkteteilung.

Schreiben
Das läuft per Fernzugriff direkt auf dem Bürorechner im dafür vorgegebenen Programm. Einzige Schwierigkeit: Der dienstliche Mac nutzt andere Tastaturkürzel als mein privater Windows-PC. So muss ich immer ein wenig umdenken, wenn ich aus der einen Umgebung in die andere Sachen per Zwischenablage transferiere. Glücklicherweise wird die Alt-Gr-Taste der Mac-Tastatur auf der Windows-Tastatur mit der Windows-Taste ersetzt. Das erspart sich plötzlich schließende Fenster, wenn ich wiedermal mit der falschen Tastaturkombination ein @-Zeichen eingeben will. Dennoch schreibt es sich ganz flüssig, auch das Speichern der Texte läuft ohne große Schwierigkeiten. Weil sich hier keines der Büros einen Vorteil erarbeiten kann, gibt es ein Unentschieden.

Kommunikation mit Kollegen
Einfach mal die Tür des Nachbarbüros aufreißen und ein fröhliches „Glück Auf!“ in den Raum schmettern geht nicht. Das gilt auch für spontane Fragen, die am Tage aufkommen. Immer überlege ich, ob es dringend ist und ich sofort eine Antwort brauche, oder ob es noch Zeit hat. Je nachdem wähle ich das Telefon oder tippe eine Nachricht in Whatsapp. Was wirklich fehlt, ist der  spontane Schwatz im Büro oder auf dem Flur. Homeoffice ist halt manchmal wirklich einsam. So geht der Punkt ans Büro.

Planung der täglichen Zeitung
Bisher saßen wir alle morgens zusammen am großen Tisch und grübelten, was wir am nächsten Tag unseren Lesern bieten wollen. Dies geht in Zeiten Coronas nicht. Jetzt treffen wir uns virtuell in einer Whatsapp-Gruppe. Nach anfänglichen Zweifeln, ob das funktionieren kann, geht es mit ein wenig Disziplin im Chat doch recht fix – schneller sogar, als im Besprechungsraum. Zusätzlich ist so der Seitenplan für alle den ganzen Tag jederzeit einsehbar. Nebendiskussionen lassen sich leicht in direkte Kanäle mit den entsprechenden Kollegen auslagern, ohne die Hauptbesprechung zu stören. Ob eine Videokonfernz hier noch was bringen könnte? Das kann ich mir momentan nicht vorstellen. Gerade die Kürze der Besprechung und der schnelle Überblick des Ergebnisses lassen hier das Homeoffice punkten.

Fazit
Letzendlich ist das Ergebnis ausgeglichen. Beide Varianten haben ihr Für und Wider. In Zukunft kann ich mir eine Mischung beider Arbeitsweisen vorstellen, also ein paar Tage oder auch bloß Stunden im Medienhaus, dann wieder zu Hause arbeiten. Weiterhin bieten sich mit dem Fernzugriff auf die Redaktionsressourcen ganz neue Möglichkeiten des Berichtens von unterwegs.

Wie eine Zeitkapsel wirkt der Schreibtisch im Medienhaus – der Kalender zeigt Mitte Mai
noch den 18. März. Nur der ferngesteuerte Rechner verströmt einen Hauch Normalität.

 


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