Montag, 13. Juli 2020
Freitag, 29. Mai 2020

TORGAU

Nachruf - Karlheinz Herrmann

Karlheinz Herrmann war seit 2008 Oberhaupt der Gemeinde Elsnig. Foto: Archiv/Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Elsnig. Im April diesen Jahres ist der langjährige Elsniger Bürgermeister Karlheinz Herrmann verstorben. TZ  erinnert in einem Nachruf an das große Engagement, das der Neidener ehrenamtlich für seine Heimatgemeinde Elsnig aufgebracht hat. 

 

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Neiden. Er war zwölf Jahre Bürgermeister. Hat sich ehrenamtlich für das Wohl seiner Gemeinde und deren Bewohner eingesetzt. Eine Herausforderung, die nicht immer leicht zu bewältigen ist, die alle Kraft verlangt und manchmal auch ein „dickes Fell“ erfordert. 

Verantwortung übernommen 

Karlheinz Herrmann hat sich nie vor der Verantwortung gedrückt. Als im Jahr 2008 der Chefposten im Elsniger Gemeindeamt leer blieb und die Stelle nicht mehr hauptamtlich besetzt wurde, stellte er seine Erfahrung und seine Einsatzbereitschaft zur Verfügung, wohl wissend, dass es mit ein paar Stunden Büroarbeit in der Woche nicht abgetan sein würde. Bürgermeister  ist ein Full-Time-Job. Noch dazu in einer Gemeinde mit acht verschiedenen Ortsteilen. Jedes Dorf hat seine Wünsche, jede Dorfgemeinschaft ihre eigenen Probleme und Ansprüche. Da ist es ein Spagat, alles unter einen Hut zu bekommen. Manchmal sitzt man als Oberhaupt zwischen allen Stühlen. Karlheinz Herrmann war sehr bodenständig. Von Luftschlössern hielt er nichts! 

In Neiden aufgewachsen, lag ihm das Wohl und Weh seiner Kommune stark am Herzen. Es musste vorwärts gehen – auch in finanziell und wirtschaftlich schwierigen Zeiten.  Der 68-Jährige glaubte fest daran, dass sich der Erfolg eher einstellt, wenn man die Fäden selber in der Hand behält, wenn die Gemeinde Elsnig autonom bleibt und man sich nicht von Städten wie Torgau oder Dommitzsch einverleiben lässt. 

Wer die Jugend halten will, muss Arbeitsplätze schaffen, muss versuchen, Firmen anzusiedeln und Wohnstandorte zu erschließen. Es braucht moderne Kindereinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten und ein reges Vereinsleben. Karlheinz Herrmann kniete sich hinein in die Aufgaben. Er wusste dabei auch einen engagierten Gemeinderat hinter sich, dessen Mitglieder sich nicht in Parteien-Geplänkel zerrieben. Manche Entscheidung wurde pragmatisch beschlossen. Die Entwicklung des Gewerbestandortes „Am Österreicher“, der Ausbau einer modernen Kita in Neiden, der Bau einer neuen Feuerwehr in Elsnig, die Gründung eines Eigenheimstandortes in der Waldsiedlung – das alles sind Erfolgsgeschichten, die mit auf das Konto von Karlheinz Herrmann gehen. 

Offen angesprochen 

Als Bürgermeister war er sich nie zu schade, laut seine Meinung zu sagen, auch mal Kritik zu äußeren und bei den oberen Stellen und Behörden anzuecken. Dann saß er später schmunzelt und die unliebsamen Folgen schon ahnend hinterm Schreibtisch in seinem Büro. Achselzuckend. Motto: „Was gesagt werden muss,  muss gesagt werden. Auch wenn es manchen nicht passt.“ Der Neidener liebte Ehrlichkeit, hatte einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und eine große soziale Ader. Das machte ihn glaubhaft. Das machte ihn beliebt. Herrmann hatte Humor, konnte auch mal über sich selber lachen. Seine Hilfsbereitschaft und seine unkomplizierte Art, manche Dinge auf dem kurzen Dienstweg und unbürokratisch zu regeln, wurden in der Bevölkerung geschätzt. Als Bürgermeister und zuvor als langjähriger Gemeinderat war er stets akzeptiert und anerkannt. 

Zum Ingenieur qualifiziert 

Karlheinz Herrmann ist in Neiden aufgewachsen. Er hat sich nach seiner Lehre als Baufacharbeiter bis zum Ingenieur im Tiefbaukombinat Cottbus weiter qualifiziert. In seinem späteren Betrieb in Falkenberg/Elster, wo er sich um Projektierungen kümmerte, lernte er seine Frau Petra kennen. Von 1978 bis zur Wende arbeitete er im Flachglaskombinat Torgau (FLAKO), Abteilung Ratio. Auch hier wussten die Kollegen seine Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit zu schätzen. Herrmann hatte ein gutes Händchen für Mitarbeiter. Das zeigte sich auch, als er 1990 den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. In seinem Baubetrieb, den er bis zum Jahr 2000 führte, waren zeitweise bis zu 40 Beschäftigte tätig. 

Der Neidener liebte Harmonie, war Familienmensch durch und durch. Unterm Dach seines Hauses wohnten vier Generationen. Beide erwachsenen Söhne blieben in der Heimat, wurden ebenfalls in Neiden sesshaft.  Für die drei Enkel nahm sich Karlheinz Herrmann besonders gerne Zeit. Oft gab es gemeinsame Ausflüge zum Beispiel in den Spreewald oder in den Harz. 

Ansonsten liebte er es, in seiner Freizeit mit Hund „Jacky“ spazieren zu gehen, ein gutes Buch zu lesen, in der Werkstatt des Sohnes zu schrauben oder abends zur Entspannung einfach nur mit Kopfhörern vor dem Computer Musik zu hören. Einmal die Woche ging es zum Tennisclub Großwig, wo er sich sportlich betätigte. Auch hier blieb es nicht beim reinen Fitness-Programm. Herrmann wollte sich stärker engagieren und sich mit ganzer Kraft für den Verein  einbringen. 

Optimismus behalten 

Dass ihm eine schwere Krankheit schon längere Zeit zusetzte, ließ seinen Optimismus nicht schwinden. Er hoffte und kämpfte. Einen Kampf, den der 68 jährige im April dieses Jahres leider verlor. Familienmitglieder, Verwandte, Bekannte, Einwohner und Weggefährten trauern. Sein Engagement wird fehlen. Die Lücke, die er hinterlässt, ist groß. Lieber Herr Herrmann, vielen Dank für alles! 


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