Montag, 10. August 2020
Dienstag, 2. Juni 2020

MOCKREHNA

Unangemeldeter Affenbesuch in Schöna

Maria Müller hofft, den Affen, der sich in der Scheune bestens verstecken kann, fangen zu können. Kuno Pötzsch hofft das auch.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Schöna. Für die Einwohner in Schöna ist es mit Sicherheit die affengeilste Pfingstgeschichte überhaupt. Beim Aufschreiben dieser musste daher dringend darauf geachtet werden, dem sprichwörtlichen Affen keinen Zucker zu geben.

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Maria Müller (23 J.) steht gewöhnlich bei einem großen deutschen Automobilhersteller in Leipzig am Fließband. Am Dienstagvormittag stand sie mit dem Audenhainer Kuno Pötzsch in ihrer Scheune und inspizierte eine aus einem Einkaufswagen gebastelte Lebendfalle. Ein Bekannter hatte ihr diese überlassen, nachdem auch er von der Ernsthaftigkeit ihres Problems überzeugt werden konnte. Denn das, was Maria Müller seit Pfingsten umhertreibt, ist ein etwa kniehohes Fellbüschel, das es sich auf ihrem weitläufigen Grundstück gemütlich gemacht hat.

„Das ist definitiv ein Affe“, sagte sie beim Vor-Ort-Besuch der Heimatzeitung. Es war nicht das erste Mal, dass dieser Satz an jenem Tage fällt. „Die Geschichte ist bei uns im Ort Gesprächsstoff Nummer eins“, schmunzelte die Frau, deren Telefon nicht stillstehen wollte. Jeder frage, jeder rufe an. Na ja, fast jeder.

Die Geschichte des unerwarteten Affenbesuchs verbreitete sich in und um Schöna am Wochenende wie ein Lauffeuer. Anfangs noch einen kleinen Waschbären vermutend, waren letzte Zweifel bei Nachbarn aus dem Weg geräumt, als das Tierchen von einem nicht unbekannten Sächsischen Tourenfahrer ebenso gesichtet worden war. Um welche Affenart sich handelt, wird wohl erst der erfolgreiche Einsatz der Lebendfalle oder der einer Wildkamera zeigen. Mit Kameratechnik konnte Kuno Pötzsch jedoch nicht dienen. „Die werfen bei mir doch immer ein Auge auf die Wölfe“, sagte der Wildbauer, der aktuell zwei Kitze mit der Flasche aufzieht.

 

Affenstarker Einsatz

 

Dennoch wollte auch er am Dienstag seine Neugier befriedigen. Immerhin hatte es der Audenhainer vor zig Jahren schon einmal mit einem affenstarken Einsatz in einer Eiche nahe Oschatz zu tun bekommen. Pötzsch weiß daher nur zu gut, wie clever Äffchen sein können. Er hofft, dass die ausgeklügelte Technik der Lebendfalle dagegen anhalten kann: An einer Bügelfalle baumelt ein Fresskörbchen in das Innere das Wagens hinein. Dessen Rückfront fungiert als Klappe, die über die auslösende Bügelfalle aktiviert wird. Weil der umfunktionierte Einkaufskorb möglicherweise nicht ausreicht, sollten gestern nach einem Anruf noch weitere Fallen in dem Scheunentrakt aufgestellt werden.

Dort versucht Maria Müller derweil, den Affen an Leckerlies wie beispielsweise Rosinen zu gewöhnen.

Woher das Tier stammt, kann sich die alleinerziehende Mutter einer 6-jährigen Tochter nicht erklären. Anrufe im Eilenburger Tierpark und dem dortigen Tierheim sowie im Delitzscher Tierheim brachten keinen Erfolg.

 

Rat aus Eilenburg

 

Trotzdem schaute auch Stefan Teuber, Chef des Eilenburger Tierparks, am Pfingstmontag in Schöna vorbei. Er gab Futtertipps und die Gewissheit, dass sich der Tierpark um den Affen kümmern werde, wenn dieser denn eingefangen ist.

Zuletzt war das Tierchen in der Nacht zu Dienstag mächtig aktiv. Maria Müllers Hunde schlugen 1.20 Uhr an, als der Affe über das auf dem Hof stehende Schaukelgerüst kletterte. Doch der Affe ließ sich davon nicht beeindrucken. Er zog weiter seine Kreise und verschwand erneut im tiefen Dunkel der Scheune.

Die Beschreibung des Tierchens reicht derzeit noch nicht aus, die Affenart bestimmen zu können. „Dunkel bis schwarz und ein helles Gesicht“, sagt Maria Müller. Fast so, wie Herr Nilsson – der Affe bei Pippi Langstrumpf. Die Stimme des Tiers ist ohrenbetäubend fietschig. Das musste auch ein Mitarbeiter in der Rettungsleitstelle einräumen, den Müller am Wochenende auf Anraten aus dem Tierpark kontaktierte. Der Mann glaubte zunächst an einen deftigen Pfingstscherz, scherzte zurück, ob er denn das Bombenkommando losschicken müsse. Auch der nun plötzlich einsetzende fietschige Live-Ton am Telefonhörer wollte ihn zunächst nicht überzeugen. Erst als er sich gewiss gewesen sei, dass sie nicht in einem Tierpark wäre, habe er ein Einsehen gehabt, erinnerte sich die Schönaerin.

Doch ein Polizeieinsatz in dem Mockrehnaer Ortsteil war natürlich  nicht nötig. Dafür meldete sich kurzerhand das Veterinäramt des Landkreises. Alles hat in Deutschland eben seine Ordnung. Auch ein unangemeldeter Affenbesuch.

 


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