Samstag, 4. Juli 2020
Donnerstag, 11. Juni 2020

GESPRÄCH AM SONNTAG

Solveig Lichtenstein: "Zarte und leise Stimmen"

Kantorin und Kirchenmusik-Leiterin Solveig Lichtenstein.Foto: privat

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Herzberg. Eigentlich könnte Solveig Lichtenstein gerade Luftsprünge machen: „Ihre“ Orgel in der Stadtkirche St. Marien wird endlich restauriert. Doch Corona bringt auch die Arbeit der Kantorei durcheinander. Wie, erzählt sie im Folgenden.

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Herzberg. Eigentlich könnte Solveig Lichtenstein gerade Luftsprünge machen: „Ihre“ Orgel in der Stadtkirche St. Marien wird endlich restauriert. Doch Corona bringt auch die Arbeit der Kantorei durcheinander. Wie, erzählt sie im Folgenden.

SWB: Was bedeutet das für die Kantorei und die Kirchgemeinde?
Solveig Lichtenstein:
Ja, wir als Kirchengemeinde freuen uns sehr, dass die Restaurierung unserer historischen Rühlmann-Orgel aus dem Jahr 1896 jetzt ausgeführt wird. Die Planung der Arbeiten und ihre Finanzierung beschäftigt die Gemeinde schon seit mehreren Jahren. Der Zahn der Zeit und besonders die Trockenheit der letzten Sommer haben dem Instrument sehr zugesetzt, sodass es zeitweise gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt spielbar war. Unsere Orgel spielt in den Konzerten, aber auch im wöchentlichen Gottesdienst eine wichtige Rolle. Die Kantorei wird bei Auftritten regelmäßig von ihr begleitet. Wir freuen uns sehr darauf, sie im Herbst wieder in voller Pracht erleben zu dürfen.  Besonders in dieser Zeit der Einschränkungen und Veranstaltungsabsagen ist es wunderbar, dass dieses Projekt wie geplant verläuft.


Gibt es besondere Schwerpunkte, was an der Rühlmannorgel aus dem Jahre 1896 jetzt erneuert oder repariert werden muss?
Die Arbeiten, die jetzt ausgeführt werden, sind gewissermaßen eine Ergänzung zu der großen Restaurierung in den 1990er-Jahren. Damals wurden zwei Bereiche ausgespart, einerseits aus Kostengründen, andererseits da ihre Restaurierung noch nicht dringend erforderlich war. Das wird jetzt nachgeholt. Es geht um die Balganlage und das pneumatische System im Spieltisch. Leder und andere Verschleißteile stammen zum großen Teil noch aus dem Erbauungsjahr 1896. Ich bewundere immer wieder die extrem hohe Qualität des verwendeten Materials und die hochwertige Verarbeitung der Firma Rühlmann. Über 120 Jahre Haltbarkeit finde ich sehr beachtlich. Doch um die Spielbarkeit des Instruments auch weiterhin zu gewährleisten, müssen Leder und andere Verschleißteile nun erneuert werden. Die jetzt durchgeführten Arbeiten betreffen also die technische Seite des Instruments. Am Pfeifenwerk selbst, dem klingenden Teil der Orgel, wird außer einer Generalstimmung nichts verändert.


Was macht die Rühlmannorgel so besonders? Was schätzen Sie als Organistin und Kantorin an diesem ehrwürdigen Instrument in Herzberg?
Die Orgel in der Herzberger Stadtkirche St. Marien ist mit ihren drei Manualen und 47 Registern eine der größten noch erhaltenen Rühlmann-Orgeln, die nicht umgebaut wurden. Ihre Pfeifen wurden nie verändert. Was wir heute hören können, entspricht also dem originalen Klang von 1896. Das ist wie eine kleine Zeitreise in die Welt der Spätromantik. Neben dem beeindruckenden strahlenden Tutti gefallen mir an dieser Orgel besonders die vielen verschiedenen Klangcharaktere der zarten und leisen Stimmen. Ihren 125. Geburtstag wollen wir im kommenden Jahr gebührend feiern. Aus diesem Grund wird es eine Festwoche vom 25. Juli bis 1. August 2021 mit verschiedenen Konzerten und Angeboten rund um unsere Herzberger Orgel geben.


Sie erhalten für die Finanzierung der Maßnahmen Fördermittel und Unterstützung von Landkreis, Landeskirche, Kirchenkreis und voraussichtlich auch von der Sparkassenstiftung. Wie viel Geld muss die Gemeinde selbst noch aufbringen und wie werden Sie das stemmen?
Wir sind allen Unterstützern, die unsere Fördermittelanträge genehmigt haben, sehr dankbar. Unsere Gemeinde selbst muss noch eine Summe von ca. 18 500 € aufbringen. In den vergangenen Jahren fanden in der Stadtkirche St. Marien und im Gemeindesaal zahlreiche Benefizkonzerte verschiedener Musiker und auch der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ statt, mit deren Hilfe wir bereits einen beträchtlichen Betrag sammeln konnten. Auch Spenden für Orgelführungen oder kleine Privatkonzerte kamen dazu. Außerdem gibt es den Förderkreis „Betont für Herzberg“, der dank regelmäßiger Spenden nicht nur unser jährliches umfangreiches Konzertprogramm, sondern auch die Pflege der Instrumente fördert. Darüber hinaus durften wir uns über zahlreiche kleine und auch sehr großzügige Einzelspenden von Privatpersonen freuen.


Kann man sich als Privatperson irgendwie daran beteiligen?
Wir sind für jeden weiteren Betrag dankbar!
Bankverbindung:
Evangelischer Kirchenkreis Bad Liebenwerda, Kirchenkassen Herzberg
IBAN: DE 21 1805 1000 3300 103 095, BIC: WELADED1EES,
Sparkasse Elbe-Elster, Verwendungszweck: Orgelrestaurierung.


Denken Sie, dass das Konzert zur Wiedereinweihung am 3. Oktober stattfinden kann? Wie soll es thematisch gestaltet werden?
Ich hoffe sehr, dass die Feierlichkeiten zur Wiedereinweihung der Orgel Anfang Oktober stattfinden können. Aber mit Sicherheit lässt sich das aufgrund der aktuellen Situation natürlich leider nicht sagen.
Wir haben für Samstag, den 3. Oktober, um 16 Uhr ein festliches Konzert mit drei Trompeten, Pauken und Orgel geplant. Am Sonntag, 4. Oktober, wollen wir um 10 Uhr einen musikalischen Festgottesdienst mit Werken für Chor und Orgel feiern. Die Kantorei hat bereits mit den Proben dafür begonnen, doch seit März muss unsere Probenarbeit leider ruhen.


Können Sie sich und die Mitglieder der Kantorei in diesen Zeiten voller Auflagen überhaupt angemessen auf diesen Termin vorbereiten? Wie proben die Sängerinnen und Sänger?
Die Situation für Chöre ist im Moment verheerend. Neben dem absolut notwendigen regelmäßigen Training der eigenen Singstimme fehlt vielen Chormitgliedern auch das Musizieren in der Gruppe und die vertraute Gemeinschaft. Als Chorleiterin weiß ich nicht, auf welchem musikalischen Niveau wir wieder mit den Proben einsteigen werden. Eine Chorprobe mit allen Sängerinnen und Sängern, wie wir sie bisher gewohnt waren, ist noch nicht absehbar. Eventuell dürfen wir demnächst in kleinen Gruppen, mit sehr viel Abstand und natürlich unter den üblichen strengen Hygienevorschriften wieder mit dem Proben beginnen. Das wird für alle sehr ungewohnt sein, aber ich freue mich auf den Anfang. Neue Sängerinnen und Sänger sind uns auch in dieser ungewöhnlichen Zeit willkommen!
Die Kantorei St. Marien probt normalerweise, jetzt natürlich noch nicht, jeden Dienstag von 19.30 bis 21.00 Uhr im Ev. Gemeindesaal (Magisterstraße 2, Herzberg). Bei Interesse freue ich mich über einen Anruf unter  0176  821 66 212.
 


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