Montag, 13. Juli 2020
Montag, 15. Juni 2020

NORDSACHSEN

In Zeiten von Corona…#70

In Zeiten von Corona…Foto: Repro: TZ

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

…wirft Werner Eckert, Geschäftsführer des weltweit aktiven Industrieunternehmens EBAWE aus Eilenburg einen optimistischen Blick in die Zukunft. Wie er zu diesem Ausblick kommt, habe ich mit ihm besprochen.

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In Zeiten von Corona…

…ist uns einmal mehr klar geworden, welche zentrale Rolle globale Kreisläufe nicht nur für die Versorgung unseres Landes mit Konsumgütern bishin zu Mund-Nase-Masken, sondern auch für die deutsche Wirtschaft haben.

Die Welt funktioniert offenbar nur noch als Ganzes. Dennoch geht man weltweit jeweils etwas anders mit der Corona-Pandemie um.

Mich hat deshalb interessiert, wie ein Global Player wie EBAWE mit der aktuellen Situation umgeht. Das Unternehmen ist Weltmarktführer. Rund um den Globus produzieren die in Eilenburg hergestellten Werke Betonfertigteile, die von den Kunden der EBAWE vorrangig für den Wohnungsbau genutzt werden.

Werner Eckert ist einer von drei Geschäftsführern des Unternehmens und weil derzeit so gut wie keine Flugzeuge unterwegs sind, haben wir uns kurzfristig in Eilenburg treffen können. Eine Stunde lang haben wir viel über das Ausland, aber auch über Lehren für unsere BRD gesprochen und einen durchaus optimistischen Blick auf die Zukunft geworfen.

Werner Eckert.

TZ: Herr Eckert, normalerweise sind Sie für EBAWE ständig in der Welt auf Achse. Seit März sind die Flugzeuge am Boden. Spüren Sie schon einen Lagerkoller?
Werner Eckert:
Wenn ich mir das gesamte Jahr anschaue, dann sind die Reisen unter anderem nach China, Thailand, Russland, Singapur das Salz in der Suppe. Zumal ich meistens dann ins Flugzeug steige, wenn es um einen Vertragsabschluss geht. Diese Erlebnisse fehlen mir gerade und natürlich das „Herauskommen“, das Sehen, was es in der Welt Neues gibt.

Seit drei Monaten keine Reisen zu Kunden im Ausland – spürt Ihr Unternehmen wirtschaftliche Corona-Folgen?
Wir haben im Januar einige große Aufträge akquiriert und aus dem letzten Jahr noch viel Arbeit – 12 bis 14 Monate ist im Schnitt die Durchlaufzeit für einen Auftrag. Vor diesem Hintergrund wäre es verkraftbar, ein halbes Jahr ohne neue Geschäfte auszukommen. Doch so ist es nicht gekommen.

Was ist passiert?
Für einen mittelständischen Unternehmer hier in Europa, in Deutschland, Frankreich oder Spanien, der bei uns ein Werk für 5, 10 oder 15 Millionen Euro kaufen will, ist das häufig eine Lebensentscheidung.

Da gibt es die einen, die jetzt zögern, weil sie viele Risiken sehen und die anderen, die feststellen, dass es in der Baubranche nahezu keinen Einbruch gibt, der Wohnungsbau sogar fleißig voran geht. Diese Unternehmer treffen jetzt die Investitionsentscheidung, weil sie wissen, dass ihnen das Werk in 12 bis 14 Monaten zur Verfügung steht.

Welche Erwartungen gibt es für diesen Zeitpunkt?
Dann haben wir nach meiner Einschätzung zu 100 Prozent einen Impfstoff und das Thema Corona im Griff. Dann wird eine Zuversicht eintreten, die Sie an den Börsen dieser Welt spüren werden. Dazu kommen noch die Geldmengen, die über staatliche Programme weltweit in die Märkte gedrückt werden und positiv auf die Konjunktur wirken.

Das sehen diese Unternehmer und folgern, dass wir in den kommenden Jahren eine steigende Nachfrage nach Wohnraum haben werden.

Blicken wir auf Deutschland. Verdient die Bundesregierung für ihr Konjunkturpaket gute Noten?
Es soll viel Geld beispielsweise in Digitalisierung und andere Zukunftstechnologien fließen. Das ist gut, ich fürchte nur, da kommt es nur langsam an. Der Telekom-Chef hat kürzlich in einem Interview sinngemäß berichtet, dass sein Unternehmen aufgrund der Genehmigungslage in den USA in einem Monat so viele Mobilfunkmasten aufstellen kann, wie in Deutschland in einem Jahr.

Das Geld wird zumindest in diesem Sektor einfach nicht schnell abgerufen werden. Im Wohnungsbau sind die Genehmigungsprozesse eingespielt, einiges von dem Geld wird deshalb dort landen.

Hat das Konjunkturpaket mit seinen vielen Bausteinen das Zeug dazu, die Wirtschaft anzukurbeln?
Es gibt mehr als 50 Punkte, die ich im Einzelnen nicht bewerten kann. Populismus ist es für mich allerdings, dass nur der Kauf von Elektroautos gefördert wird. Da hat sich offenbar die SPD durchgesetzt. Ich bin hier auf einer Linie mit unserem Ministerpräsidenten, der sich sehr wohltuend dazu geäußert hat.

Wenn überhaupt, machen Elektroautos zehn Prozent unseres Marktes aus. Der Rest sind Verbrenner, die mittlerweile auf einem exzellent hohen Niveau sind. In Stuttgart und anderen großen Städten hat man gerade festgestellt, dass wegen des Lockdowns nur noch die Hälfte der Autos unterwegs war, das Feinstaubniveau aber nahezu gleich bleibt. Auf einmal stellt man fest, dass es zu einem ganz erheblichen Teil Blütenpollen und anderes waren.

Man ist so auf dem besten Weg, unsere Hauptindustrie platt zu machen und richtet den saubersten Dieselmotor, den es je gab, gerade hin. Die Ausrichtung auf Elektro und Wasserstoff mag grundsätzlich stimmen, aber den Umbau unserer Kernindustrie muss man vernünftiger und bedachter gestalten.

Gehen wir zurück zur Pandemie. Wie sind Sie im Unternehmen damit umgegangen?
Mit Augenmaß. Wir haben Panik vermieden und niemanden zum Tragen von Masken verpflichtet, wo es nicht vorgeschrieben war. Seit zweieinhalb Jahren haben wir allerdings an vielen Stellen Alkoholgel-Spender zur Desinfektion der Hände, um uns vor Grippe und Ähnlichem zu schützen.

Wir hatten einfach kein Interesse an einem hohen Krankenstand. Das und den passenden Abstand halten, ist schon die halbe Miete. Außerdem hatten wir zeitweise einige Mitarbeiter im Homeoffice und haben organisatorische Maßnahmen zum Beispiel in der Mensa und im Transport ergriffen. Insgesamt sind wir auch den Empfehlungen unseres Dachverbandes VDMA gefolgt.

Hatten Sie trotzdem noch einen Corona-Stab, um die Bemühungen zu koordinieren?
Als der Shutdown einsetzte, haben wir drei Geschäftsführer uns mit den Abteilungsleitern zusammengesetzt und die Lage geklärt. Auf keinen Fall wollten wir im Unternehmen Panik verbreiten, sondern Coolness ausstrahlen und Dinge veranlassen, die sinnvoll sind, um Ansteckungen zu verhindern.

Diese intensive Runde hatten wir drei Mal in kurzer Abfolge. Danach haben wir uns monatlich über die neuesten Entwicklungen und Regelungen ausgetauscht und über Anpassungen für unsere Maßnahmen gesprochen. Der Erfolg dieser Vorgehensweise gibt uns insofern Recht, als dass wir keinen einzigen Corona-Fall bis jetzt in der Firma hatten.

Sie agieren weltweit, haben entsprechend auch verschiedene Länder im Blick. Wie ist man anderswo mit Corona umgegangen?
Einer unserer Hauptkunden heißt Myhome und hat seinen Sitz in Wuhan. Wuhan ist übrigens die Hauptstadt der Hubei-Provinz, die Sachsens Partner-Provinz ist. Ich selbst bin zigfach in Wuhan gewesen und kenne die Stadt. Wir haben für diesen Kunden 16 Werke an verschiedenen Standorten in China gebaut, darunter auch eins direkt in Wuhan.

Wir haben also Kollegen bei unserem Kunden dort, die ganz unmittelbar betroffen waren von diesem Mega-Lockdown, bei dem elf Millionen Menschen eingeschlossen wurden. Mit einem haben wir telefoniert und er hat uns berichtet, dass seine Wohnung versiegelt wurde. Er durfte nur einmal am Tag raus, wenn das Essen vor die Tür gestellt wurde. Dann durfte er einmal um den Block laufen, um frische Luft zu schnappen und anschließend wurde die Wohnung wieder versiegelt. Dies über einen Zeitraum von 6 Wochen.

Wie sind die Chinesen damit klargekommen?
Ich fand ja schon, dass die Deutschen die Maßnahmen hier sehr stoisch hingenommen haben. Manche wollten sogar noch mehr Schärfe. Was bei den Chinesen läuft, ist zwar eine Nummer härter, doch man ist dort diesen Dirigismus gewohnt. Ein Stück weit ist er sogar gewollt. Deswegen haben die Menschen dort auch kein Problem mit tausenden Kameras oder der Corona-App.

Das geht für sie in Ordnung, weil sie im Gegenzug in den vergangenen Jahrzehnten einen unglaublichen Zugewinn an Wohlstand erzielt haben, der diese Einschränkungen – die man zumindest hier in Deutschland als solche wahrnimmt – aufwiegt.

Zwischenfrage: Werden Sie sich die deutsche Corona-App aufs Smartphone laden?
Das muss ich mir noch überlegen, zumal die App im Grunde zu spät kommt. Hier in Sachsen gehen die Neuinfektionen gegen Null, die Zahl der aktuell Erkrankten ist sehr gering, dies auch deutschlandweit. Ich muss mir die App auch erstmal ansehen.

Zurück nach China…
…dort werde ich mir beim nächsten Besuch wohl zwangsläufig eine Corona-App herunterladen müssen. Ich nehme an, das wird obligatorisch. Noch fliegen unsere Leute aber nicht. Denn aktuell wird jeder Einreisende 14 Tage unter Quarantäne gestellt und das wiederholt sich beim Weiterflug innerhalb Chinas in jeder Provinz.

Ist das in den anderen Ländern, in denen Ihr Unternehmen tätig ist, ähnlich?
Malaysia hat es anfangs auch etwas unterschätzt, dann aber einen relativ scharfen Lockdown verhängt, der aktuell noch bis August bestehen bleiben soll. Unser Auftrag dort ist aber abgesichert.

Das gilt auch für die Aufträge in Singapur. Dort hat es einen Lockdown gegeben, dann eine Öffnung und als man merkte, dass die zu früh gekommen war, gab es einen erneuten Lockdown, der wohl Wirkung zeigt und sich erneute Lockerungen andeuten. Ich denke, wir können dort bald wieder Monteure hinschicken.

In Brasilien merken wir gerade, wie das katastrophale Krisenmanagement dort zu einer Krise und damit einer massiven Abwertung des Reals geführt hat. Für jemanden, der eben noch mit dem Gedanken gespielt hat, eine Anlage von uns zu kaufen, wird dieses Vorhaben damit plötzlich das Doppelte bis Dreifache teurer.

Der Real erholt sich gerade wieder und für uns heißt das, mit Interessenten in Kontakt zu bleiben und zu erreichen, dass eventuelle Investitionsentscheidungen nicht revidiert, sondern nur verschoben werden.

Noch ein Blick in die USA. Dort bauen wir in Florida eine Anlage. Auf der Baustelle ist alles etwas schwieriger als normal, mit Maskenzwangund so weiter, aber es geht voran.

Mit Moskau, auch im Lockdown, haben wir eine Videokonferenz nach der anderen und treffen auf diesem Weg sogar viele teils komplexe Vereinbarungen mit Kunden.

Dann hat sich das viele Fliegen für Sie überlebt?
Ich bin davon überzeugt, dass es die Ausnahme bleibt, zum Beispiel Verträge per Video abzuschließen. Es gibt bestimmte Situationen – das Kennenlernen, aber auch der finale Abschluss –, in denen muss man sich gegenübersitzen, um Vertrauen aufzubauen und zu vermitteln. Dazwischen, wenn es um die Ausgestaltung des Projektes geht, sind Videokonferenzen jetzt in den Fokus gerückt und werden auch künftig häufig Vor-Ort-Termine ersetzen.

Als Geschäftsführer ist es Ihre Aufgabe, das Unternehmen mit Weitblick auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten, um die Existenz zu sichern. Wie schätzen Sie aus dieser Perspektive heraus die Vorbereitungen Deutschlands auf den Pandemiefall ein?
Als großer Industriestandort müsste Deutschland weitaus besser gerüstet sein, als es der Fall war. Ich bin mir relativ sicher, dass wir anfangs keine Maskenpflicht hatten, weil es keine Masken gab. Die Chinesen waren zu der Zeit der nahezu einzige Hersteller und sie brauchten die Ausrüstung selbst.

Warum gibt es nicht einmal eine Kernproduktion von 20 Prozent des Bedarfs in Deutschland? Das Unternehmen müsste sicher vom Staat subventioniert werden, da alle unsere Händler in China einkaufen, weil es da billiger ist.

Dieses Phänomen erleben wir leider auch bei den Antibiotika. Die werden nicht mehr in der einstigen Apotheke der Welt, in Deutschland hergestellt, sondern in China erzeugt und in Indien weiterverarbeitet. Hier hätte der Staat früher eingreifen und zur Not eine Kernproduktion in Deutschland auch über Subventionen aufrechterhalten müssen.

Ist das die große Lehre aus Corona?
Ich bin sonst ein absoluter Verfechter des Marktes und der sozialen Marktwirtschaft. In solchen Kernthemen darf sich der Staat aber nicht auf den Markt verlassen. Das darf uns als Deutschland nicht noch einmal passieren.
 

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