Montag, 13. Juli 2020
Montag, 15. Juni 2020

TORGAU

Gesundung des Handels durch Mehrwertsteuersenkung?

Katrin Schatz hinter der Kasse ihres Optikerladens in der Bäckerstraße – Auch diese Kasse muss mit neuer Software für die Mehrwertsteuersenkung ausgerüstet werden. Doch die Optikerin zweifelt am Nutzen der temporären Maßnahe des Konjunkturpaketes. „Der Aufwand ist extrem. Nicht nur die Kasse ist betroffen. Eigentlich müsste ich erstmal eine Inventur machen“, sagt sie. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau. Nach dem Corona-Lockdown soll ein Konjunkturpaket die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Dafür wird unter anderem für ein halbes Jahr die Mehrwertsteuer gesenkt. Lesen Sie hier, wie diese Senkung bei den Torgauer Händlern umgesetzt wird.

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Mehrwertsteuersenkung – dies Zauberwort soll den Bürger zum Kaufrausch treiben und damit die darbende Wirtschaft nach dem Corona-Lockdown einmal wieder so richtig anfeuern. Ob das bei einer möglichen effektiven Preissenkung zwischen 1,9 und 2,59 Prozent klappt und welchen Aufwand die Händler treiben müssen, um die Vorteile an den Konsumenten zu bringen, erfragte die TZ bei einigen Torgauer Händlern.

Zu kurzer Zeitraum

Auch wenn die Umpreisung aller Produkte im Laden mehr als einen Tag dauern wird – „Das muss ich einfach machen“, blickt Inhaber Daniel Wehner des CTST-Computerladens auf die vor ihm liegende Aufgabe. Allerdings sei der Zeitrum der Steuersenkung zu kurz, als das sich der Aufwand lohne. Vor allem müsse er im Januar alles wieder zurückdrehen. Und was ist, wenn dann eine Kiste vergessen wird? Hat der Kunde dann Glück und kann den niedrigeren Preis abgreifen? „Nein, das wird dann an der Kasse korrigiert“, macht er deutlich.
Sabine Wendt in der Buchhandlung Bücherwald bleibt ebenso gelassen. „Wir unterliegen der Buchpreisbindung“, sagt die Gesellschafterin. Damit könne sie gar nicht anders, als die Preisvorteile an den Kunden weiterzugeben. So wird am ersten Juli per Fernwartung die Kassensoftware aktualisiert. Auch wenn auf den meisten Büchern hinten der Preis schon aufgedruckt ist - mit neuen Preisaufklebern wird sie nicht hantieren. „Der Kunde erfährt dann an der Kasse den aktuellen Preis“, erläutert sie. Für sie werde das also gar nicht so schlimm.

Eine Richtlinie fehlt

Bei teuren Antiquitäten müsste sich die Senkung der Mehrwertsteuer doch spürbar auswirken, oder? „Nein, für den Kunden ändert sich nichts“, dämpft Ingo Henjes diesbezügliche Überlegungen. Der Inhaber des Antiquitätenhandels in der Schlossstraße will gar nicht erst anfangen, alles umzupreisen. „Ich habe ein paar tausend Artikel im Laden. Dafür bräuchte ich ein Vierteljahr“, erläutert er. Außerdem sei sein Geschäft nur schwer mit anderen Händlern vergleichbar, weil mancher Kunde auch gerne den aufgerufenen Preis verhandle.
Einen fördernden Nutzen für ihr Geschäft sieht Jutta Riedner in der Steuersenkung nicht. „Im Gegenteil, das verusacht ja erstmal Kosten, wird aber kaum wirklich mehr Kunden in den Laden treiben“, stellt die Inhaberin klar. Darum lasse sie das auch einfach an sich rankommen und werde nur das Nötigste machen. In dem Sinne wird vorraussichtlich nur die Kassensoftware aktualisiert. Die Preisschilder an den Regalen bleiben unangetastet. „Wir informieren den Kunden, dass die drei Prozent an der Kasse abgezogen werden“, zeigt sie eine pragmatische Lösung auf.
Eher skeptisch ist die Grundstimmung auch bei Dirk Hoffmann. Der Geschäftsführer des Expert-Marktes im PEP sieht vorrangig einen beträchtlichen Aufwand, da alles umzupreisen sei. „Momentan gibt es noch keine Richtlinie, wie das umzusetzen ist“, sagt er. Darum habe er auch noch keinen Plan, wie er es im Markt gestalten wird.

Eine einfache Sache

Entgegen dazu sieht Enrico Tuschla in der Mehrwertsteuersenkung nicht nur wirtschaftliches Potential, sondern auch kaum Aufwand für sein gleichnamiges Autohaus. „Das macht bei einem mehr als 30 000 Euro teuren Fahrzeug doch schnell mal 1000 Euro aus“, zeigt er den Vorteil für seine Kunden auf. Von den Vorbereitungen her sei bloß die Kasse umzustellen, was aber per Internet eingespielt werde. „Und für die Fahrzeuge auf dem Hof sind die Preisschilder schnell ausgedruckt“, bleibt er gelassen. Sorgen macht Enrico Tuschla sich aber, ob die Produktion in den Ford-Werken schnell genug wieder anläuft. Denn bisher ist nicht geklärt, wie Ware zu besteuern ist, wenn der Kaufvertrag zwar im kommenden Halbjahr geschlossen wird, aber der Liefertermin erst nächstes Jahr ist.


Kritik an Senkung der Mehrwertsteuer

Berlin. Der mittelständische Handel sieht sich bei der Mehrwertsteuersenkung im Rahmen des Konjunkturpakets im Vergleich zum Onlinehandel im Nachteil und warnt vor Insolvenzen. „Der vermeintliche Geldsegen wird dem mittelständischen Fachhandel nicht nur wenig nutzen, sondern seine Wettbewerbsfähigkeit gar weiter schwächen“, sagte Eckhard Schwarzer, Präsident des Mittelstandsverbunds ZGV. Stationäre Händler müssten Preisschilder ändern und Kassen umstellen – diese Kosten hätten Online-Händler nicht, mahnte der Verband. Wenn Bürger wie erhofft mehr einkaufen, verringere das nicht ihre Vorliebe für Bestellungen im Internet. Die in der Krise gewährte Überbrückungshilfe decke lediglich die Fixkosten ab. Investitionen und Warenbestände sichere sie nicht, es sei eine Insolvenzwelle zu erwarten. „Diesem vorauszusehenden Drama muss jetzt entschlossen gegengesteuert werden“, forderte Schwarzer. Es sei völlig unverständlich, dass Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern nur mit einer Fixkostenübernahme abgespeist würden. Konkret forderte Schwarzer ein Rekapitalisierungsprogramm, bei dem Unternehmen eine Forderung gegenüber dem Staat erheben können, die sich an den durch die Corona-Maßnahmen der Politik bedingten Schäden orientieren soll. Der Kritik schlossen sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Rossmann-Junior-Chef Raoul Rossmann an.
Presseinfo


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