Montag, 13. Juli 2020
Donnerstag, 18. Juni 2020

NORDSACHSEN

In Zeiten von Corona…#73

In Zeiten von Corona…Foto: Repro: TZ

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

…ist das Geschäft mit getragenen Sachen komplett zusammengebrochen. Wenn jetzt die DRK-Container verschwinden, verschwindet auch eine Möglichkeit, das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen. Mehr dazu, über einen echten Vollpfosten und die Einführung der D-Mark in Torgau aus Sindelfinger Sicht lesen Sie heute.

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In Zeiten von Corona…

…ist das Geschäft mit getragenen Sachen komplett zusammengebrochen. Wenn jetzt die DRK-Container verschwinden, verschwindet auch eine Möglichkeit, das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen.

Denn wirtschaftlich tut es den Wenigsten weh, ein 3-Euro-Shirt oder eine 5-Euro-Hose auszusortieren, um im Kleiderschrank Platz für Neues zu schaffen. Diese Sachen aber einfach in den Müll zu werfen, gibt ein ungutes Gefühl.

Wie angenehm ist dahingegen jedoch das Gefühl, noch etwas Gutes zu tun, indem die ausrangierten Klamotten für die Weiterverwendung im Container landen. Wenn diese Option entfällt, ist es wohl an der Zeit, über das Verhalten beim Bekleidungskonsum nachzudenken.

Wahrscheinlich gar nicht weiter nachgedacht hat der Vollpfosten, der die Glas-Infotafel am Memorial Fort Zinna so schwer beschädigte, dass sie nun ausgewechselt werden musste. Mein Kollege Christian Wendt war bei der 25 000-Euro-Aktion dabei, seine Bilder sind heute in der TZ zu finden.

Um D-Mark ging es im Jahr 1990. Peter Bausch, Journalist aus Sindelfingen, berichtet heute auf der TZ-Historien-Seite über seine Beobachtungen in Torgau am Tag der Währungsunion. Seinen Text lesen Sie gleich hier:

Torgau. Als die ersten D-Mark-Münzen nach Ostdeutschland kommen, sieht es beinahe so aus wie im wilden Westen. So schreibt es Margitta Gasch, die Redakteurin des Neuen Torgauer Kreisblatts, in der Ausgabe vom 8. Juni 1990, als Polizisten mit Maschinengewehren die Anlieferung des neuen Geldes in der Sindelfinger Partnerstadt überwachen. Am 3. Juli 1990 ist die Ost-Mark nur noch Geschichte.
 

Restlos verjubelt
Das Ende für die Alu-Chips im Osten kommt am ersten Juli-Wochenende nach der Wende. In den Gaststätten und Diskos von Torgau geht es zuvor rund. Bis zur letzten Minute wird noch mit den geschmähten Alu-Chips bezahlt.

Egal, ob Jugendlicher oder Erwachsener, das Ost-Geld wird verjubelt. Restlos. Was nicht in Alkohol umgesetzt ist, landet im Kreiskulturhaus auf dem Boden. Scheine und Münzen, für die die Menschen in der DDR 40 Jahre lang gearbeitet haben, werden weggeworfen. Aus, Schluss und vorbei.

„Das ist eine Sache für die Geschichte. Da möchte ich dabei sein.” Das sagt Beate Garmatz, die damals 33-jährige Angestellte der Kreissparkasse Böblingen, die mit ihrem Chef Rudy Früh am Sonntagmorgen in Torgau mit hilft, die Währungsumstellung zu bewältigen. „Ohne das Engagement der Partnerstadt hätten wir es nicht geschafft”, sagt Renate Westendorf, damals Direktorin der Kreissparkasse Torgau, im Juli 1990.

In der DDR ist alles im Fluss
Beate Garmatz ist eine von insgesamt 46 Angestellten der Kreissparkasse Böblingen, die seit Ende Mai in Torgau im Einsatz sind. In der DDR ist alles im Fluss. Erst am Freitag vor der Währungsumstellung wird das Sparkassengesetz beschlossen.

„Wir müssen erst die Zinssätze und Gebühren festlegen, die künftig gelten. Es ist irre, was die Leute hier leisten wollen”, sagt Rudy Früh, der Direktor der Kreissparkasse Sindelfingen: „Es ist, wie wenn man eine komplett neue Bank aufbaut.”
Am letzten Ost-Mark-Wochenende erlebt die DDR eine Ausnahmesituation. Hamsterkäufe haben die Regale leer gefegt, Sprudel und Bier gibt es nicht mehr zu kaufen, um das Brot wird gerangelt, aber die Geschäfte lassen ihre Lager voll für die D-Mark-Zukunft.

„Wir wissen ja nicht, was für Preise wir verlangen sollen”, heißt es immer wieder. Die DDR wartet weiter auf Anweisungen von oben. Als die nagelneue Konsum-Liste im Schreibwarengeschäft landet, trifft Uwe Kramer erst einmal der Schlag. „Die verlangen ja mehr D-Mark als vorher Ost-Mark für Briefpapier. Zu diesem Preis kriegen wir das nie unter die Leute. Ich mache meine eigene Kalkulation”, sagt der Einzelhändler.

Das Neue Torgauer Kreisblatt bleibt sich treu: Die Ausgabe vom 3. Juli 1990 kostet 1,20 DM, vorher hat die Zeitung 1,20 Ost-Mark gekostet.

Zunächst vorsichtig
Die Torgauer sind erst einmal vorsichtig. Das Limit liegt zunächst bei 2000 West-Mark, im Schnitt werden aber nur rund 900 Mark von den Konten abgehoben. Vielen ist es zu dumm, gleich am ersten Tag ans taufrische Guthaben zu gehen. Und die tausend Kanäle, über die schon immer D-Mark in den Osten flossen, sind nicht           von einem auf den anderen Tag versiegt …

Peter Bausch: Der Journalist hat mit seinen Kollegen der Sindelfinger Zeitung und des Röhm-Verlags mitgeholfen, die Torgauer Zeitung aufzubauen, die am 25. April 1990 zum ersten Mal als Neues Torgauer Kreisblatt erscheint und war bis zur Wiedervereinigung im Oktober 1990 Stammgast in der Sindelfinger Partnerstadt an der Elbe.

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