Montag, 13. Juli 2020
Freitag, 19. Juni 2020

TORGAU

Trägerwechsel für Grundschule im Gespräch

Die Grundschule Weßnig.Foto: TZ/Keil

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Der beständige Kampf um die Zukunftssicherung für die Grundschule Weßnig könnte eine interessante neue Wendung nehmen. Seit geraumer Zeit wird über den Wechsel der Schulträgerschaft von der Stadt zu einem freien Träger nachgedacht.

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Vor wenigen Wochen stand die Grundschule Weßnig sachsenweit im Rampenlicht. Die Torgauer Stadtverwaltung hatte sich bei einem Wettbewerb des Landwirtschaftsministeriums mit einem Projekt für die Schule beworben und prompt 250 000 Euro gewonnen. Doch an der Schule wird in diesen Tagen nicht nur darüber diskutiert, was aus dem Geld wird. Seit dem Frühjahr steht auch ein möglicher Trägerwechsel im Raum.

Seitdem die Gemeinde Pflückuff 2009 in der damals noch nicht Großen Kreisstadt aufgegangen ist, fungiert Torgau als Schulträger für die Weßniger Bildungseinrichtung. In der Eingemeindungsvereinbarung verpflichtete sich Torgau damals, Schule und Hort definitiv bis 2014 abzusichern und darüber hinaus so lange, wie auch die Bildungsagentur ihre Mitwirkung aufrecht erhält.

Seither sind rund zwei Millionen Euro nach Weßnig geflossen. Auch Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth (CDU), seit 2015 im Amt, hat sich öffentlich immer für den Erhalt des Standorts stark gemacht und tut dies auch weiterhin, wie sie gegenüber der TZ betont.  

Impuls aus Belgern

Anfang des Jahres, so berichtet Romina Barth in einem Treffen mit der TZ, hätten die damalige Bürgermeisterin Belgern-Schildaus, Eike Petzold, und Stefan Branig, Geschäftsführer der evangelischen Schulgemeinschaft Niederlausitz, Kontakt zu ihr aufgenommen. Die Schulgemeinschaft hatte gerade die Oberschule in Belgern wiederbelebt und suchte offenbar eine Einstiegsmöglichkeit im Grundschulbereich.

Dass die Schule Weßnig trotz aller Sympathien ein Sorgenkind der Stadt Torgau ist, ist kein Geheimnis: wackelige Schülerzahlen und ein immenser Investitionsbedarf fordern seit Jahren enormes finanzielles, politisches und verwaltungstechnisches Geschick, um den Standort zu bewahren. „Freie Träger sind nicht an Mindestschülerzahlen gebunden und können darüber hinaus ein größeres Einzugsgebiet aktivieren“, so die OBM. Auch bei der Realisierung von Investitionen seien die Zwänge kleiner.

Im März, noch vor den Corona-Einschränkungen, erhielten die Weßniger Elternräte, die Schulleitung samt Sekretärin und die Hortleitung, dann eine Einladung der Rathauschefin. Worum es gehen sollte, erfuhren sie dann am Tag des Treffens, an dem auch die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats teilnahmen. Neben einer Zusammenfassung des Renovierungsnotstands wurde den Eltern ein möglicher Wechsel des Schulträgers offeriert.

Druck sei dabei nicht ausgeübt worden, hieß es später von beiden Seiten – die Entscheidung liege bei den Eltern, lautete die Botschaft. Und zumindest die aktuelle Elternschaft hat sich in einer kurz darauf angeschobenen schriftlichen Abstimmung sehr deutlich positioniert: 100 Prozent sprachen sich gegen einen Trägerwechsel aus.

Fair durchdenken
Warum? – Das fragte die TZ im Nachhinein bei Elternsprecherin Christiane Winkler nach. Die Eltern würden einfach keine Notwendigkeit sehen, erklärt sie. Die Schule funktioniere in staatlicher Trägerschaft gut, die Eltern seien zufrieden. Dazu komme die Aussicht auf Schulgeld, wenn der private Träger übernehme.

Schulgeld, die Rolle der Konfession in einer evangelischen Schule und die Frage des Übergangs von staatlicher zu privater Trägerschaft seien die zentralen Diskussionspunkte im ersten Austausch gewesen, erinnert sich auch Peter Nowack, der als FDP-Stadtrat und Bildungsexperte den Prozess begleitet und am Treffen teilgenommen hat.

Wie die anderen einbezogenen Stadträte auch, warb er dafür, die Variante Trägerwechsel fair zu durchdenken. Gleichzeitig kündigt er an, bei einer möglicherweise anstehenden Ratseintscheidung nicht gegen die Mehrheit der Eltern zu stimmen.

Noch ist das Thema allerdings nicht vom Tisch. Am 25. Juni wird es ein weiteres Treffen geben. Diesmal aufgrund der Platz- und Abstandsgründe im Festsaal des Rathauses. Mit dabei: Stefan Branig. Er wird sowohl das Konzept der Schule, als auch die Möglichkeiten erläutern, die die freie von der staatlichen Schulform unterscheiden.

Einbezogen werden zudem die Eltern der Kinder, die in den kommenden Jahren vor der Einschulung stehen – deshalb nehmen auch Elternsprecher der Kitas im potenziellen Einzugsbereich der Schule an dem Treffen teil. Schließlich geht es vor allem um sie. Denn für die aktuellen Schüler soll sich gar nichts ändern. Derzeit wird über einen fließenden Übergang nachgedacht, der beide Schulformen nebeneinander zulässt, bis die letzten „staatlichen Schüler“ Weßnig gen Klassenstufe 5 verlassen.

Vorerst noch sicher
Torgaus OBM geht davon aus, dass die Schule in den nächsten drei bis vier Jahren unabhängig vom Träger sicher bestehen bleibt. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es allerdings nicht. Hier kann bestenfalls am 25. Juni Jörg Heynoldt für Klarheit sorgen. Der Leiter des Bildungsagentur-Standorts Leipzig ist ebenfalls zum Treffen eingeladen und wird dort laut Tagesordnung auch zu Wort kommen.

Denn uneins waren sich Stadt und Landkreis zuletzt mit dem Sächsischen Kultusministerium, ob für Weßnig die üblichen speziellen Kriterien gelten, die für Landschulen zu deren Sicherung angewendet werden: auf 12 verringerte Mindest-Klassenstärke bei mindestens 60 Schülern sowie jahrgangsübergreifender Unterricht.

Im Schulnetzplan verankert

Im Schulnetzplan des Landkreises Nordsachsen ist die Schule unter Berücksichtigung eben dieser Kriterien verankert. Der Genehmigungsprozess läuft seit Ende 2019. Der Planungsträger, also der Kreis, unterstütze die Erhaltung dieser Grundschule im ländlichen Raum, weil andernfalls für die randwärtig gelegenen Ortsteile der ehemaligen Gemeinde Pfückuff nicht mehr zumutbare Entfernungen für die Grundschüler entstehen würden – so ist es im aktuellen, bis 2024 gültigen Schulnetzplan festgehalten. Das Ganze ist jedoch ein verwaltungstechnischer Balance-Akt, denn streng genommen ist Weßnig ein Teil der Stadt Torgau und die Grundschule damit keine Landschule.

Stimmen aus dem Stadtrat:

Axel Klobe (FWG) verweist auf funktionierende freie Trägerschaften im Kita-Bereich und darauf, dass die evangelische Schulgemeinschaft in Belgern bereits Tatsachen schaffen konnte. „Wir sollten das ernsthaft diskutieren und prüfen, ob der Träger die Aufgabe Weßnig leisten kann.“ Gleichzeitig gab er zu bedenken, was es bedeute, wenn die evangelische Schulgemeinschaft einen anderen Standort in der Gegend finde. Dann könnte es wegen erwartbarer Schülerrückgänge generell eng für Weßnig werden.
Für Peter Nowack (FDP) ist noch unklar, ob der freie Träger in der Lage ist, die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen in Weßnig zu stemmen. Hier müssten verbindliche Regelungen gefunden werden.
Karl-Friedrich Potzelt (LINKE) will auf gar keinen Fall, dass über die Köpfe der Eltern hinweg entschieden wird. Es müsse auch klar sein, dass ein freier Träger nicht jeden Schüler nehmen muss. In den nächsten vier bis fünf Jahren gebe es genügend Schüler für den Standort.
Henry Goldammer (CDU) erinnert daran, wie intensiv Torgau für die Belange der Grundschule Weßnig kämpfte und kämpft. Um den Bestand der Schule langfristig zu sichern, müsse man deshalb die Augen für alle Möglichkeiten offen halten, dabei aber nicht versäumen, alle Beteiligten mitzunehmen.
Für Dieter Glimpel (AfD) ist es Konsens, dass sich der Kampf um jeden Schulstandort lohnt. Er warne jedoch vor einem Schnellschuss, sagte der Stadtrat. 

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