Donnerstag, 24. September 2020
Mittwoch, 24. Juni 2020

OSTELBIEN

Rehkitz-Rettung per Drohne

Die Elbelandschaft an jenem zeitigen Morgen – und die Drohne. Foto: Privat

von unserem Redakteur Nico Wendt

Döhlen. Vor allem im Mai und Juni ist die Gefahr groß, dass junge Rehkitze  beim Abernten der Wiesen den Mähtot sterben. In Döhlen, Gemeinde Beilrode, gab es nun eine aufwendige Aktion, um Leben zu retten. 

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Döhlen. Montagmorgen auf einer Elbwiese bei Döhlen. Es ist kurz nach 4 Uhr. Leichte Nebelbänke steigen auf, ein wunderbarer Sonnenaufgang deutet sich an, es ist bereits ausreichend hell. Zwei Männer stehen auf einem Elbdamm und schauen gespannt auf die weite Graslandschaft, die sich vor ihren Augen erstreckt. Es sind David Oberhoff, Jagdbeauftragter für den Jagdbezirk Döhlen und Frank Queißner, Drohnen-Spezialist aus Heidenau bei Pirna. Die beiden haben sich an jenem morgen besonders zeitig aus den Betten geschält, um etwas Gutes zu tun. 

Herzensangelegenheit 

Für Queißner sind Rehkitzrettungen eine Herzensangelegenheit, die er mittlerweile seit Jahren ehrenamtlich neben seinem Job als Berufsfeuerwehrmann ausübt. Dafür tauscht der 57-Jährige schon mal Nachtschichten, dafür nimmt er auch zwei Stunden Anfahrtsweg in Kauf. David Oberhoff ist über die Internetseite kitzrettung-hilfe.de auf den engagierten Naturfreund aufmerksam geworden, der nicht nur die Betriebserlaubnis zum Einsatz solcher Flugmodelle besitzt, sondern auch ein beeindruckendes Sammelsurium an Technik. 

Frank Queißner hat an jenem Morgen gleich zwei Drohnen mitgebracht. Mit der kleineren schickt er sich gerade an, die angrenzenden Bäume an der circa 30 Hektar großen Wiese auszumessen. Anschließend wird die Gesamtfläche einmal umflogen. Mit den Daten lässt sich ein Rastersystem erstellen. Die große Drohne, mit Wärmekamera ausgestattet, soll gleich die eigentliche Aufgabe übernehmen: kleine Rehkitze sichtbar machen, die sonst den schönen Sommertag wohl nicht überlebt hätten. 

In Startlöchern 

Landwirt Jürgen Schubart vom Rinderzuchtbetrieb Wiegand & Schubart steht mit dem Mähgerät quasi schon in den Startlöchern. Er braucht das Futter für seine Tiere. In diesem Fall zogen alle Beteiligten an einem Strang. „Ich hatte eine Reportage zu dieser Problematik im Fernsehen gesehen. Tatsache ist leider, dass viele Kitze jedes Jahr totgemäht werden, weil sie noch keinen Fluchtinstinkt besitzen“,erklärt David Oberhoff. Da sei auch der Einsatz eines gut ausgebildeten Jagdhundes an der Leine nicht immer hilfreich, weil die Jungtiere zum Schutz beispielsweise vor Füchsen noch keinen Eigengeruch haben. Selbst das viel praktizierte Aufhängen von Plastiktüten am Wiesenrand schrecke Tiere wie Junghasen und Fasane nicht unbedingt ab. 

Oberhoff hat die 30 Hektar große Wiese in den Tagen zuvor  schon mal mit einer Wärmebildkamera abgeleuchtet, um einen ungefähren Eindruck vom Wildaufkommen zu erhalten. Trotzdem wissen beide Männer nicht, was sie nun erwartet. Die Spannung ist groß. Starker Kaffee soll die Müdigkeit vertreiben. Darüber hinaus versuchen die zwei auch, die herrliche Morgenstimmung ein wenig zu genießen. „Wir müssen so zeitig beginnen, weil wir für das Sichtbarmachen der Kitze mittels Wärmebildkamera starke Temperaturunter-
schiede benötigen. Die hat man vor allem frühmorgens“, lächelt David Oberhoff. 

Wohltuende Stille 

Die ersten Runden hat die Hightech-Drohne (Kosten rund 8000 Euro) inzwischen absolviert. Nichts ist passiert. Nur ein leichtes Surren unterbricht die wohltuende Stille. Ein Fuchs am Wegesrand und auch eine Herde Rinder auf der benachbarten Wiese lassen sich davon nicht stören. 

Plötzlich – etwa 20 Minuten sind verstrichen – gibt es „Alarm“. Frank Queißner greift zum Funkgerät. David Oberhoff muss in das hüfthohe noch nasse Gras, wird zur betreffenden Stelle dirigiert. Tatsächlich ein Kitz! Zum Glück ist es schon etwas größer. Es versucht sich selbständig aus der Deckung zu bewegen, während die Ricke am Feldrand steht und dem Nachwuchs zuruft. Die Aktion zieht sich eine Weile hin. Die Drohne muss das Kitz ein zweites Mal aufspüren, bis es zur Mutter eilen kann. Als beide Tiere endlich gemeinsam in einem Rapsfeld verschwunden sind, ereilt die Männer ein Glücksgefühl. Schon allein dafür hat sich der Drohnenflug heute gelohnt. Bis gegen 7 Uhr arbeitet sich das Duo Schritt für Schritt vor. Aller 20 Minuten muss der Akku der Drohne getauscht werden. Dann ist Feierabend. Die Wiese ist „sauber“ und es herrscht Gewissheit, dass kein Tier den Mähtod sterben muss. 

 Frank Queißner und David Oberhoff sind sichtlich zufrieden. „Es war gut, dass das Kitz alleine flüchten konnte. Man darf die Tiere nie mit bloßen Händen anfassen, höchstens mit Handschuhen und mit viel Gras, damit die Mutter es wieder annimmt. Zur Not hätten wir einen präparierten Umzugskarton übergestülpt und der Landwirt hätte ringsrum gemäht.“ 

Queißner – das merkt man – ist Fachmann im Umgang mit der Drohne. Er besitzt eine Ausnahmegenehmigung des Freistaates, auch in sensiblen Gebieten wie an der Elbe fliegen zu dürfen. 

Teure Anschaffung 

„Meine Frau hat dem Kauf der teuren Technik nur zugestimmt, weil sie wusste, dass es um die Rettung niedlicher Kitze geht“, verrät er lachend. So musste auch diesmal umgehend ein „Beweisfoto“ nach Heidenau geschickt werden. 

Lediglich für eine Aufwandsentschädigung leistet Queißner somit einen großen Beitrag für den Wildtierschutz. David Oberhoff wiederum lobt auch das gute Zusammenspiel mit dem Landwirtschaftsbetrieb. „Heute hat wirklich alles super geklappt“, zieht er Bilanz. Der Jagdbeauftragte hat sich vorgenommen, solche Aktionen zu wiederholen. Zwei bis drei Mal pro Saison werden die Wiesen  gemäht.  Vor allem im Mai und Juni, wenn die Rehkitze klein sind, sei die Gefahr am größten. Dann könnte ein Drohnenflug zahlreiches Leben retten.


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 
Spezielle Anforderungen der Funkanlagen-Richtlinie
05.10.2020, 14:00 Uhr - 15:30 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
07.10.2020, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
9. Ostdeutsches Energieforum
13.10.2020, 11:00 Uhr - 14.10.2020, 15:30 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
04.11.2020, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Treffpunkt für Unternehmen: Online-Bewertungen
04.11.2020, 09:00 Uhr - 10:30 Uhr
Informationsveranstaltung: Export für Einsteiger
09.11.2020, 09:00 Uhr - 17:00 Uhr
Gründerabend
11.11.2020, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Die neuen GoBD in der Praxis
23.11.2020, 15:00 Uhr - 17:00 Uhr
Steuerliche Informationen für Existenzgründer
24.11.2020, 15:00 Uhr - 18:00 Uhr
So unterstützt der Staat bei der Fachkräftesicherung
25.11.2020, 16:30 Uhr - 18:00 Uhr
ÖPNV-Sprechtag: Mobilitätsberatung für Unternehmen
01.12.2020, 14:00 Uhr - 17:00 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
02.12.2020, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Der GmbH-Geschäftsführer
03.12.2020, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr
Gründerabend
09.12.2020, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Der GmbH-Geschäftsführer
10.12.2020, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

TZ-Probelesen

Torgau-Plus

Wanderführer

Feste und Gäste

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga