Montag, 3. August 2020
Sonntag, 28. Juni 2020

TORGAU

Bekommt Torgau ein neues 60-Zimmer-Hotel?

Das Hotel soll zwischen Aquavita und Vitaris entstehen.Foto: Quelle: googlemaps

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Am 8. Juli wird der Torgauer Stadtrat sehr wahrscheinlich den Startschuss für die Ansiedlung eines Inklusionshotels in der Großen Kreisstadt geben. Die Vorstellung der Idee durch Projektentwickler Michael Kirchner hat in einer Ausschusssitzung am Mittwoch durchgehend ein positives Echo der Stadträte erzeugt.

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Am 8. Juli wird der Torgauer Stadtrat sehr wahrscheinlich den Startschuss für die Ansiedlung eines Inklusionshotels in der Großen Kreisstadt geben. Die Vorstellung der Idee durch Projektentwickler Michael Kirchner hat in einer Ausschusssitzung am Mittwoch durchgehend ein positives Echo der Stadträte erzeugt. Oberbürgermeisterin Romina Barth kündigte daher an, in der nächsten Stadtratssitzung einen Grundsatzbeschluss zu diesem Thema vorzulegen.

Gelände reserviert
Entstehen soll das Hotel auf dem Gelände zwischen Aquavita und  Vitaris-Pflegeheim am Nordring. Das Gelände gehört den Torgauer Stadtwerken. Deren Aufsichtsrat hat sich bereits mit dem Projekt beschäftigt und das Gelände bis zum 31. Dezember dieses Jahres für diesen Zweck zum Verkauf reserviert.
Alle Hotels, die sein Unternehmen plane, seien individuell auf ihre Standorte angepasst, erklärte Michael Kirchner den Torgauer Räten. Entsprechend würde sich auch das Torgauer Haus in die Umgebung einfügen.

Vorgesehen sind zunächst 60 Zimmer, alle einzeln oder doppelt belegbar. Den Preis pro Übernachtung taxierte die OBM auf 60 bis 80 Euro. Entstehen sollen auch Seminarräume, allerdings kein Saal. Hier hat die Stadt bekanntlich andere Pläne. Kirchner zeigte sich hinsichtlich der Größe jedoch bedingt gesprächsbereit. Man werde auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen, ließ er verlauten.

Zielgruppe für das Hotel seien von Montag bis Donnerstag Geschäftsreisende, Teilnehmer an Seminaren und Tagungen. Donnerstag bis Sonntag schwebe ihnen eine touristische Nutzung vor, erklärten Kirchner und Barth unisono. Beide gehen davon aus, dass Torgau kein Ziel für einen ein- oder zweiwöchigen Urlaub sei, sich das lange Wochenende aber auf jeden Fall anbiete.

Hoher Komfort

„Wir vergleichen uns mit einem 3-Sterne-plus-Hotel“, sagt Kirchner, der die Sterne-Systematik der DEHOGA nicht mehr für zeitgemäß hält. So gebe es eine Reihe von Komponenten, insbesondere bei der Ausstattung der Zimmer, die einem deutlich höheren Standard entsprächen.

So schwärmte er von superweichen Luxus-Badehandtüchern, einer großen Regendusche, Tageslicht im Bad und einem 1,80 Meter breiten Bett mit höchstem Komfort sowie einer hochwertigen Dämmung der Zimmer – alles Komponenten, um gerade Geschäftsreisenden einen optimalen Aufenthalt zu bescheren. Natürlich sind die Zimmer barrierefrei; vorgesehen sind zudem einige Zimmer mit spezieller Eignung für Rollstuhlfahrer.

Top-Niveau verspricht der Projektentwickler auch für das Frühstück. Nicht geplant ist eine Fitness- oder Wellnessbereich, auch eine Tiefgarage wird es nicht geben. Parkmöglichkeiten gibt das Areal her und über mögliche Kooperationen mit dem benachbarten Aquavita wird ebenfalls nachgedacht. Der direkte Zugang vom Hotel zum Bad sei jedoch schlicht zu teuer, räumte Michael Kirchner ein.

Gastro noch offen

Komplett offen ist indes, wie die Gastronomie des neuen Hotels angelegt wird. „Klar ist“, unterstrich Kirchner auf entsprechende Nachfrage des Torgauer Stadtrats Dr. Frank Henjes (SPD), „wenn Gäste unser Hotel besuchen, müssen sie bei uns oder zumindest in der unmittelbaren Nähe ein gutes Essen zu sich nehmen können“. Er unterstrich jedoch, dass man hierbei gerne eine Partnerschaft mit örtlichen Gastronomen eingehen würde.

„Unser Fokus liegt auf Zimmern und Übernachtungen, nicht auf Essen und Getränken“, betonte Kirchner, dass er kein Gegeneinander anstrebe.
Geplant ist jedoch ein cooler Lounge-Bereich mit schnellem Internet und Co-Working-Atmosphäre. Kirchner schwebt vor, dass sich hier die lokale Wirtschaft trifft.
 

Integration über Arbeit

Das Thema Inklusion kommt beim Betrieb des Hotels zum Tragen. 40 Prozent der Mitarbeiter werden einen Behinderungsgrad von 50 Prozent und mehr aufweisen. In Summe seien das zehn Vollzeitstellen, die sich jedoch auf mehr Mitarbeiter verteilten, da die Handicaps oftmals keine Vollzeitbeschäftigung zuließen. Er rechne also mit 20 bis 25 Mitarbeitern aus diesem Bereich, so Kirchner, „die eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen.“

Gewonnen werden sollen die Mitarbeiter durch die Kooperation mit einem Sozialträger vor Ort. Die Lebenshilfe Torgau oder das Christliche Sozialwerk in Sitzenroda kommen beispielsweise infrage. Welche Optionen es tatsächlich gibt und wer am Ende in die Kooperation einsteigt, wird sich im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens ergeben. Das startet, wenn die Pläne konkret werden.

Die Zusammenarbeit könnte dann so aussehen, dass der Träger die künftigen Mitarbeiter zunächst auf die anstehenden Aufgaben vorbereitet. Dann wechseln sie ins Hotel. Im Idealfall seien die gehandicapten Mitarbeiter nach einigen Jahren im Hotelbetrieb so weit, dass sie im 1. Arbeitsmarkt bestehen können, erklärte Michael Kirchner der Stadträten, wie sein Hotel sogar Arbeitskräfte für die hiesige Gastronomie liefern könnte.

Ehrgeiziger Zeitplan

Der Zeitplan ist ehrgeizig, das räumten Entwickler und OBM ein. Nach dem (sehr wahrscheinlichen) Grundsatzbeschluss am 8. Juli muss deshalb an mehreren Fronten kräftig Gas gegeben werden. Zunächst muss über eine Machbarkeitsstudie nachgewiesen werden, dass Torgau als sinnvoller Standort für ein Inklusionshotel in Betracht kommt. Schließlich fließen für das Projekt Fördermittel aus der Aktion Mensch.

Geht hier alles klar –  sechs bis acht Wochen sind für die Studie angesetzt – starten Planungsmaschinerie und Investorensuche sowie das Interessenbekundungsverfahren für die Suche nach einem passenden Sozialträger. „Wenn wir das Hotel bis zur LAGA haben wollen, muss das alles bis Ende Dezember geschafft sein“, so der Entwickler.

Der Bedarf für dieses Hotel sei freilich nicht nur auf den LAGA-Zeitraum begrenzt, sagt Kirchner. Insofern sei die Aussicht, dieses Geschäft mitzunehmen, natürlich verlockend, das Verpassen dieses Termins aber kein K.O.-Kriterium für den Projekterfolg insgesamt. Positiv stimme ihn jedoch das Engagement der Torgauer Rathaus-Chefin: „Ich habe selten eine Bürgermeisterin erlebt, die uns antreibt. Sonst ist es eher andersrum.“

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