Montag, 28. September 2020
Montag, 29. Juni 2020

DOMMITZSCH

"Auf einmal hatte ich keine Blasen mehr"

Susanne und Rudolf Simon.

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Den Elberadweg zwischen Bad Schandau und Magdeburg über 300 Kilometer mit dem Fahrrad zu absolvieren, ist sicher keine große Kunst. Ihn aber zu Fuß zu bewältigen, schon eine echte Herausforderung. 

 

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Vollbepackte Radfahrer fallen in den Sommermonaten in der Kleinstadt Dommitzsch nicht mehr auf. Jeder weiß: der Elberadweg führt fast direkt am Marktplatz vorbei. Doch zwei komplett ausstaffierte Wanderer mit Rucksäcken, Hut und Gehstöcken sind schon mal etwas Besonderes. Zu Fuß schickt sich hierzulande selten jemand an, die Elbelandschaft zu erkunden. Warum eigentlich? – wirken Susanne und Rudolf Simon fast verwundert darüber. 

In ihrer Heimat in Salzburg sei Wandern total in. Man sehe täglich Urlauber mit entsprechendem Outfit. Doch hier? Fehlanzeige! Vielleicht weil die umliegenden Wald- und Heidegebiete für solche Unternehmungen attraktiver sind. Susanne und Rudolf Simon möchten den ganzen Elberadweg zwischen Bad Schandau und Magdeburg erlaufen. Das sind stattliche 325 Kilometer zu Fuß. Aus Termingründen vereinbart der TZ-Redakteur ein Telefongespräch, das zwei Tage später stattfindet. Da ist das Ehepaar schon kurz vor Dessau. „Wir haben tatsächlich  nur eine einzige Wanderfrau bislang auf der ganzen Strecke gesehen“, kommt Rudolf Simon nochmal auf das Thema zurück. Aber – da ist er felsenfest überzeugt – das werde sich auch in der Torgauer Region in den kommenden Jahren ändern. „Wandern“ sei auf dem Vormarsch, liefert er ein passendes Bild. Er selbst habe diese Leidenschaft vor 18 Jahren für sich entdeckt. „Ich las einen Zeitungsartikel darüber, war knapp über 55 und fühlte mich sehr fit. So beschloss ich, von Salzburg bis Rügen zu gehen“, denkt der Rentner schmunzelnd an die Premiere zurück. Er brauchte damals für die 980 Kilometer ungefähr 30 Tage. Und war begeistert. So begeistert, dass er von nun an jährlich zwei große Touren plante. 

Rudolf Simon steckte auch seine Frau mit diesem „Virus“ an. Größtenteils ist sie seitdem an seiner Seite, wenn die Schuhe geschnürt werden. „Sehen Sie, das Schöne am Wandern ist das Denken. Man kann sich in Tagträumen verlieren. Das hat schon etwas meditatives. Sie müssen anders als beim Radfahren nicht ständig konzentriert sein“, rührt der Salzburger die Werbetrommel für seine Leidenschaft. Und: Je älter man werde, desto größer sei die Angst vor großen Steigungen. Das war auch ein Grund, warum das Ehepaar diesmal den Elberadweg als Herausforderung gesucht und gefunden hat. „Die Strecke ist gut ausgeschildert und es gibt keine Berge. Außerdem sind wir besonders gerne in den neuen Bundesländern unterwegs. Die Menschen hier sind einfach freundlicher, aufgeschlossener, hilfsbereiter. Wir sind jedes Mal aufs Neue begeistert“, schwärmt Rudolf Simon. Die Elbelandschaft sei noch dazu herrlich. 

Der 75-Jährige hat inzwischen viele Erfahrungen beim Wandern gesammelt. Eine ist: Kaufe nie Schuhe in der gewohnten Größe! „Ich habe anfangs viel Lehrgeld bezahlt und  mir unzählige Blasen gelaufen“, lacht er. Normalerweise habe er die 43. Doch beim stundenlangen Wandern schwellen die Füße an. „Nehmen Sie zwei Nummern größer“, rät er. Seitdem klappt es. Und sparen Sie beim Gepäck. 6,5 Kilogramm auf dem Rücken seien völlig ausreichend. „Das meiste Gewicht fällt für Körperpflegeprodukte an, Seife, Shampoo etc. Füllen Sie alles in kleine Tuben und Dosen ab“, gibt mir Rudolf Simon zu verstehen –  als ob ich selber gerade in Reisevorbereitungen stecken würde. In den Pensionen und Herbergen seien in den Zimmer meist kleinere Mengen zu finden, die man mitnehmen könne. „Kleidung und Wechselsachen wiegen das geringste“, beteuert der Rentner, der in jüngeren Jahren sein Geld als Handelsmann verdient hat. Als passionierter Langschläfer breche er meist nicht vor 10 Uhr auf. „Was nützt es, wenn ich schon 14 Uhr irgendwo eintreffe und dann die Zeit vertrödele“, schmunzelt Simon. Der Tag werde in der Regel mit drei Laufphasen ausgefüllt. Die erste Etappe umfasst drei Stunden, in der 15 Kilometer zurückgelegt werden. Die zweite Etappe dauert zwei Stunden mit zehn Kilometern. Die dritte eine Stunde mit fünf Kilometern. Am Zielort, das räumt der Salzburger allerdings gerne ein, fehle dann meist die Lust, noch irgendwelche Sehenswürdigkeiten zu erlaufen.

 Für den Elberadweg hatte sich das Ehepaar die Stationen Pirna, Dresden, Meißen, Riesa, Torgau, Elster, Coswig und Dessau herausgesucht, um zu übernachten. „Früher sind wir 40 Kilometer am Tag gelaufen, nun sind es altersbedingt schon weniger“, lacht Simon, der seine Touren akribisch festgehalten hat. Rund 12 000 Kilometer sei er in den vergangenen 15 Jahren bereits gewandert. Vorigen Sommer zum Beispiel stand die Weser auf dem „Laufzettel“. Dort seien auch mehr Wanderer zu sehen gewesen. Aber der Elberadweg habe schon etwas Reizvolles, Einzigartiges. Das Ehepaar aus Österreich ist glücklich, sich diesmal wieder für den Osten Deutschlands entschieden zu haben.


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