Mittwoch, 21. Oktober 2020
Dienstag, 7. Juli 2020

OSTELBIEN

"Das Wäldchen muss bleiben"

Nur als Entwurf und als Diskussionsgrundlage präsentiert: der neue Wohnstandort „An der Siedlung“ mit 28 Grundstücken. Die Fläche befindet sich zwischen Bergstraße (linker Bildrand) und Straße der Jugend. Ganz oben die Straße „Zur Falkenstruth“Foto: Quelle: Planungsbüro Richter&Weiss

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beilrode. Am vergangenen Freitag hatte Bürgermeister René Vetter kurzfristig zur Einwohnerversammlung geladen, um über den neuen geplanten Eigenheimstandort „An der Siedlung“ in Beilrode zu informieren.

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Beilrode. Man merkte schon, dass die Stimmung recht aufgeladen war. 

Am vergangenen Freitag hatte Bürgermeister René Vetter kurzfristig zur Einwohnerversammlung geladen, um über den neuen geplanten Eigenheimstandort „An der Siedlung“ in Beilrode zu informieren. Und um – wie er sagte – Gerüchte auszuräumen, die seit Kurzem die Runde machen. 

„Grüne Oase“

Knackpunkt ist ein kleines Wäldchen, vielleicht 3500 Quadratmeter groß, das sich an der südlichen Seite des Areals befindet. René Vetter dementierte im Verlauf der Sitzung mehrfach, dass das Abholzen jener „grünen Oase“ schon beschlossene Sache sei. Und auch Frank Richter vom zuständigen Planungsbüro Richter & Weiss stellte fest: „Wir wollen keinen einzigen Baum wegmachen. Wir möchten mit Ihnen gemeinsam eine Lösung finden.“ Jörg Schachtschneider war nur einer der Anwohner, der hingegen stark kritisierte, dass die Gemeinderäte schon in Bezug auf das Naturparadies den Daumen gesenkt hätten und verwies unter anderem auf ein Protokoll des Technischen Ausschusses. 

Letztendlich zeigten sich die meisten der gut 65 Anwesenden nach eineinhalb Stunden zufrieden mit dem Ausgang der Versammlung und den gemachten Aussagen. Vor allem wurde deutlich, dass sich das Planverfahren noch in einem sehr frühen Stadium befindet. Es folgen noch mehrere öffentliche Auslegungen und es ist noch vieles in alle Richtungen offen. „Genug Zeit, um die verschiedenen Interessenlagen von Investor und Planungsbüro, von Anwohnern sowie von Gemeinde und Landratsamt auf einen Nenner zu bringen“, stellte es der Bürgermeister dar. 

Er machte allerdings auch unmissverständlich klar, dass Bevölkerungszuwachs und eine positive Einwohnerentwicklung sehr wichtig für die Kommune sind. Beilrode soll Grundzentrum werden, so wie es derzeit im Entwurf des Regionalplanes vorgesehen sei. Das werde auch an der Zahl der Einwohner festgemacht. Derzeit leben in der Gemeinde 4154 Menschen. Die Zahl könnte bis zum Jahr 2030 auf 4000 bis 3800 sinken. 

Chancen auf Fördermittel

„Wir möchten keine Diskussionen mehr wie aktuell in Weßnig, wo es um die Schließung der Grundschule geht“, betonte Vetter. Je mehr Einwohner, je mehr Kinder – desto finanzkräftiger sei die Gemeinde. Ein starkes Grundzentrum Beilrode bedeutet mehr Chancen auf Fördermittel. In einer funktionierenden Infrastruktur mit modernen Kitas, Schulen, öffentlicher Anbindung, Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten sei ein neuer Eigenheimstandort ein weiteres Puzzleteil, so der Gemeindechef. Robert Schübel, Sachgebiet Planungsrecht beim Landratsamt Nordsachsen, informierte, dass die Forstbehörde den erwähnten Baumbestand jetzt nach eingehender Besichtigung als „Wald“ eingestuft habe. Das heißt aber auch, dass nunmehr ein 30-Meter-Abstand bei jeglicher Bebauung einzuhalten sei, was auch für die Anwohner der Bergstraße gilt. 

Derzeit befinde man sich in der Phase der öffentlichen Auslegung des Entwurfes des Bebauungsplanes. Die Gemeinde habe bewusst für eine frühzeitige Behörden- und Bürgerbeteiligung plädiert. Zum späteren Zeitpunkt folge dann noch mindestens eine weitere Beteiligung der Öffentlichkeit, in der Hinweise und Anregungen eingereicht werden können. Naturfreunde wie Nils Schulz – selbst Anwohner – und Gottfried Kohlhase nutzten den Freitag, um auf den ökologischen Wert des Baumbestandes hinzuweisen.

„Hier ist über Jahrzehnte ein Stück Natur gewachsen, quasi ein Stück Urwald, ohne dass der Mensch eingegriffen hat. Hier stehen Eichen mit bis zu 1,60 Meter Stammumfang, viele Robinien, hier sind Grünspecht, Waldkäuze und sogar Fledermäuse zu Hause“, führte Nils Schulz aus. So schnell sei für dieses Wäldchen, das auch dem Lärmschutz diene, kein Ausgleich zu finden. Auch Gottfried Kohlhase riet, das Stück Natur unbedingt zu erhalten.  Die vorhandenen Robinien seien hier besser gewachsen als Kiefern, halten dem Klimawandel besser stand. Beide Männer erhielten kräftigen Beifall.

Ein weiterer Diskussionspunkt des Abends war die Abwasserentsorgung beziehungsweise das geplante Regenrückhaltebecken. Ausgelegt derzeit für 360 Kubikmeter Wasser, bezogen auf 3000 Quadratmeter Verkehrsfläche. Die späteren Eigenheimbesitzer sollen das Regenwasser künftig auf ihren Grundstücken versickern lassen. Ein entsprechendes Bodengutachten liege vor. Auch hier gibt es Bedenken einiger Anwohner. Bei Starkregen könnten aufgrund des Gefälles Nachbargrundstücke absaufen. Der verrohrte Graben sei zudem sanierungsbedürftig. 

Gedanken machen

René Vetter riet, dass alle vorgebrachten Punkte eingereicht werden und bat zudem um einen fairen Umgang. „Sie können davon ausgehen, dass wir uns Gedanken machen. Wir vertreten nicht die Interessen eines Investors, sondern die der Bürger“, holte Gemeinderat Karl-Friedrich Dierkes zum Schlusswort aus. 

Das Wäldchen müsse bleiben, auch bei der Abstandsregelung müsse sich ein gangbarer Weg finden lassen, sagte er.


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