Donnerstag, 13. August 2020
Dienstag, 7. Juli 2020

TORGAU

Spuren von Maizauber und Freundlichkeit im Sächsischen Hauptgestüt

Oberstutenmeisterin Antje Kleinschmidt (li.) und Gestütsoberwärter Erik Eichler mit Stute Pina Colada und ihrem Siegerfohlen. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Graditz. Hell leuchtet die Sonne über den Wiesen, die Ruhe wird nur hin und wieder von Traktorengeräuschen und Pferdewiehern durchbrochen – umringt von Stuten und deren Fohlen stehen die Mitarbeiter Antje Kleinschmidt, Erik Eichler und Tom Seifert auf der Koppel nördlich des Schlosses.

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„Hier stehen unsere älteren, bereits im zeitigen Frühjahr geborenen Fohlenmit ihren Müttern“, erläutert die Oberstutenmeisterin Kleinschmidt. Derweil fangen der Gestütsoberwärter Erik Eicher und der Auszubildende Tom Seifert die Stute Pina Colada mit ihrem Fohlen für ein Foto ein. „Das ist unser Sieger der diesjährigen Fohlenschau“, sagt Antje Kleinschmidt nicht ohne Stolz in ihrer Stimme. Es habe 28 von 30 möglichen Punkten ergattert. Bei der Fohlenschau werden das äußere Erscheinungsbild, die Bewegung und die Entwicklung eines Fohlens bewertet.

Die Geburt der Fohlen
Im Hauptgestüt haben die Auszubildenden die Geburtswache. Dazu sitzen sie diensthabenden Wächter in der Wachstube und überwachen die trächtigen Stuten mittels Kameras auf Monitoren. Die Alarmierung der Oberstutenmeisterin oder des Gestütsoberwärters erfolgt per Telefon. „Früher, vor den Handys, gab es zur Alarmierung eine Glocke“, sagt Eichler. Da seien dann alle munter gewesen und mit zur Geburt gekommen. „Aber auch heute noch verbreitet sich der Alarm wie ein Lauffeuer durchs Wohnheim und unsere jungen Leute kommen und schauen sich das mit an, auch wenn sie keinen Dienst haben“, lobt Kleinschmidt den Einsatz der Auszubildenden. Einer von denen ist Tom Seifert. Er ist im zweiten Lehrjahr, erlebte somit seine zweite Fohlensaison. „Auch wenn ich mittlerweile weiß, was mich erwartet – es ist immer wieder etwas Besonderes“, berichtet er über seine Erfahrungen. Dieses Jahr habe er vier Geburten miterlebt. „Es waren alle unkompliziert“, fasst Antje Kleinschmidt diese zusammen.

Auszubildender Tom Seifert beim Fohlen-ABC:
Die Gewöhung an den Striegel (hier als weiche Bürste) gehört von Anfang an dazu.

Anfang und Ende
Am Valentinstag, Freitag, dem 14. Februar, begann der Fohlenjahrgang 2020 im Sächsischen Hauptgestüt, wurde das erste Fohlen geboren, ein kleiner Hengst. Seine Mutter ist die Stute Fine von Ampére. Mit dem Vater Bon Voyge ist es ein Halbbruder des Stutfohlens Della, das am 17. Juni in Graditz getauft wurde (TZ berichtete). Bald heißt es Abschied von Muttern nehmen, denn mit ungefähr sechs Monaten kommt es in die Aufzuchtgruppe. Außerdem ist Fine bereits wieder trächtig
Das jüngste Fohlen ist mit Maizauber und Freundlichkeit gesegnet, zumindest heißen so zwei seiner Vorfahren. Seine Mutter ist die Stute Freifahrt. Es wurde vorige Woche Dienstag um 22 Uhr geboren.

Das jüngste Graditzer Fohlen: Auf diesem Bild keine 24 Stunden alt.

Leben als Jungpferd
Im Stall selbst ist es ruhig, nur wenige Stuten stehen mit ihren Fohlen in den Boxen. Mitarbeiter schieben Stroh durch die Gänge. „Wir suchen den Fußboden darunter“, scherzen sie. Hier in der Ruhe und Kühle des alten Gemäuers bleiben die erst kürzlich geborenen Fohlen mit ihrer Mutter. Sie noch nicht in die Herde integriert. „Sie befinden sich zur Zeit  in der Prägungsphase“, macht Oberstutenmeisterin Antje Kleinschmidt klar. Erst danach könne je nach Alter und Entwicklung der Wechsel in die Mutter-Kind-Gruppe auf der Weide erfolgen. Aber auch dann ist der Aufenthalt im Freien auf die Zeit von 8 bis 15 Uhr beschränkt. Von Anfang an dazu gehört das sogenannte Fohlen-ABC. Dabei werden die Tiere an Halfter und Fellpflege gewöhnt. Wie erwähnt geht es mit ungefähr sechs Monate in die Aufzuchtgruppe. Diese ist quasi der Kindergarten. Der Herdenverband bleibt dann auch 24 Stunden draußen auf der Koppel. „Nur bei Futtermangel holen wir die Tiere rein und füttern zu“, erläutert Gestütsoberwärter Erik Eichler. Das Leben als Jungpferd zieht sich so bis zum dritten Geburtstag in Graditz hin. Dann geht es zum Beispiel als Sportpferd ins erwachsene Pferdeleben.

Stuten mit ihren 2020er Fohlen auf der Koppel.

Die Hengste
Die Hengste sind nicht mit im Langstall untergebracht. „Wir haben einen separaten Hengststall“, erläutert Antje Kleinschmidt. Sie stehen auch nicht ganzjähig in Graditz, sondern nur während der Decksaison von Februar bis August. Sonst sind sie in Moritzburg. Schließlich findet dort immer im September die traditionelle Hengstparade statt. „Dafür müssen die Tiere auch noch trainieren, aber das machen sie nicht hier“, sagt Gestütsoberwärter Eichler.

Futtergewinnung
Dann bricht er auf zu den Elbwiesen, wo das Gras blüht und Gestütsoberwart Jörg Leopold mit dem Traktor die Wiese mäht. „Wir bringen unser Heu später ein als das für Kühe“, sagt Eichler. Gründe seien einerseits der Naturschutz. Hier gelte es auf bodenbrütende Vögel Rücksicht zu nehmen. Andererseits müsse das Gras länger wachsen, um einen höheren Rohfaseranteil aufzubauen. Dies sei für die Verdauung der Pferde wichtig. Übrigens suche man mittlerweile auch mit Drohnen vor der Mahd nach Rehkitzen. „Aber das macht der Jagdpächer, von uns bekommt er nur die Info, wann wir mähen wollen“, sagt Eichler zum Schluss.

Der erste Schritt zum Winterfutter: Mähen der Wiese.

 

 


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