Samstag, 28. November 2020
Freitag, 10. Juli 2020

GESPRÄCH AM SONNTAG

Silke Hensel: "Den Schmerzquell finden"

Silke Hensel: „Jeder Mensch trägt Stärken in sich. Er muss sie nur aktivieren können.“Foto: SWB/PR

Von unserem Redakteur Peter Noack

Riesa. Hypnose wird oft nur in Zusammenhang mit diversen Unterhaltungsangeboten gesehen.  Siegmund Freud wandte die Hypnose erfolgreich als Therapie an.

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Riesa. Hypnose wird oft nur in Zusammenhang mit diversen Unterhaltungsangeboten gesehen.  Siegmund Freud wandte die Hypnose erfolgreich als Therapie an. Silke Hensel berichtet im Gespräch am Sonntag, wie sie Hypnose anwendet und was sie damit erreichen kann.

 

 
SWB: Frau Hensel, wie sind Sie auf Hypnose als Therapie gekommen?
Silke Hensel:
Ich habe persönlich extrem schlimme Zeiten durchlebt. Mein Ehemann ist mit 44 Jahren gestorben, doch das tragischste Ereignis war, meinen 15-jährigen Sohn beim Sterben zu begleiten. Einige Tage vor seinem Tod habe ich, damals noch unbewusst, hypnotische Suggestionen angewandt. Ich habe seine Hand in meine Hand gelegt und ihn gebeten sich vorzustellen, dass ganz viel Kraft von mir in seinen Körper fließt. Die Wirkung war faszinierend, doch sein Körper war schon zu schwach. Danach war mein Leben ein anderes. In den nachfolgenden Jahren habe ich mich mittels Studium und vieler Ausbildungen immer mehr auf das Seelische und Geistige spezialisiert, denn ich habe am eigenen Leib erfahren, welche starken Auswirkungen Psyche und Seele auf unsere Gesundheit und Krankheit, damit auf unsere Lebensereignisse haben.

 


Hypnose kennt ein Normalbürger meist aus Shows im Fernsehen. Wie funktioniert solch ein „zur Schau stellen“ als Therapie?
Bei Hypnoseshows ist viel Show dabei. Es ist als Unterhaltung angelegt. Wenn jemand sich nicht hypnotisieren lassen will, hat man keine Chance. Der Mensch muss selbst dazu bereit sein. Man kann zwar eine Blitzhypnose anwenden, um jemanden augenblicklich in Trance zu bringen, aber derjenige ist auch schnell wieder orientiert.


Und wo liegt jetzt der Unterschied zu Ihrer Anwendung?
Ich nutze Hypnose therapeutisch. Diese Form der Hypnose erzeugt eine Trance, die vergleichbar ist mit dem entspannten Zustand, wenn wir am Sonntagmorgen aufwachen. Kein Wecker klingelt. Kein Zwang zum Aufstehen. Es ist überall ruhig und die Vögel zwitschern. In diesem Zustand sind wir äußerst zufrieden, aber unser rationaler Verstand passt trotzdem auf. Er ist nicht ausgeschaltet. Diesen Zustand erreichen wir manchmal unbewusst. Nehmen wir als Beispiel ein spielendes Kind. Das ist hochkonzentriert auf sein Spiel und damit schon in Trace. Ein noch besseres Beispiel ist ein Film im Kino. Wir sitzen im Saal. Sehen die anderem Kinobesucher und beobachten unsere Umgebung. Es wird dunkel und der Film beginnt. Es dauert gar nicht lange und wir sind in der Filmhandlung gefangen. Alles andere nehmen wir nur noch am Rand wahr. Auch hier sind wir in so einer Art Trance.


Trance ist doch aber ein außergewöhnlicher Zustand?
Trance ist völlig normal. Das hat nichts mit Glauben zu tun. Meine Form der Hypnose hilft ändern, was man ändern möchte. Durch die direkte Ansprache kann das Unterbewusstsein bei der Problemlösung mitwirken. Dabei funktioniert Hypnose wie „virtuelles Lernen“. Negative Muster werden erkannt und durch positive Muster ersetzt.


Wie verlief Ihre Entwicklung zur jetzigen Tätigkeit?
Nach dem Studium zur Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen habe ich eine Ausbildung in lösungsorientierter Psychologie als Coach und Supervisorin absolviert, eine Trainerausbildung gemacht, dann den Abschluss als Hypnose-Master und Heilpraktikerin für Psychotherapie abgelegt. Mit diesem Fundament an Wissen, kombiniert mit meinen Lebenserfahrungen, habe ich dann in Zwickau eine Praxis für Hypnose, Coaching und Psychotherapie aufgebaut. Zehn Jahre später hat sich mein Leben in die alte Heimat nach Niederlommatzsch verlagert und beruflich meine Praxis nach Riesa.


Welche Chance hat Hypnose, um Menschen zu erreichen?
Eine sehr große. Wir Menschen agieren meist nur kopfgesteuert und müssen unseren und anderen Erwartungen entsprechen. Alles wird analysiert, durchgedacht und logisch bewertet. Aber das sollte nur ein Teil von uns sein. Wir Menschen müssen oftmals wieder lernen, unsere Gefühle, unsere Emotionen wahrzunehmen, sie zuzulassen. Spüren, was wir wirklich brauchen. Unser Unterbewusstsein weiß das oft sehr genau. Deshalb sind die rationalsten Menschen nicht nur am empfänglichsten für Hypnose, sondern sehr über deren starke Wirkung überrascht. Aber für alle gilt, man muss es wollen und für diese Art der Therapie offen sein. Sich vielleicht einmal überraschen lassen …  Nichts passiert gegen den eigenen Willen, keiner sagt, was er nicht sagen möchte und jeder wäre in der Lage, einfach aufzustehen und zu gehen, bisher hat es aber noch niemand gewollt, weil die Tiefenentspannung einfach sehr, sehr angenehm ist.


Mit welchen Problemen kommen Klienten zu Ihnen?
Sehr oft sind es unbewältigte Probleme, meistens schon aus der Kindheit. Es kommen Menschen in Krisensituationen, mit traumatischen Erfahrungen, Ängsten, Selbstzweifeln, Schmerzen … Menschen, die am Ende eines Wege stehen oder vor einer Kreuzung. Partnerschafts-Probleme sind ein großes Thema. Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine sorgfältige Anamnese erforderlich. Man muss den Schmerzquell finden, eventuelle Gefahren im Blick haben. Jeder Mensch ist anders.


Hilft Hypnose immer?
Es gibt kein Heilversprechen. Meine bisherige Erfahrung bestätigt mir: Es ist fantastisch, was man mit Hypnose schaffen kann. Das Gehirn macht in Trance keinen Unterschied zwischen Realität und Vorstellung. Die eigenen Fähigkeiten werden aktiviert. Man erlebt sich als stark und selbstwirksam. So kann man Dinge erreichen, die man vorher für unerreichbar hielt.


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