Mittwoch, 12. August 2020
Mittwoch, 15. Juli 2020

NORDSACHSEN

Chopper, Enduro, Café-Racer - zwangsläufig laut?

Der Augustusplatz als Motorrad-Parkplatz: 16 500 Biker haben am Sonntag in Leipzig gegen ein Gesetzesvorhaben des Bundesrats zur Lärmkontrolle demonstriert. Foto: Christian Modla

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau/Leipzig/Zwickau. Sind es die Motorräder an sich oder liegt es am Fahrer? Die TZ ging der Frage nach, wer Schuld am Lärm der Motorräder ist.

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Seit dem 15. Mai geht nicht nur ein Aufschrei durchs Land. Vielmehr wird er ergänzt durch sonores Brummeln, heftiges Brüllen und tiefes Grollen, gerne immer wieder mit Crescendo. So auch am Sonntag in Leipzig, als geschätzt 16 500 Motorradfahrer gegen mögliche Sonntagsfahrverbote  für motorisierte Zweiräder demonstrierten, wie die Leipziger Volkszeitung berichtete. Diese Fahrverbote kamen an jenem Freitag im Mai ins Spiel – der Bundesrat entschloss sich im Tagesordnungspunkt Zehn gegen Motorradlärm vorzugehen und unter anderem temporäre Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen zu verhängen.
Dabei steht grundsätzlich die Frage im Raum, ob Motorräder gar nicht anders können, als laut zu sein. Oder ob es gar ein von den Fahrern selbstgemachtes Problem ist.

Der Harley-Fan
Fast den halben Fußweg einnehmend steht die Harley-Davidson vor dem Blumenladen am Rosa-Luxemburg-Platz. „Das ist eine Street Glide mit 1800 Kubikzentimetern Hubraum“,  sagt Besitzer Henry Hoffmann stolz. Rechts ragt auffällig der Luftfilter mit einem dunkelroten Vlies heraus. Unter dem Tank steht das V der Zylinder, die Rohre der Stößelstangen auf Hochglanz poliert. Links  und rechts spiegelt sich die Umgebung in den ebenfalls chromglänzenden Auspuffrohren. „Die Maschine ist komplett individualisiert“, sagt der selbstständige Lackierer. So habe er auch Luftfilter und Auspuff ausgetauscht. „Alles mit Allgemeiner Betreibserlaubnis“, wie er versichert. Zwar sei das Motorrad jetzt etwas lauter als im Original, aber die Leistung habe sich auch um etwa 15 Pferdestärken auf 100 erhöht. „ So höre ich den Sound besser beim Fahren“, erläutert Henry Hoffmann. Doch er nehme Rücksicht auf seine Umgebung, lasse es nur außerorts krachen. „So richtig laut wird die Maschine auch nur bei hohen Drehzahlen“, sagt er. Liegt die Lärmproblematik also an der Unvernunft der Fahrer? „Ja“, ist sich der Süptitzer sicher. In und nahe Wohngebieten nehme er sich auf jeden Fall zurück und fahre untertourig. Nutzt er die Maschine auch beruflich? „Nein, das ist reines Hobby“, erläutert er. Motorrad-Treffen und Sonntagsausflüge machten das Gros der Nutzung aus.

Henry Hoffmann mit Tochter Maxi. Foto: TZ/Keil

Der Akustikexperte
An der Westsächsischen Hochschule Zwickau forschte bis Anfang des Jahres Professor Wolfgang Foken unter anderem auch zum Sounddesign an Motorrädern. „Die Geräusche eines Motorrades werden hauptsächlich vom Ansaugtrakt, dem Motorblock und der Auspuffanlage erzeugt“, erläutert der emeritierte Fahrzeugakustik-Experte. Gibt es eine technische Begründung, warum Motorräder so laut sind? „Nein“, macht der Zwickauer klar. Das sei Fahrerwunsch. Dabei gehe es ganz klar um Emotionen. Bei den Untersuchungen zum Sounddesign wurden den Probanden Fahrzeuggeräusche vorgespielt, die die Hörer zu bewerten hatten. Mit dieser Methode fand Professor Wolfgang Foken für unterschiedliche Motorradtypen den für diese typischen, assoziierten Klang heraus.

Hübsch anzusehen: Die Hauptgeräuschquellen Ansazgtrakt, Motorblock und Auspuff. Foto: TZ/Keil

Die Fahrschulen
Eine erste Sensibilisierung zur Thematik findet bereits in der Fahrausbildung statt. „Das lehren wir im Kapitel zur umweltschonenden Fahrweise“, sagt Fahrlehrer Martin Holz von der gleichnamigen Torgauer Fahrschule. Dabei nähmen die Schüler die Inhalte rund um die leise Fahrweise durchaus gerne auf. Die Theorie vertiefe der Fahrlehrer dann in der Praxis. Dabei wird hinterher jede Fahrt auch bezüglich der umweltfreundlichen Fahrweise ausgewertet. Ob er dafür eine Telemetrie nutzt? „Nein, dazu brauche ich keine Technik. Das höre und sehe ich schon“, verweist er auf seine langjährige Erfahrung.
Einen eher geringen Einfluss der Fahrschulen auf das diesbezügliche Verhalten der  künftigen Motorradfahrer sieht Fahrlehrer Jörg Nixdorf. „Das bespreche ich mit meinen Schülern im Bereich Technik“, sagt der Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Koßdorf. Auch sonst sieht er wenig Konfliktpotenzial in den akustischen Emissionen von Motorrädern. „Wenn der dB-Killer drin ist, dann spielt die Drehzahl keine Rolle“, ist er sich sicher.
Lärmbelästigung durch Motorradfahren? „Das ist prüfungsrelevant“, klärt der Torgauer Fahrlehrer Mirko Gotthardt auf. Deshalb bilde er seine Fahrschüler auch dahingehend aus. Seine Hauptsorge gilt allerdings  weniger dem Lärm, als dem sicheren Fahren. „Motorräder sind verdammt gefährlich“, warnt er. Vor allem, wenn der frisch gebackene Fahrer sich überschätze. „Doch zum Glück gibt es eben auch sehr viele Vernünftige unter den Motorradfahrern“, blickt er optimistisch nach vorn.

Der Politiker
Marian Wendt weiß als begeisterter Schwalbe-Fahrer um die Sorgen seiner Fahrerkollegen auf den großen Feuerstühlen. Als Bundestagsabgeordneter des Landkreises Nordsachsen muss er aber auch die Belange der übrigen Bevölkerung im Blick haben: „Lärmschutz ist ein berechtigtes Interesse der jeweils betroffenen Anwohner. Und auch Motorrad-Fahrer haben ein berechtigtes Interesse – sei es als Ausübung ihres Hobbys oder einfach für eine Fahrt zur Arbeit. Wir haben in Deutschland bereits entsprechende Gesetze, die nach guter Abwägung entstanden sind. Eine Anpassung an bestehende EU-Vorschriften ist zur Harmonisierung innerhalb Europas sinnvoll. Eine weitere Verschärfung, etwa durch ein generelles Sonntagsfahrverbot für Motorräder, lehne ich ab. Für besonders betroffene Orte gibt es andere Möglichkeiten, so zum Beispiel temporäre Geschwindigkeitsbegrenzungen und entsprechende Kontrollen.“

Von Torgau nach Berlin: Marian Wendt mit seiner Schwalbe auf dem Weg zur letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause. Foto: privat

 


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