Mittwoch, 12. August 2020
Mittwoch, 15. Juli 2020

BELGERN-SCHILDAU

Vom Königshaus zum Bauernhof

Reinhard Arens kam viel in der Welt herum.

von unserem Redakteur Christian Wendt

Bockwitz. Landschaftsplaner Reinhard Arens war lange Zeit in Saudi-Arabien tätig. Nun verschlug es ihn nach Bockwitz.

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Der Anfang ist gemacht. Im noch immer wüst aussehenden Garten, in dem ein metertief ausgehobenes Loch der Vorbote für eine künftige Teichlandschaft ist,  ist die hölzerne Gartenlaube mit ihren Terrassenbrettern vor der Tür so etwas wie eine Ruheoase. Von dieser blickt Reinhard Arens (52) entspannt auf seine Lebensaufgabe, auf die er sich vor wenigen Jahren in Bockwitz einließ.

 

Happy End

 

Vor wenigen Tagen erlebten der Landschaftsplaner und seine tschechische Verlobte Michaela ein Happy End: Nach  andauernden Komplikationen und dreimonatiger Zwangstrennung wegen der Corona-Pandemie konnten die beiden endlich in Tschechien heiraten. Das Paar hatte sich bereits am 02.02.2020 auf einer Karibik-Reise das Eheversprechen gegeben. Die standesamtliche Hochzeit sollte kurz danach gefeiert werden. Doch Corona hatte andere Pläne mit den beiden. Die Grenze zum Nachbarland wurde für drei Monate geschlossen. Sämtliche Hochzeitsvorbereitungen waren durchkreuzt. Ein neues Datum zu finden gestaltete sich schwierig, da lange Zeit niemand wusste, wann der innereuropäische Reiseverkehr wieder möglich sein würde.

 

Zukunft Bauernhof

 

Das Paar hatte sich ursprünglich in Saudi-Arabien kennengelernt, wo Arens seit zwei Jahrzehnten die Gärten des saudischen Königs gestaltet. Eine berufliche Zukunft wünscht sich das frisch vermählte Paar dennoch von dem alten Bauernhof in Bockwitz ausgehend, der für Arens nicht nur Herausforderung sondern vor allem eine kreative Spielwiese ist.

Die vielfältigen Gartenschöpfungen des Landschaftsplaners haben längst in der gesamten Welt Freunde gefunden. Als Arens 1987 in Wuppertal seinen ersten Garten entwirft, ahnt er noch nicht, dass er 30 Jahre später von Königen, Präsidenten und Prinzessinnen beauftragt werden würde. Mittlerweile erfuhr er die Aufnahme in die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen wegen seines Lebenswerks. Dass dieses nun ausgerechnet mit dem Bauernhof in Bockwitz ein weiteres Kapitel aufschlug, bedeutet für Arens die bewusste Abkehr von einem Leben, in dem die Erfüllung von Gartenträumen nur eine Frage des Geldes waren. Stück für Stück arbeitet er sich nun durch eben jene Abkehr. Er genießt die gute Nachbarschaft, tankt Kraft, die ihm das Arbeitsleben in den gut 30 Arbeitsjahren mitunter nahm.

 

Erster Garten

 

Mit 17 Jahren hatte der im westfälischen Gevelsberg geborene Arens die Welt des Landschaftsbaus endgültig für sich entdeckt. Noch während er die Bank seiner Berufsschule drückte, begann er mit den Plänen für seinen ersten Garten – dem Gericke Garten in Wuppertal –, der von einem typischen Reihenhausgarten der Achtzigerjahre mit Waschbetonplatten und Beton-Mauerscheiben in einen idyllischen Landhausgarten mit Wasserbecken und Natursteinpflasterung umgewandelt wurde.

Bevor es für ihn Mitte der 90er Jahre nach Afrika ging, hatte er sich dazu entschieden, seine planerische und ausführende Landschaftsarbeit mit Pädagogik zu kombinieren, um unter anderem mit verhaltensauffälligen Jugendlichen gemeinsam an Projekten zu arbeiten.

 

Friedensnobelpreisträgerin

 

Seine Arbeit in Kenia brachte Arens nicht nur eine Freundschaft mit der Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai ein. Der pädagogische Grundgedanke, der fortan sein Wirken begleitete, ließ ihn unter anderem an der Rudolf-Steiner-Schule in Nairobi planerisch tätig werden.

 

„Präsidentenerlass“

 

Als Präsident Olusegun Obasanjo zum Nationalfeiertag im Jahre 2000 verkündet, für alle Kinder des Landes innerhalb nur eines Jahres den „National Children’s Park & Zoo“ aus der Taufe heben zu wollen, übernahm Arens die gestalterische Gesamtleitung und koordinierte trotz vieler Widrigkeiten alle Bauarbeiten. Pünktlich konnte der Park eingeweiht werden, denn auch die zum Teil aus Zimbabwe eingeflogenen Wildtiere waren rechtzeitig vor Ort. „Weil zur Eröffnung noch kein Zoodirektor zugegen war, musste ich dann auch noch diesen Posten für eine Woche kommissarisch übernehmen“, lacht Arens im Gespräch mit der Heimatzeitung. Es ist ein zufriedenes Lachen, ein Lachen, das ihn all den negativen Stress vergessen macht. Dieses Lachen scheint wie geschaffen zu sein, eine stabile Basis für einen Neuanfang im Nordsächsischen abzugeben.

 

Tausendundeine Nacht

 

Um die Jahrtausendwende hatte für Arens der Traum von Tausendundeiner Nacht begonnen. Arens gibt freimütig zu, dass er sich in jenem Moment, als die Anfrage von einem Freund an ihn herangetragen worden sei, zum Ritter geschlagen fühlte. In Saudi-Arabien lockte der Ausbau eines zweihundert Quadratkilometer großen Naturparks mit Picknickplätzen und luxuriösen Zelt-Camps. Wenig später dann eines der bis dahin interessantesten Bauprojekte für ihn – eine Balinesischer Garten auf einer privaten Prinzen-Farm mitten auf dem Hochplateau von Riad. Blühenden, großblättrigen Pflanzen standen mörderisch heiße Temperaturen und salziges Grundwasser entgegen. Ein Gegensatz, dem der leidenschaftliche Landschaftsbauer mit mächtigen Bäumen als äußere Begrenzung (diese brechen den Wind, filtern den Staub und spenden Schatten) begegnet. Im Inneren lässt er unter anderem Palmenhaine und Obstgärten pflanzen und irre viel Technik verbauen. Verdunstungskälte sorgt fortan für eine angenehme Kühle. Nach fast drei Jahren wird jener Balinesische Garten zu einem der meistbeachteten Gärten des Landes. Für Arens war dieses Luxus-Projekt die Eintrittskarte in eine schillernde Königswelt, die fortan seiner Kreativität alles abverlangte, über die er aber aus Respekt vor der Königsfamilie nicht zu viel verrät.

 

Tägliche Bauherrensorgen

 

In Bockwitz sind es dagegen die täglichen Sorgen eines Bauherrn, die ihm vieles abverlangen. Seinen Traumgarten sieht allein er. Doch keiner scheint ihm das in Abrede stellen zu wollen. Erst recht nicht seine frischgebackene Ehefrau, die derzeit alles daran setzt, die sprachlichen Voraussetzungen für eine Arbeit an einem deutschen Krankenhaus zu erfüllen. Die Krankenschwester aus Liberec teilt die Träume ihres Mannes, der an Bockwitz die Ruhe, und vor allem den von Lichtverschmutzung weitestgehend freien Sternenhimmel schätzt. „So etwas gibt es sonst nur in Nordnorwegen, Südamerika oder Botswana“, sagt dieser und gönnt sich zum Feierabend eine kleine Zigarre.    


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