Samstag, 28. November 2020
Freitag, 17. Juli 2020

GESPRÄCH AM SONNTAG

Susanne Seidler: "Ohne Tierliebe nicht machbar"

Susanne Seidler betreibt eine der 19 Pflegestellen der Tierhilfe Südbrandenburg e.V. und steckt viel Herzblut in den Verein. Foto: Anna Thiere

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch spricht Susanne Seidler, Pflegestellenkoordinatorin bei der in Herzberg sesshaften Tierhilfe Südbrandenburg e.V., über Tierliebe, Eigeninitiative und wie wichtig es ist, auch in schwierigen Zeiten an unsere Freunde mit Fell zu denken.

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Herzberg. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch spricht Susanne Seidler, Pflegestellenkoordinatorin bei der in Herzberg sesshaften Tierhilfe Südbrandenburg e.V., über Tierliebe, Eigeninitiative und wie wichtig es ist, auch in schwierigen Zeiten an unsere Freunde mit Fell zu denken.

 

SWB: Frau Seidler, welche Aufgaben hat die Tierhilfe Südbrandenburg e.V.?
Susanne Siedler: Die Tierhilfe Südbrandenburg e.V. kümmert sich um alle Tiere, die im Dreiländereck herrenlos sind. Wenn irgendein Tier, egal welcher Art,  Hilfe braucht, kann man uns anrufen und wir helfen dem Tier.

 


Wie wurde der Verein gegründet?
Die Idee entstand aus der Not heraus, ein Tierheim zu gründen, in dem die Tiere gut behandelt werden. Der Tierschutz findet in der Region leider viel zu wenig Beachtung. Um diesbezüglich zu helfen, wollten wir aktiv werden. Also haben sich acht Tierfreunde zusammengetan und den Verein im November 2014 gegründet. Wir möchten ein Maximum an Transparenz zeigen und unsere Arbeit hat Hand und Fuss. Das Wohl der Tiere ist unser größtes Anliegen und darum kümmern wir uns, mit allem, was nötig ist.


Wie viele Mitglieder hat der Verein momentan?
Wir sind über 170 aktive Mitglieder und die Zahl steigt weiter. Viele engagieren sich mit Geld, Know-how und viel Zeit für die Vierbeiner in unserer Obhut. Die Pflegestellen leisten Enormes. Wir haben alle Vollzeitjobs und versorgen die Tiere in unserer Freizeit.


Wie arbeitet der Verein?
Wir haben aktuell 19 Pflegestellen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die von Plessa bis weit hinter  Schönewalde verteilt sind. Wir betreuen vorwiegend Katzen, aber auch ein paar Hunde, die mit uns ganz normal in der Familie leben. Die Pfleger fahren mit ihren Privat- Pkw mit den Tieren zu Ärzten, besorgen Futter und spielen mit ihren Schützlingen. Ein Tier ist mit viel Arbeit verbunden und in den meisten Fällen ist ja nicht nur ein Tier zu versorgen. Ohne eine große Portion Tierliebe wäre das so nicht möglich.


Wie findet man sein neues Familienmitglied bei Euch?
Wir veröffentlichen die zu vermittelnden Tiere über verschiedene Onlineportale. Interessenten können uns anrufen, wir kommen ins Gespräch und wenn alles passt, können die Tiere gegen eine Schutzgebühr vermittelt werden. Letztes Jahr haben wir 350 Tieren so ein neues Zuhause gegeben.


Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Land und den ansässigen Tierärzten?
Im Großen und Ganzen gesehen sehr gut. Einige Tierärzte sind auch Mitglied bei uns im Verein und somit haben wir rund um die Uhr einen Ansprechpartner und schnelle Hilfe, wenn sie benötigt wird. Das Land tut sich noch etwas schwer mit dem Gedanken, dass Tierschutz uns alle angeht und auch sie mit ins Boot müssen. Aber die Arbeit der letzten Jahre trägt Früchte und ich bin fest davon überzeugt, dass wir viel zusammen schaffen können.  


Werden alle Kosten vom Land gedeckt?
Nein, bei Weitem nicht. Wir bekommen einen Kastrationszuschuss vom Land Brandenburg in Höhe von etwa 2000 Euro. Die Kosten liegen aber deutlich darüber. Wir finanzieren als Verein die Tierarztkosten, das Futter und was sonst anfällt. Die Unterbringung, Fahrten zu Tierärzten und die Pflege der Tiere übernehmen ausschließlich unsere Pflegestellen, ohne auch nur einen Cent dafür zu bekommen. Wir hatten im letzten Jahr knapp 38.000 € Ausgaben. Dieses Jahr sind wir im ersten Halbjahr schon deutlich darüber.


Wie kommt das?
Wir hatten im gesamten Jahr 2019 knappe 300 Kastrationen von Katzen. In diesem Jahr sind wir im ersten Halbjahr schon bei 200. Außerdem hatten wir leider einige „Spezialfälle“ dieses Jahr, die eine etwas aufwändigere Versorgung brauchten. Da alle Fälle von uns gleich gut versorgt werden, kommt so der ein oder andere Euro zusammen. Das sind natürlich Ausnahmen, haben aber auch meistens die schönsten Geschichten.


Könnten Sie uns da ein Beispiel erzählen?
Maggy war so ein Fall. Sie war von ihren Vorbesitzern abgegeben worden, weil sie schlicht überfordert waren. Maggy war noch recht jung, hatte aber leider epileptische Anfälle. Als wir sie eine Zeit bei uns hatten, haben wir auch gemerkt, dass sie vollständig blind ist. Es hat lange gedauert, sie medikamentös einzustellen und für sie ein schönes Zuhause zu finden. Man darf nicht vergessen, dass so etwas viel Zeit, Geduld und Nachsicht erfordert, ein Tier mit Handicap aufzunehmen. Aber für Maggy haben wir ein schönes Heim gefunden. Ich hoffe, dass wir diese Arbeit noch lange Zeit weiterführen können. Wenn möglich auch bald in unserem eigenen Tierheim.

 


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