Mittwoch, 5. August 2020
Montag, 20. Juli 2020

DOMMITZSCH

"Es hat uns kalt erwischt"

Das neue Management-Team und Personalabteilung um Werkleiter Björn Dobslaw. Im Bild von links: Martin Richter, Martin Kaps, André Böhme, Sandra Nicklisch, Werksleiter Björn Dobslaw und Sarah Pertzsch. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Für die Vandemoortele Dommitzsch GmbH wird 2020 als Krisenjahr in die Firmengeschichte eingehen. „Wir haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie doch extrem gespürt und hatten ab April mit derben Einschnitten zu kämpfen“, blickt Werksleiter Björn Dobslaw zurück.

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Dommitzsch. Für die Vandemoortele Dommitzsch GmbH wird 2020 als Krisenjahr in die Firmengeschichte eingehen. „Wir haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie doch extrem gespürt und hatten ab April mit derben Einschnitten zu kämpfen“, blickt Werksleiter Björn Dobslaw zurück. Ein Großteil der Kunden kommt aus dem Bereich Hotellerie, Gastronomie und Catering. Die Häuser mussten im Lockdown schließen, Veranstaltungen mit Menschenansammlungen durften nicht stattfinden. 

Einige Wochen Stillstand 

Für die Dommitzscher als Produzent von Brötchen, Brot, Baguettes und Laugenbrezel im Spezialitäten-Bereich ein Horror-Szenario. Das führte letztlich sogar dazu, dass die Bänder im Unternehmen im April und Mai für mehrere Wochen still standen und die Produktion auf Null gefahren wurde. Doch auch hier zeigte sich die sehr soziale Ader, die Vandemoortele auszeichnet. „Wir haben in der Krisenzeit eine fünfprozentige Lohnerhöhung für alle tariflichen Mitarbeiter festgelegt, die seit Mai gestaffelt über zehn Monate wirksam wird“, so der Werksleiter. 

Zwar musste für alle Mitarbeiter im gesamten Betrieb Kurzarbeit ausgerufen werden. Für einige Kräfte gilt das auch weiterhin. Aber zusätzlich zu den staatlichen Hilfen legt das Unternehmen noch zehn Prozent je Mitarbeiter drauf, so dass sich die finanziellen Einschnitte für jeden Einzelnen in Grenzen halten. Björn Dobslaw verweist hierbei auf den starken Unternehmensverbund. Vandemoortele hat 22 Bäckerei-Standorte in zwölf Ländern Europas. „Nur so konnte man Verluste kompensieren. Würden wir als Firma alleine agieren, hätten wir nicht alle Mitarbeiter halten können“, spricht Dobslaw Klartext. 

Die Dommitzscher haben es in den vergangenen Jahren geschafft, sich auf einem hart umkämpften Markt durch die Produktion von Spezialitäten gegen die Konkurrenz durchzusetzen. „Wir stellen ausgefallene Sachen her, die nicht jeder kann. Unsere Linien sind etwas kleiner, dadurch sind wir aber auch flexibler“, beschreibt der Werksleiter die Philosophie. Als Beispiel nennt er das sehr beliebte Holzhackerbrot, ein 750-Gramm-Brot, im Steinofen gebacken. Überhaupt sei die Steinofenlinie ein riesiger Erfolg. Genau wie die Herstellung von Bio-Produkten, die seit Ende letzten Jahres in Dommitzsch angelaufen ist.

 In normalen Zeiten liefern die rund 200 Mitarbeiter am Standort in Dommitzsch rund 25 000 Tonnen Backwaren im Jahr aus. Das sei „kein riesiger Wurf“. Deshalb liege der Fokus auf der Spezialisierung abseits der Massenproduktion, verdeutlicht Björn Dobslaw. 

Bio-Segment 

Das neue Bio-Segment sei nur eine von vielen weiteren Entwicklungen, die die Dommitzscher noch in der Pipeline haben. Zudem wurde in den vergangenen Monaten versucht, viele Abläufe zu verbessern und zu optimieren. Und man setzte Großinvestitionen um: Nach rund einem Jahr Bauzeit konnte im Juni planmäßig das neue Verwaltungsgebäude bezogen werden. Es verfügt über moderne Sozialbereiche. Über Umkleidekabinen, die auf einem ganz anderen Hygienestand sind – den bestmöglichen. Besonders stolz ist man auf eine umfangreiche Lüftungstechnologie, die besonders umweltfreundlich funktioniert. Es gibt für alle Mitarbeiter einen gemeinsamen Pausenraum. Und natürlich wurden alle Büros integriert. Das Ingenieurbüro aus Torgau hat einen genialen Job gemacht, heißt es. 

Der alte Verwaltungstrakt soll übrigens im nächsten Jahr abgerissen werden. Björn Dobslaw kann auf eine Großinvestition im unteren einstelligen Millionenbereich verweisen. Und es geht weiter. Mehrere bauliche Veränderungen sind vorgesehen, zum Beispiel am Lkw-Verladeplatz. So fügt sich eins nach dem anderen. Anfang 2019 wurde eine neue Lagerhalle eingeweiht, Ende 2019 ging die automatisierte Palletisierung in Betrieb. Drei Roboter übernehmen jetzt die Endverpackung und das Stapeln von Kartons. Dann die Fertigstellung des Verwaltungstraktes, zwischendurch gab es immer wieder kleinere Investitionen an den fünf Produktionslinien. „Wir haben viel gemacht. Aber wir müssen auch noch effizienter werden. Wir hatten in der Vergangenheit in vielen Bereichen nicht die Nase vorn“, räumt der Werksleiter kritisch ein. Deshalb sei an zahlreichen Stellschrauben gedreht worden. Ein neues hervorragend ausgebildetes Management-Team habe die Arbeit aufgenommen. Es besteht aus neuer technischer Leitung, neuer Produktionsleitung, man erhielt Verstärkung im Planungsbereich, in der Personalabteilung, im Bereich Sicherheit sowie Qualitätsmanagement. Personell sei man nun völlig neu aufgestellt. 

Und es erfolgten auch in anderen Bereichen Neueinstellungen, wobei vor allem sehr qualifizierte und motivierte Kräfte den Vorzug erhielten. 

Optimismus

Momentan befinde man sich aber  noch im Krisenmodus. „Wir sind jetzt etwa bei 80 bis 90 Prozent gegenüber dem, was vorher lief. Und wir wissen sehr gut, dass es noch nicht durchgestanden ist“, spielt Björn Dobslaw auf die Pandemie an. Schon jetzt lasse sich sagen, dass man im laufenden Jahr mindestens 30 Prozent des geplanten Volumens verloren hat. Das soll aber den grundlegenden Optimismus am Standort Dommitzsch nicht trüben. Die weiteren Investitionen im Millionenbereich gelten als gesichert. Die Lehrlingsausbildung, mit der 2016 begonnen wurde, hat sich zudem als Erfolgsgeschichte entwickelt. Neun Azubis zählen zur Belegschaft. Einer der ausgebildeten Mechatroniker verstärkt das Unternehmen beispielsweise schon als Teamleiter in der Technikabteilung. 


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