Donnerstag, 1. Oktober 2020
Dienstag, 21. Juli 2020

NORDSACHSEN

24 Millionen DDR-Mark liegen in der Dübener Heide vergraben

In sogenannten KfZ-Röhren kamen Fahrzeuge wie dieser LO Robur unter. Foto: Steffen Brost?

von unserem Redakteur Nico Wendt

Kossa. Auch nach mehr als 30 Jahren bekommt man noch Gänsehaut, wenn man durch die Bunkeranlagen  im Wald bei Kossa spaziert und sich die Kommandoräume anschaut.

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Kossa. Auch nach mehr als 30 Jahren bekommt man noch Gänsehaut, wenn man durch die Bunkeranlagen  spaziert und sich die Kommandoräume anschaut. Hierhin  also hätte sich die Militärführung bei einem Dritten Weltkrieg zurückgezogen. Von hier aus wären Befehle erteilt worden, die über das Leben von Tausenden Menschen entschieden hätten. Viele Meter unter der Erde sollte das blutige Treiben gelenkt und geleitet werden. 

Zu DDR-Zeiten war das Militärgebiet im Wald bei Kossa streng von der Außenwelt abgeschirmt. Keiner kam rein. Nur wenige Bewohner in den umliegenden Dörfern kannten das Geheimnis um die Bunkeranlage. Als sich 1989 die Wende vollzog, wurde nach und nach deutlich, was hier im Verborgenen lag. Und die Wahrheit schockierte. Der sogenannte Ausweichgefechtsstand war für den schlimmsten Kriegsfall gedacht. Ende der 70er-Jahre entstand hier in der Dübener Heide auf rund 75 Hektar ein Terrain, das als Führungsstelle dienen sollte. Genauer: Hier wollte man einen Führungsstab des Warschauer Vertrags einquartieren. Sechs unterirdische Bunkerbauwerke wurden angelegt. Sie funktionierten autark und konnten weiterge- nutzt werden, selbst wenn ein oder zwei Bunker bei Beschuss ausgefallen wären. Wer sich in dem Areal umschaut, wird mit gruseligen Gedanken und Phantasien konfrontiert, die bei einem Militärschlag wohl bittere Realität geworden wären. Geplant und gebaut wurde die Anlage natürlich nur für den Verteidigungsfall, wie es hieß. 24 Millionen DDR- Mark kostete die Zentrale: In der letzten Phase des Kalten Krieges galt dieses Bauwerk als geheimer Schatz des Warschauer Pakts, wie die Betreiber des Museums verdeutlichen. Die Militärführung versuchte sich ganz genau auf alle Eventualitäten vorzubereiten: Der Weg zum Nach-richtenbunker führt an zwei unterirdischen Antennenfeldern vorbei. Der Bunker besitzt sechs Kfz-Röhren von jeweils 40 Meter Länge. Hier sollten Großraumfahrzeuge und mobile Nachrichtentechnik Platz finden. Die Fernsprech- und Fernschreibzentrale als Fernsprechamt des Nachrichtenbunkers verfügte über leistungsstarke Sende- und Empfangsanlagen. Für verschlüsselte Verbindungen war die SAS-Fernsprechvermittlung mit der Chiffrierstelle zuständig. Im operativen Führungszentrum oder Führungsbunker waren für den Befehlshaber und seinen Stab diverse Arbeitsräume vorbereitet. Weiterhin gab es Räume der Arbeitsgruppe Planung mit Bildübertragung und Vervielfälti- gungstechnik und Ruheräume des Befehlshabers und der Stellvertreter sowie Arbeitsräume der Verbindungsoffiziere der Verbände. Alles ausgestattet mit Technik für gedeckte und abhörsichere Kanäle. Im Rechnerbunker mit Großrechenanlage TYP AP 3 für alle rechnergestützten taktischen und strategischen Truppenbewegungen konnten program- mierte Landkarten gezeichnet werden. Hier war auch das Feldlazerett zur Behandlung erkrankter, verletzter, verseuchter, vergifteter und aktivierter Armeeangehöriger vorhanden. Der technische Bunker diente als Steuerzentrale für Wasser, Strom, Luft und Heizung aller sechs Bunker mit Eigenstromerzeugungsanlage (Schiffsdiesel),Wasserwerk mit zwei Tiefbrunnen. Die gesamte Bun- keranlage wurde von 1976 bis 1979 errichtet und dann an die NVA zur Wartung und Instandhaltung übergeben. Das Personal vor Ort hatte die Aufgabe, diese Anlage immer in Gefechtsbereitschaft zu halten. Optisch wurde das Ganze so getarnt, dass man bei vermeintlichen Über- flügen eine Parkanlage gesehen hätte. Da hier ständig alles gefechtsbereit war, wurden über 300 000 kWh Strom verbraucht. Laut Originalplanungsunterlagen wäre die Anlage im Ernstfall nur für wenige Tage genutzt worden. Da man zur Zeit des Kalten Krieges immer vom atomaren Krieg ausgegangen ist, war diese Bunkeranlage geschützt gegen atomare, biologische und chemische Waffen. Ein- bis zweimal im Jahr fanden hier auch gehei- me Übungen statt. Von der technischen Ausstattung war die Bunkeranlage der Zeit ca. 20 Jahre voraus. Man konnte von hier aus Daten in Form von Fotos, Videos oder Kartenkopien versenden. 1993, nach dem Auszug der Bundeswehr, wurde die gesamte Anlage leer geräumt und besenrein an den Bund übergeben. Im Mai 2002 wurde es als Museum eröffnet.


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