Samstag, 28. November 2020
Freitag, 31. Juli 2020

GESPRÄCH AM SONNTAG

Christian Burkhardt: "Der Wald müsste auf die Intensivstation"

Christian Burkhardt im Kreis seiner Familie: „Richtig Spaß im Wald haben.“Foto: privat

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Bad Liebenwerda. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Christian Burkhardt, Berufsfeuerwehrmann in Hoyerswerda und Waldbesitzer, warum er mit dem Deutschen Waldpreis 2020 geehrt wurde.

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Bad Liebenwerda. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Christian Burkhardt, Berufsfeuerwehrmann in Hoyerswerda und Waldbesitzer, warum er mit dem Deutschen Waldpreis 2020 geehrt wurde.

 

SWB: Wie wird man „Waldbesitzer des Jahres 2020“ und erhält den mit 2.000 Euro dotierten „Deutschen Waldpreis“ des Internetportals forstpraxis.de?
Christian Burkhardt: Indem man vorgeschlagen wird und sich bewirbt. Im Prinzip stehe ich stellvertretend für die Privatwaldbesitzer, bin somit ein Vorbild (lacht). Im Mai erhielt ich Besuch von einem Filmteam, das eine zweiminütige Sequenz über mein Projekt und mich drehte. Das war richtig viel Arbeit, dauerte über zwölf Stunden. Das Einfachste war, als ich frei über den Wald reden konnte. Dann erfolgte online die Abstimmung. Als ich das Ergebnis erfuhr, war ich total überrascht. Leider wurde der Preis wegen Corona auch nur via Computer verliehen.


Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Sehr viel. Ich sehe sie auch als Anerkennung für die Allgemeinheit. Der Volksmund weiß, dass der Wald uns allen gehört. Aber liegt Müll im Wald oder ist der Borkenkäfer aktiv, hört man schnell: Kümmere dich, es ist schließlich dein Wald. Ich habe 4,5 Hektar in Bewirtschaftung, wovon das älteste Flurstück aus dem Jahr 1865 ist. Mir ist es wichtig, meinen Wald zu renaturieren, zu pflegen, zu schützen und damit widerstandsfähiger zu machen. In Südbrandenburg herrschen Kiefern-Acker und Karnickel-Sand, was gepaart mit Dürre und Trockenheit wie in den letzten Jahre häufiger Quelle von Waldbränden war.


Können Sie kurz skizzieren, warum Sie ausgezeichnet wurden?
Ich habe in meinem Wald einen Löschwasserbrunnen zur Bekämpfung von Waldbränden bauen lassen, wovon auch die Nachbargrundstücke profitieren. Meine Devise lautet: Waldbrände aktiv vermeiden und gemeinsam bekämpfen. Der Brunnen wurde durch den Landesbetrieb Forst Brandenburg gefördert.  


Wie bekommen Sie Beruf und Waldbesitz unter einen Hut?
Die Bewirtschaftung erfolgt in Eigenregie und mithilfe der Familie. Ich verzichte auf eine Restholznutzung, habe einen Waldrand naturnah mit Schlehen und Hagebutten umgestaltet. Dazu haben wir Nistkästen und  Fledermaus-Quartiere angebracht, über 1000 neue Bäume gepflanzt. Unsere Flächen sind nach PEFC zertifiziert, das heißt: Wir setzen auf nachhaltige Waldwirtschaft. Ziel ist es, den Kindern zu zeigen, dass wir auch nur ein Teil des großen Ganzen sind. Nicht falsch verstehen: Der Wald ist kein Wohnzimmer, er muss nicht geharkt werden. Aber Gartenabfälle, Sperrmüll und Bauschutt gehören nun wirklich nicht in den Wald.


Wie hat sich das „Verhältnis“ der Bürger zum Wald während Corona entwickelt?
Da spielte der Wald aus Erholungsgründen plötzlich eine große Rolle. Kurioserweise waren mehr Spaziergänger im Wald unterwegs und es hat weniger gebrannt.


Welche Beziehung haben Sie zum Wald?
Im Prinzip muss ich einen Kompromiss zwischen meiner Arbeit als Feuerwehrmann und Waldbesitzer finden.


Wie meinen Sie das?
Nicht jeder Waldweg kann als Autobahn für die großen Löschfahrzeuge ausgebaut werden. Mit dem Anlegen des Löschwasserbrunnens betreibe ich aktiven Waldbrandschutz.


Wie steht es um den Wald in Südbrandenburg?
Hier müsste der Wald eigentlich auf der Intensivstation liegen. Der Zustand ist durchwachsen: Die Spanne reicht von sehr gut bis zu zum Untergang geweiht.
Wie kann man die Bevölkerung noch mehr für den Wald sensibilisieren?
Im Wald erholen sich doch alle gern: Fahren Rad, sammeln Pilze oder pflücken Heidelbeeren. Corona hat den Vorteil, dass die Leute nicht um die halbe Welt fliegen, sondern ihre Heimatregion erkunden. In den Schulen könnte man wieder mehr Wert auf Heimatkunde, welche heimischen Tiere und Pflanzen leben hier, legen. Nicht falsch verstehen: In der zweiten Klasse kennen sich die Schüler meist besser mit PC und Tablet aus, als mit der heimischen Flora und Fauna. Ich schlage einen Tag des offenen Waldes vor. Der Wald ist aber auch ein Wirtschaftsfaktor: Ein Hektar Wald sichert zweieinhalb Arbeitskräfte.


Was war Ihr schönstes Erlebnis im Wald?
Dass sich meine Kinder für den Wald interessieren, dort richtig viel Spaß mit ganz alltäglichen Dingen haben. Und dass wir ganz klischeehaft unseren eigenen Weihnachtsbaum im Wald schlagen.


Wann können Sie sich einmal zufrieden zurücklehnen?
Das gehört nicht zu meinem Naturell, mich zurückzulehnen. Zurzeit denke ich darüber nach, einen Waldlehrpfad einzurichten. Zufällig ist ein zuständiger Revierförster auch einer der wenigen Waldpädagogen Brandenburgs.


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