Dienstag, 29. September 2020
Freitag, 31. Juli 2020

TORGAU

Gute Spiele, schlechte Spiele: Im Gespräch mit dem Gaming-Profi

Am nächsten Mittwoch ist Michael Baur zu Gast auf Schloss Hartenfels. Foto: Privat

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Im Vorfeld der 9. Schlossvorlesung zu „Wege in die Videospielindustrie“ sprach die TZ mit Ex-Entwickler und Game-Design-Professor Michael Baur über den Spagat zwischen Kunst und Technik, Arbeiten in der Games-Branche und deren Stellung in Deutschland.

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Videospiele sind DAS Massenmedium des 21. Jahrhunderts. Laut dem Verband der Deutschen Gamesbranche spielt fast jeder zweite Deutsche zumindest gelegentlich auf Konsole, Computer oder Mobilgerät, 35 Prozent der Deutschen zocken sogar regelmäßig. 2019 gingen in Deutschland 45,5 Millionen Spiele entweder über die „reale“ oder die virtuelle Ladentheke, der Umsatz mit dem Verkauf von Videospielen betrug 1,05 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Und obwohl der Markt rund um die Videospiele mittlerweile größer ist als die Kino- oder Musik-Branche, fristet das interaktive Unterhaltungsmedium auch 2020 noch ein gewisses Schattendasein. Um dem entgegenzuwirken, stellte das Medienpädagogische Zentrum Plus nicht nur die Ausstellung „Aufbruch ins Abenteuer“ auf Schloss Hartenfels auf die Beine, sondern lädt auch am kommenden Mittwoch, 5. August, 18 Uhr zu einer Schlossvorlesung zum Thema Videospiele ein. Zu Gast ist Michael Baur, der heute nicht nur Professor für Game-Design am Leipziger Campus der Macromedia Hochschule sowie Vorstands- und Gründungsmitglied im Games & XR-Verband Mitteldeutschland ist, sondern selbst über 20 Jahre lang als Game-Designer und -Entwickler gearbeitet hat. Dabei war er unter anderem an Titeln wie „Die Siedler Online“, „Might and Magic Heroes Online“, „BattleForge“ und „Spellforce“ beteiligt. Mit der TZ sprach Baur unter anderem über die Stärken eines guten Videospiels, die aktuelle Lage der Games-Industrie in Deutschland und die Vorteile, die eine Arbeit in ihr mit sich bringt.

TZ: Hallo, Herr Baur, Sie sind Professor für Game-Design, ein Wort, mit dem wohl viele unserer Leser kaum etwas anfangen können. Worum genau handelt es sich dabei?
M. Baur:
Game-Design bezeichnet die Art und Weise, wie ein Spiel konzipiert ist. Die Regeln und Rahmenbedingungen, denen es sich unterordnet, das ist das Game-Design. Das können ganz grundlegende Dinge wie etwa die Wahl des Spiele-Genres, aber auch kleine Details, wie zum Beispiel die Sprunghöhe eines Charakters, sein. Die Programmierer, die ja in der Regel immer als diejenigen gesehen werden, die die Computerspiele machen, setzen dann das Game-Design um. Ebenso wie auch die Gestalter erst nach den Designern ihre Arbeit beginnen und diese dem Design unterordnen.

Und so etwas gibt es nur bei Computerspielen?
Nein, natürlich nicht. Auch bei ganz klassischen, analogen Gesellschaftsspielen gibt es ein Game-Design. Bei denen wird dann aber eben zum Beispiel entschieden, ob man mit Würfeln oder Karten spielt. Auch bei mir im Studiengang fangen wir zuerst mit dem Design von analogen Spielen an und gehen von dort aus dann zu den weitaus komplexeren Videospielen über.

Denkt man an einen Designer, kommt einem zuerst ein Künstler in den Sinn. So, wie Sie es aber nun erklären, scheinen Game-Designer mehr technisch als künstlerisch zu arbeiten.
Teils, teils. Natürlich muss man eine gewisses technisches Gespür mitbringen, um zu wissen, was umsetzbar ist und was nicht. Aber trotzdem braucht es auch kreative Fähigkeiten, um innovative Ideen zu entwickeln.

Sind es eben diese innovativen Ideen, die ein gutes Spiel ausmachen?
Teilweise ja. Wenn man es ganz einfach ausdrücken will, dann gibt es zwei Arten von guten Spielen. Es gibt die großen Produktionen, wie etwa ein „Call of Duty“, „Fifa“ oder als aktuellstes Beispiel „Last of Us 2“, die Budgets in dreistelliger Millionenhöhe verschlingen und auch entsprechend viel einspielen müssen, um rentabel zu sein. Diese Spiele sind oftmals nicht besonders innovativ, aber dafür vom reinen Game-Design wahnsinnig hochwertig gemacht und handwerklich meist einwandfrei. Und dann gibt es die kleineren Spiele von unabhängigen Teams ohne große Budgets, die sich dann aber auf neue Ideen einlassen und damit Innovation in die Videospiellandschaft bringen. Die sprechen dann nicht unbedingt den Massenmarkt an, sind aber im Zweifel interessanter zu spielen.

Was macht für Sie persönlich ein gutes Spiel aus?
Man muss es spielen wollen. Ein gutes Spiel entwickelt einen so genannten Flow, also einen Spielfluss, in den man hineingezogen wird. Man spielt und spielt und vergisst dabei im Optimalfall alles um sich herum. Bei einem schlechten Game-Design kann sich das schnell umdrehen und man muss sich zwingen, das Spiel zu spielen.

Was machte für Sie die Faszination dabei aus, Videospiele zu designen?
Die Abwechslung. Auf der einen Seite ist man technisch tätig, auf der anderen ist es auch Kunst, die man erschafft. Der Prozess, wenn man ausknobelt, wie der Spieler den meisten Spielspaß hat und das dann umsetzen kann, war für mich immer das spannendste. Und auch, dass man nach und nach miterlebt, wie eine Vision entsteht und von Anfang bis Ende an ihr beteiligt ist.

Das klingt sehr verlockend und ist bestimmt auch ein Grund dafür, dass viele junge Menschen heutzutage ihren Weg in die Spieleindustrie finden wollen. Nur ist die, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, noch sehr unterrepräsentiert. Wie schätzen Sie als Profi die deutsche Games-Branche ein?
Die weltweite Videospielentwickler-Branche ist riesig und im Gegensatz sind wir hier in Deutschland relativ klein aufgestellt. Vor allem, wenn man mal nach Asien, Nordamerika oder auch in das europäische Ausland, wie zum Beispiel nach Frankreich oder Polen, blickt. Aber die Branche befindet sich im Aufschwung, auch die Reputation wird besser. Das merkt man zum einen an der zunehmenden Anzahl von Fördermöglichkeiten, die deutsche Studios beanspruchen können, aber auch an der Anzahl der Ausbildungsstätten, die sich mit dem Thema „Videospiele“ auseinandersetzen.

Warum ist die Videospielindustrie in Deutschland denn verhältnismäßig so klein?
In der Vergangenheit wurde dieses Medium einfach sehr stiefmütterlich behandelt und immer wieder mit verschiedenen Verboten klein gehalten. Seien es die in anderen Ländern sehr beliebten Arcade-Hallen in den 80er-Jahren,  die in Deutschland als Glücksspiel angesehen wurden und für Kinder nicht zugänglich waren oder die altbekannte Killerspieldebatte, die sich rund um die Gewalt in Videospielen dreht. Allgemein lässt sich sagen, dass wir einfach etwas spät dran sind mit der Förderung der Videospielkultur.

Würden Sie Deutschland in diesem Bereich als abgehängt bezeichnen?
Nein, auf keinen Fall. Die Tendenzen stehen gut, der Staat unterstützt uns mehr und mehr und auch der Bundesverband „game“ leistet eine gute Arbeit.

Also können Sie denjenigen, die in der Videospielbranche arbeiten wollen, eine Empfehlung aussprechen?
Ja, auf jeden Fall. In den Studios in denen ich gearbeitet habe, durfte ich die Erfahrung machen, dass  dort ein sehr lockeres Arbeiten herrscht. Man verfolgt im Team ein gemeinsames Interesse, hat auch jede Menge Gemeinsamkeiten mit seinen Kollegen und dementsprechend auch viel Spaß bei der Arbeit. Man muss sich jedoch im Klaren sein, dass es nicht der hochbezahlteste Job ist, aber für mich der mit der höchsten Lebensqualität.

Und wie man einen Job mit einer solche Lebensqualität findet, erzählen Sie dann nächsten Mittwoch in der Schlossvorlesung?
Im Grunde ja. Ich werde ein paar Einblicke in das Arbeiten in der Videospielindustrie geben, ein bisschen was dazu erzählen, wie ein Videospiel entsteht und auch meinen Studiengang vorstellen. Ich würde mich freuen, wenn sich viele interessierte Zuhörer im Schloss einfinden, nach meinem Vortrag stehe ich natürlich auch noch für Fragen zu Verfügung.


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