Sonntag, 20. September 2020
Montag, 3. August 2020

BELGERN-SCHILDAU

Kiesgrube Liebersee: Die Gefahr lauert unter Wasser

Für das Südseefeeling fehlen nur noch Palmen: Heller Sand in türkisblauem, klaren Wasser. Dennoch ist die Idylle trügerisch. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Liebersee. Hier fördert das Kieswerk Hülskens Kies und Sand. Dabei entsteht ein See mit klarem Wasser und hellen Sandstränden. So eigentlich ein Badeparadies, aber als aktives Bergbaugebiet grundsätzlich lebensgefährlich. Warum das Baden und auch der Aufenthalt auf dem Betriebsgelände derart riskant ist, lesen Sie hier.

 

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Klares Wasser, Sandstrand und dazu noch ein sanft abfallender Boden im See – bei schönem Wetter könnte es auch mit Kindern keine bessere Badestelle geben. Dennoch  ist dieser See nordöstlich von Staritz eingezäunt – Hinweisschilder rings ums Gelände weisen auf ein Betretungsverbot hin. Außerdem hat der Besitzer ein allgemeines Badeverbot ausgesprochen.

Das Kieswerk
Nämlicher Besitzer ist das Kieswerk Hülskens im Belgern-Schildauer Stadtteil Liebersee. „In dieser Lagerstätte haben wir etwa 60 Prozent Sand und 40 Prozent Kies“, sagt Geschäftsführer Oliver Simon. Damit herrsche ein Überangebot an Sand, sodass dieser zum Großteil direkt wieder in die Kiesgrube eingebracht wird. „Zum einen sind das diese Inseln im See, zum anderen wird der Sand auch am Ufer wieder aufgeschüttet und zur Schaffung landwirtschaftlicher Flächen genutzt“, erläutert Oliver Simon bei einer Besichtigung des Tagebaus.

Oliver Simon

Die Inseln
Nördlich des Dorfes Plotha schweift der Blick über den Tagebau. Hier erklärt der Geschäftsführer das Entstehen der Inseln im blau-grünen Wasser. „Bei der ersten Sortierung des geförderten Materials wird bereits ein Teil des Sandes abgeschieden“, Sagt Oliver Simon. Dieser werde mittels eines dicken Wasserschlauches an der gewünschten Stelle wieder in den See gespült. Hier türmt sich dann Sand auf Sand, bis der Berg oben aus dem Wasser herauskommt. Maßnahmen zur Standsicherheit wurden nicht getroffen. Der Sand liegt also locker und nur vom Eigengewicht gehalten an Ort und Stelle, kann jederzeit wegrutschen. „Man sieht ja auch bloß die oberen Bereiche, vielleicht 5 Prozent. Das ist wie beim Eisberg – was unter der Wasseroberfläche passiert, bleibt unerkannt“ verdeutlicht der Maschinenbauingenieur die unsichtbare Gefahr. Auf die Insel schwimmen und dort das Sonnenbad nehmen, sei dadurch lebensgefährlich.

Die Böschungen
Am westlichen Eckpunkt, dort wo der nordwestliche Teil der Grube beginnt, zeigt Geschäftsführer Oliver Simon die Böschungen. „Der Schwimmbagger holt das Rohmaterial aus 30 bis 35 Metern Tiefe hervor“, sagt er. Damit werde unter Wasser der Fuß der Böschung weggegraben, was diese rutschen ließe. So entstünden die markanten Steilufer.   Diese brechen immer wieder ab. Auch der aktuell gewählte Aussichtspunkt wird so nicht bestehen bleiben, wie ein im Boden zu sehender Riss ankündigt. Auf der gegenüberliegenden Seite, dem Nordufer, ist die Landzunge Dröschkau zu sehen. Westlich von ihr sollte laut Oliver Simon schon ein Badestrand entstehen. „Aber wir haben die Böschung einfach nicht stabilisiert bekommen, trotz Unmengen an Sand, die wir dort verspülten“, führt der Geschäftsfüher aus. Darum habe man das Ufer auch mit Schilf zuwachsen lassen, um das Baden an dieser Stelle zu unterbinden. „Das sind alles aktive Bereiche, die rutschen können“, ordnet er ein. So auch die Landzunge, die an drei Seiten offen ist. Somit kann dieser aufgespülte Sandberg auch in drei Richtungen wegrutschen.

Am Steilufer: Vorn der Riss im Boden, im Hintergrund Abbruchflächen und Baumaschinen.

Die Gefahren
Wenn der aufgespülte Sand ins Rutschen kommt, dann zieht es einem wortwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Dann entstünden nach unten gerichtete Strömungen, die den Badenden mit Macht unter Wasser zögen. Man nenne das auch Sogwirkung. „Sie ertrinken auf jeden Fall“, macht Oliver Simon unmißverständlich und sehr drastisch klar. Eine weitere Gefahr sind die Halteseile der Schwimmbagger und Spülleitungen. In denen kann man sich verfangen und so auch in Not geraten.
Außerdem ist im momentan zweischichtigen Produktionsbetrieb immer mit laufenden Maschinen zu rechnen. Das sind nicht nur die Schwimmbagger, sondern auch die Bandstraßen. Dabei handelt es sich um kilometerlange Förderbänder, mit denen der Kies von der Grube zur Sortieranlage transportiert wird.„Und dann sind da noch unsere Fahrzeuge auf dem Gelände“, weist Oliver Simon auf die riesigen Dumper, Bagger und Planierraupen hin. Just wie er es sagt, kommt eins der Ungetüme in eine dichte Staubwolke gehüllt vorbei geprescht.

Die Renaturierung
Die Inseln und aufgespülten Uferbereiche renaturieren sehr schnell und sehen idyllisch aus. „Dennoch, das ist trügerisch“, warnt zum wiederholten Mal Oliver Simon. Weiterhin gibt es einen Renauturierungsplan, der zum Zug kommt, wenn das Abbaufeld ausgekiest ist. „Bereits jetzt bereiten wir aber schon Flächen vor“, sagt er. So werde überschüssiger Sand in der kleinen Grube direkt neben Klein Staritz abgeladen, planiert und hinterher mit Abraum abgedeckt. Zum Schluss kommt sogenannter Auelehm als Mutterboden oben darauf. „Nach Überprüfung der Standsicherheit werden Teile diese Flächen an die Bauern zur Nutzung übergeben“, so Oliver Simon. Man arbeite gerade mit den Landwirten Hand in Hand, was das Abbaggern und Zurückgeben von landwirtschaftlichen Flächen anbelange.

Nordufer mit Landzunge Dröschkau: Im Vordergrund verläuft die Bandstraße.

Die Sicherung
„Das ist Bergbaugebiet und unterliegt dem Bergrecht“, sagt Oliver Simon. Dementsprechend sei es gesichert. Schon an der Bundesstraße 182 stehen erste Schilder, die das Betreten des Geländes verbieten. Weiterhin sollen Hecken, Zäune und Erdwälle den Zugang verhindern.
Neben den reinen Gefahren für Leib und Leben ist auch noch der juristische Aspekt zu beachten. „Wenn wir dort jemand erwischen, setzen wir unser Hausrecht durch“, erläutert der Geschäftsführer. Jede Übertretung des Badeverbotes werde mit Anzeigen geahndet. „Das wird auch bei anderen mir bekannten Kiesgruben, wo das Baden untersagt ist, so gehandhabt“, verweist Oliver Simon auf diese übliche Strategie. Zusätzlich werden die illegalen Badegäste natürlich umgehend des Platzes verwiesen.

Ein Verbotsschild, das man dem eigenen Leben zuliebe besser ernst nimmt.

 


Kommentar: Gefährliche Kühlung

Lebensgefahr durch Baden in sauberem Wasser mit herrlichem Sandstrand? Das verheißen die Warnschilder rings um die Kiesgrube bei Liebersee. Und die sollte man ernst nehmen. Klar fällt das nicht leicht, Wasserkühlung ist doch effektiv. Also ab in die kühlenden Fluten,vor allem bei diesen Temperaturen! Am besten badet es sich in klaren Wassern. Kiesgruben sind dafür bekannt. Dank der Reinheit spiegelt sich der Himmel besonders gut. Zusätzlich reflektiert der helle Sandboden das ins Wasser eingedrungene Licht. Dieses tiefe Türkis wirkt zum Baden absolut unwiderstehlich. Wenn dann dieser Sand des Gewässergrundes noch am Ufer einen feinkörnigen Strand bildet, kommt ultimatives Urlaubsgefühl auf. Sollte dieser Sand aber lediglich von Maschinen dort aufgeschichtet sein, kann das vermeintliche Badeparadies schnell zur Todesfalle werden. Darum hat das Kieswerk Hülskens in Liebersee dieses Betretungs- und Badeverbot für die dortige Kiesgrube ausgesprochen. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Anzeige rechnen oder noch schlimmer, könnte die Erfrischung mit dem Leben bezahlen.


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